Zeitschriften-Geschichte

Linguistik online wurde von Elke Hentschel 1998 mit Unterstützung der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder gegründet. Anlass für die Gründung war nicht nur die neu entstandene Möglichkeit, das Medium Internet für die zeitnahe Publikation von wissenschaftlichen Texten zu nutzen, sondern ganz konkret auch die Tatsache, dass die den Bibliotheken zur Verfügung stehenden Mittel immer knapper wurden. Während dies im Westen Europas zu Einschränkungen führte, mussten in Ost- und Südosteuropa oft sämtliche Abonnements aufgegeben werden. In dieser Situation wollte Linguistik online einen Beitrag dazu leisten, dass linguistische Forschungsergebnisse allgemein zugänglich bleiben. Dies ist auch der Grund, warum sie damals wie auch heute noch allen Interessierten kostenlos zugänglich ist.

Zugleich war damit der Anspruch gegeben, nicht etwa Wissenschaftsjournalismus zu betreiben oder Stimmen eine Plattform zu bieten, die in seriösen Zeitschriften keine Chance hatten, sondern ernsthafte Forschung zu publizieren – und dies bedeutete naturgemäß, dass ein wissenschaftlicher Beirat gegründet werden musste. Es ist den ersten Mitgliedern dieses Beirats hoch anzurechnen, dass sie bereit, waren, der neugegründeten Zeitschrift spontan ihre Zeit und ihr Fachwissen zur Verfügung zu stellen. Unter ihnen waren die inzwischen verstorbene Soziolinguistin Brigitte Schlieben-Lange (1943–2000), der Germanist Harald Weydt, der Romanist Jürgen Trabant und die Anglistin Olga Mišeska Tomić, um nur einige zu nennen. Inzwischen ist die Zahl der Mitglieder auf über 100 angewachsen, und sie alle zusammen leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Sicherstellung der Qualität der veröffentlichten Beiträge. Die peer review erfolgt beidseitig anonym, und jeder Aufsatz muss zwei positive Gutachten erhalten, bevor er publiziert werden kann.

Nachdem die Zeitschrift in den ersten Jahren noch ausschließlich im HTML-Format erschienen war, wurden die Artikel ab 2002 zusätzlich auch im PDF-Format zum Herunterladen zur Verfügung gestellt. In diesem Format hat die jeweilige Ausgabe dann auch durchgehende Seitenzahlen und kann wie das „normale“ Heft einer Zeitschrift ausgedruckt und behandelt werden, was auch das Zitieren erleichtert. 2014 erfolgte eine Teilumstellung auf die Publikationsplattform Open Journal Systems(OJS), wodurch nun auch die Verwendung von Identifikatoren, sog. DOIs (Digital Object Identifiers) möglich wird.

Während Linguistik online anfangs nur auf den Servern der Europa-Universität Viadrina abgelegt und auf einer universitätsinternen Domain zugänglich war, nahm die Zeitschrift in der Folge noch weitere Domains hinzu: zunächst Linguistik-online.net, Linguistik-online.org und Linguistik-online.com, dann auch Linguistik-online.de und Linguistik-online.ch. Zudem wurde sie auf einem weiteren Server gespiegelt, um sicherzustellen, dass sie jederzeit gut zugänglich war. Eine technische Umstellung an der Viadrina, wo 2010 der Unix-Server durch einen Windows-Server ersetzt wurde, führte dazu, dass die Zeitschrift nun dort keinen Platz mehr hatte, so dass sie vorübergehend ausschließlich auf ihrem „eigenen“ Server lag. Mit der Einrichtung von BOP (Bern Open Publishing), einer Plattform für den Betrieb von wissenschaftlichen Open Access-Zeitschriften der Universitätsbibliothek Bern, hat sie 2014 nun dort einen neuen Publikationsort gefunden.