(2026) Bd. 1, 3–5
DOI: 10.36950/jssp.2026.1.1

Editorial

Isabelle Noth ORCID logo , Franziskus Knoll ORCID logo

Die Studiengänge des Aus- und Weiterbildungsprogramms in Seelsorge, Spiritual Care und Pastoralpsychologie (AWS Schweiz) werden von der Theologischen Fakultät der Universität Bern und der Theologischen Hochschule Chur sowie im Einvernehmen mit den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn (in Vertretung der Deutschschweizerischen Kirchenkonferenz) und der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz angeboten.1 Im Herbst 2025 wurde erstmals ein Kurs mit 13 Teilnehmenden in französischer Sprache (»Les bases de l’accom­pagnement spirituel systémique – module d’introduction«) durchgeführt.

Angesichts der erfreulichen Geschichte2 und einer Vielzahl neuer bevorstehender Projekte haben Studien-, Geschäfts- und Programmleitung der AWS Schweiz entschieden, das Angebot des Bern Open Pub­lishing (BOP) der Universität Bern zu nutzen und ein eigenes digitales Open Access Organ mit Peer Review und Print-on-Demand-Option zu gründen. Dies ermöglicht es uns, nicht nur Forschung weltweit frei und gratis zur Verfügung zu stellen (keine teuren und für viele unerschwinglichen Zeitschriftenabos mehr!) und damit unsere Ergebnisse und Erkenntnisse auch besser wahrnehmbar zu machen, sondern das Jahrbuch will auch Weiterbildungsteilnehmer:innen in ihren Lernprozessen unterstützen sowie Absolvent:innen und Interessierten kontinuierlich fachliche Vertiefungen anbieten.

Drei Beiträge wollen wir hier hervorheben: In dieser ersten Ausgabe befindet sich das letzte Interview, das Pfrn. Dr. h.c. Verena Meyer (1940–2025), die Begründerin der Lösungsorientierten Seelsorge, gegeben hat. Prof. Dr. Christina Tuor-Kurth hat es mit ihr noch Ende November 2025 geführt. Es ist ein spannendes Zeugnis der Entstehung und Entwicklung der Lösungsorientierten Seelsorge als eigenständiger Methodik und der entscheidenden Bedeutung tiefenpsychologischer Erkenntnisse. Verena Meyer erläutert darin ein letztes Mal, was ihr besonders am Herzen lag und was die lösungsorientierte Gesprächsführung kennzeichnet.

Prof. Dr. Stefan Huber veröffentlicht in unserem Jahrbuch seine Abschiedsvorlesung. Sein Institut für Empirische Religionsforschung wurde aufgehoben, seine Forschung geht weiter. Er war von 2012 bis 2025 Professor an der Universität Bern – jedoch nur zu 50% und ohne eine aus Universitätsmitteln finanzierte Assistenz. Trotzdem hat er Forschungsprojekte in einem Umfang von mehreren Millionen Franken eingeworben. Er hat in der Funktion als Principal Investigator (PI) mehrere vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Forschungsprojekte abgeschlossen – unter anderem zu Religion und Xenophobie, zu interreligiösen Paarbeziehungen, zu Säkularen in der Schweiz und nun zu religiösen und spirituellen Wendepunkten. Infolge dieser Projekte und seiner Publikationen wird seine empirische Religionsforschung international wahrgenommen – insbesondere in Asien (z.B. in Ländern wie Pakistan, Indien, Indonesien und den Philippinen). Dieses hohe Engagement hat dazu geführt, dass er seit 2019 im Scopus basierten »Stanford-Index« der »worldwide 2% top scientists« in Bezug auf das jeweilige Forschungsjahr geführt wird. Wir sprechen dem Kollegen unseren hohen Respekt vor seiner überragenden Leistung aus und danken ihm, dass er unserem Jahrbuch seine Abschiedsvorlesung anvertraut.

Mit ebensolcher grosser Freude nehmen wir in diesem ersten Band den Habilitationsvortrag von PD Dr. Nikolett Móricz auf, den sie Ende 2025 an der Universität Bern gehalten hat. Sie war zuvor drei Jahre Assistentin an der Abteilung Seelsorge, Religionspsychologie und Religionspädagogik und hat ein CAS in Spital- und Klinikseelsorge der AWS Schweiz absolviert.

Wir danken an dieser Stelle dem Team von BOP und von Sciflow für alle Unterstützung und ausdrücklich auch Assistentin Dr. Rebekka Schaetzle. Ihr tatkräftiges Engagement und ihr gekonntes (auch technisches!) Wirken ermöglicht das Erscheinen dieses neuen Publikationsorgans.

Zum Schluss noch folgender uns wichtiger Hinweis: Der erste Band dieses Jahrbuchs ist der ehemaligen Ordinaria für Praktische Theologie und Religionspsychologie an der Universität Zürich – Prof. Dr. Ellen Stubbe – gewidmet. Sie trat ihre Stelle 1997 an, erhielt 2003 die Kündigung und wurde 2005 vom Zürcher Regierungsrat rehabilitiert. Was auch immer damals geschah, es hätte definitiv anders gehandhabt, begleitet und geklärt werden müssen. Ellen Stubbe geschah grosses Unrecht, das Ausdruck einer erschütternd konfliktunfähigen und wohl auch misogynen universitären Kultur war, an der die Theologie ihren Anteil hatte.

Bern und Chur im Januar 2026,

Isabelle Noth und Franziskus Knoll

Anmerkungen

1Vgl. Reglement für die Weiterbildungsstudiengänge in Seelsorge, Spiritual Care und Pastoralpsychologie vom 3. Dezember 2020, mit Änderungen vom 5. Mai 2025, Art. 1 unter https://www.theol.unibe.ch/unibe/portal/fak_theologie/content/e742­404/e742423/e742517/e1080266/2025_SRrevAWSmitAenderungen20250822_­ger.pdf (Zugriff am 01.01.2026). ↩︎
2Zur Geschichte der AWS vgl. Noth, Isabelle (2023), Pastoralpsychologie in der Schweiz, in: Chronik der Deutschen Gesellschaft für Pastoralpsychologie, in: Transformationen, 38, 283–289. ↩︎