(2026) Bd. 1, 251–253

Start der Reformierten Gesundheits­seelsorge in der Reformierten Kirche Kanton Luzern

1. Bisheriges Seelsorgeangebot ist bekannt, wird je­doch zu wenig genutztBisheriges Seelsorgeangebot ist bekannt, wird je­doch zu wenig genutzt

Die Studie zur Seelsorge im Auftrag der Reformierten Kirche Kanton Luzern durchgeführt von gfs.bern im Jahr 2024 mit einer Mitglieder- und Bevölkerungsbefragung zeigt: Seelsorge ist bekannt, kommt aber häufig erst spät oder gar nicht zum Zug.1 Diese Ausgangslage war Anlass für eine vertiefte Analyse mit der Frage: Wie kann Seelsorge unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen wie auch Veränderungen im Gesundheitswesen weiterhin zugänglich bleiben? In der digitalen Grossgruppenkonferenz diskutierten 2025 rund 180 Personen aus Kirche, Politik, Gesundheitswesen und vielen weiteren Bereichen genau diese Frage.2 Dabei kam heraus, dass Seelsorge relevant ist, aber sie soll einfacher erreichbar, lebensnaher kommuniziert und stärker an den realen Lebenssituationen der unterschiedlichen Zielgruppen ausgerichtet werden. Auch die Kirchgemeinden im Kanton Luzern wurden in strukturierten Interviews über die Seelsorge befragt.3

2. Die Reformierte Gesundheitsseelsorge als offenes Angebot für alle MenschenDie Reformierte Gesundheitsseelsorge als offenes Angebot für alle Menschen

Vor diesem Hintergrund und auch jenem der kantonalen Strategie »ambulant vor stationär« entwickelte die Reformierte Kirche Kanton Luzern zusammen mit der Universität Bern das Angebot der reformierten Gesundheitsseelsorge.4 Der Zugang ist niederschwellig und erfolgt über eine zentrale Telefonnummer, digitale Formulare oder über Zuweisende wie Spitex-Organisationen, Hausärztinnen und Hausärzte oder weitere Institutionen. Eine erste Bedarfsklärung ermöglicht eine gezielte Begleitung oder auch eine Weitervermittlung. Persönliche Gespräche stehen im Zentrum. Ein weiteres zentrales Element ist die Systematisierung. Besonders in Übergangssituationen, bei chronischen Erkrankungen oder im Bereich der Palliativversorgung zeigt sich der Bedarf nach kontinuierlicher seelsorglicher Begleitung in einem Bezugspersonensystem. Die reformierte Gesundheitsseelsorge folgt einem klar definierten Ablauf mit Zuständigkeiten, thematischer Spezialisierung und laufender Evaluation sowie Weiterentwicklung von spezialisierten Seelsorgenden. Die reformierte Gesundheitsseelsorge ist keine Konkurrenz zu bestehenden stationären Angeboten oder Angeboten vor Ort in den Kirchgemeinden. Sie ergänzt diese, da viele Zielgruppen insbesondere im ambulanten sowie im digitalen Bereich nicht erschlossen sind.

3. Kontaktpunkte über Präventionstipps erhöhenKontaktpunkte über Präventionstipps erhöhen

Ein zentrales Merkmal des Angebots ist der niederschwellige Zugang. Die reformierte Gesundheitsseelsorge wird bewusst nicht erst dann angeboten, wenn eine akute Krise in Erscheinung tritt, sondern versteht sich auch als präventives Angebot. Ein wichtiger Bestandteil dieses niederschwelligen Zugangs sind Präventionstipps, die als erste Kontaktpunkte konzipiert sind. Diese kurzen, alltagsnahen Impulse greifen typische Lebensrealitäten auf – etwa psychische Erschöpfung, körperliche Anspannung, soziale Überforderung oder spirituelle und religiöse Orientierungslosigkeit. Sie bieten leicht umsetzbare Anregungen, die Menschen unmittelbar unterstützen können. Gleichzeitig fungieren sie als Türöffner zu weiterführenden Angeboten.

Die Präventionstipps werden vor allem über Social Media und über die Webseite reflu.ch/gesundheit ab Frühling 2026 veröffentlicht.

4. ­Ausblick der reformierten Gesundheitsseelsorge­Ausblick der reformierten Gesundheitsseelsorge

Mit dem Projekt beschreitet die Reformierte Kirche Kanton Luzern bewusst einen Lernweg. In den Jahren 2026 bis 2028 werden Erfahrungen gesammelt, Netzwerke aufgebaut und das Angebot kontinuierlich weiterentwickelt. Gesundheitsseelsorge steht exemplarisch für eine Kirche, die sich gesellschaftlichen Veränderungen stellt und ihre Kernkompetenz neu digital sowie niederschwellig zugänglich macht.

Reformierte Kirche Kanton Luzern, Geschäftsstelle, Fachbereich Kommunikation

Anmerkungen

2 Vgl. https://www.reflu.ch/dialog (Zugriff am 29.01.2026). ↩︎
4 Vgl. https://integrierte-gesundheitsversorgung.lu.ch/ (Zugriff am 29.01.2026). Vgl. auch Noth, Isabelle / Wild, Thomas / Ingold, Sabina / Roth, Martin (Hg.) (2025), Gesundheitsseelsorge in der Schweiz. Reformierte Perspektiven, Zürich. ↩︎