Over Exposure – Under Observation. Eine Berner Momentaufnahme zeitgenössischer Partizipation

  • Annika Wehrle Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Abstract

Stimme ab, nimm teil, teile Dich mit, sei dabei! Der Ruf nach Partizipation ist heute allgegenwärtig. Sind damit aber auch Räume wirkmächtiger Beteiligung und Entscheidung verbunden, oder handelt es sich um scheindemokratische Inszenierungsstrategien? Wer erhält nach welchen Spielregeln Zugang zu den (politischen) Bühnen der Gegenwart? 

Die heutige Landschaft performativer Künste hat sich zu einer Spielwiese ausdifferenzierter Partizipationsformen entwickelt. War das Theater im Laufe seiner langen Geschichte immer schon ein Ort der Teilhabe und Interaktion, wandelten sich mit den politischen Kontexten, den Machtdispositiven und medialen Verschiebungen stets die Rollen, Funktionen und Kommunikationsanordnungen des Publikums. So stehen heutige Künstler_innen vor der Aufgabe, theatrale Partizipation vor der Folie digitalisierter, globalisierter und mobilisierter Lebenswelten neu zu denken und nach Räumen und Beteiligungsformen zu suchen, mittels derer die performativen Künste ihr politisches, diskursives Potenzial entfalten können. 

Entlang des assoziationsreichen Bedeutungsspektrums des Begriffs ›overexposure‹, den das internationale Theaterfestival AUAWIRLEBEN in Bern 2017 zum Motto gewählt hat, fragt der Beitrag nach den Wechselwirkungen performativer und gesellschaftlicher Partizipation im 21. Jahrhundert und legt neuralgische Punkte, Widersprüchlichkeiten und Spannungsfelder offen, die eine Reperspektivierung des zeitgenössischen Publikumsbegriffs mit sich bringt.

Veröffentlicht
07-03-2019
Zitationsvorschlag
Wehrle, A. (2019) „Over Exposure – Under Observation. Eine Berner Momentaufnahme zeitgenössischer Partizipation“, itw : im dialog, 30, S. 93-110. doi: 10.16905/itwid.2018.6.