Vergessen ›in Szene‹ setzen? Überlegungen zu Tom Struyfs Vergeetstuk

  • Aline Vennemann

Abstract

"Was in Erinnerung bleiben soll, bedarf der Konsolidierung durch wiederholtes Durchdenken und Durchfühlen desselben Ereignisses." (Welzer 2011:234) Exakt diese Behauptung wird in Vergeetstuk (2014) exemplifiziert. Dort wird nicht nur über Gedächtnislücken und ihre Konsequenzen verhandelt, sondern gezeigt, wie das Gedächtnis arbeitet und wie Erinnerung entsteht. Paradoxerweise greift der belgische Künstler Tom Struyf für die Inszenierung von solchen Prozessen auf Verdrängungsmechanismen und das Krankheitsbild der Amnesie zurück. »A good memory needs to forget«, belehrt uns zu Beginn des Stückes eine Projektion im Bühnenhintergrund. Schnell käme es nämlich zu einem Erinnerungsstau, sodass für neue Erinnerungen kein Platz mehr wäre. Die Speicherkapazität des Gedächtnisses sowie die mnemonische Wandlungsfähigkeit hängen also vom einzelnen Vermögen des Vergessens ab: »The ability to forget creates space to change your memories.« 
Veröffentlicht
17-01-2017
Zitationsvorschlag
Vennemann, A. (2017). Vergessen ›in Szene‹ setzen? Überlegungen zu Tom Struyfs Vergeetstuk. Itw : Im Dialog, 2. https://doi.org/10.16905/itwid.2016.12.