Carolin Kiesewalter: Zur subjektiven Dialektalität mittelbairischer Regionalismen

Salienz und Pertinenz.
Zur subjektiven Dialektalität remanenter Regionalismen des Mittelbairischen

Carolin Kiesewalter (Marburg)

http://dx.doi.org/10.13092/lo.66.1575


 

1 Einleitung

Zur ganzheitlichen Erfassung der Struktur und Dynamik der deutschen Regionalsprachen ist eine Erforschung der hörer- und sprecherseitigen Perspektive auf die regionalsprachlichen Systeme unerlässlich.

Von den subjektiven Konzepten, die Sprachverwender hinsichtlich regional gefärbter Sprache haben und die Purschke (2014) zusammenfassend als sozio-pragmatische Indexikalität linguistischer Einheiten beschreibt, ist die laienlinguistische Vorstellung von der Dialektalität regionalsprachlicher Einzelmerkmale für die moderne Regionalsprachenforschung als grundlegend relevant einzustufen – und zwar in subjektsprachlicher wie auch in objektsprachlicher Hinsicht. Zum einen hat sich gezeigt, dass die Wahrnehmung und Bewertung regional gefärbter Sprache in der Alltagskommunikation häufig wesentlich von der entsprechenden Kategorisierung einzelner Regionalismen geprägt ist – etwa wenn die Äußerung eines Sprechers aufgrund auffälliger koronalisierter /ç/-Varianten situativ als dialektnah eingestuft wird und darüber eine bestimmte regionale Herkunft und/oder sonstige Sprechereigenschaften assoziiert werden. Zum anderen ist anzunehmen, dass diese perzeptionslinguistische Eigenschaft von Regionalismen einen Großteil der (synchronen und letztlich auch diachronen) Variationsprozesse im deutschsprachigen Raum (mit)bestimmt, wenn sprecherseitig als dialektal eingestufte Merkmale bei Standardintention vermieden bzw. bewusst zur Dialektmarkierung eingesetzt werden und so bspw. zur Signalisierung von sozialer Nähe oder Distanz funktionalisiert werden.

Für die Forschung ergeben sich hieraus als Desiderata, die laienlinguistischen Konzepte der subjektiven Dialektalität regionalsprachlicher Merkmale theoretisch und empirisch fundiert zu definieren sowie ihre linguistischen und extralinguistischen Einflussfaktoren zu benennen.

Subjektive Konzepte von der Dialektalität regionalsprachlicher Merkmale werden vorliegend als basale Formen der sozio-pragmatischen Indexikalität linguistischer Phänomene gewertet. Damit beruhen sie nach Purschke (2014) auf einem Zusammenspiel zwischen der Salienz und Pertinenz der Merkmale. Unter Salienz ist in diesem Kontext "die dem Gebrauch einer sprachlichen Variante durch Interpretation zugewiesene Eigenschaft" zu verstehen, "situativ von einem individuellen Normhorizont abzuweichen" (Purschke 2011: 84); sie bezieht sich also auf die wahrnehmungsbedingte subjektive Auffälligkeit von Regionalismen und damit auf die Frage, ob Regionalismen hörer- bzw. sprecherseitig als Normabweichungen bewusst sind oder nicht. Die Komponente der Pertinenz vervollständigt das metasprachliche Konzept um die "(perzeptive und interozeptive) subjektive Relevanz", um die sozio-symbolische Bedeutung also, die salienten Regionalismen evaluationsbedingt beigemessen wird (cf. ibd.: 87); hierbei entscheidet sich, ob saliente Regionalismen als relevante oder irrelevante dialektale Abweichungen vom hörerindividuellen Normhorizont bewertet werden.

Es ist davon auszugehen, dass die Salienz und Pertinenz von Regionalismen und damit die sich aus ihnen konstituierenden metasprachlichen Konzepte von linguistischen wie extralinguistischen Faktoren gleichermaßen bestimmt werden. Diese Faktoren ergeben sich aus der Konstellation konkreter Interaktionssituationen, sodass metasprachliche Konzepte prinzipiell als dynamisch-flexibel zu definieren sind – auch wenn gewisse Konstanzen, basierend auf alltagssprachlichen Erfahrungswerten und Routinen, anzunehmen sind.

Mögliche linguistische Einflussfaktoren sind in den spezifischen Eigenschaften der sprachlichen Phänomene selbst zu sehen; diese benennt Purschke (ibd.: 84) mit dem Terminus Salienzpotenzial und fasst darunter merkmalinhärente Eigenschaften (wie z. B. das phonetische Sonoritätspotenzial einer lautlichen Variante) ebenso wie Charakteristika des linguistischen (d. h. lautlichen, lexikalischen, syntaktischen etc.) Kontextes, in dem ein Regionalismus auftritt. Extralinguistische Determinanten sind in Form all jener subjektbezogenen Charakteristika zu erwarten, welche die Interpretation und Bewertung sprachlicher Einheiten beeinflussen können. Hierzu zählen basale auditive Fähigkeiten des Sprachverwenders ebenso wie Faktoren, die seinen individuellen (regional)sprachlichen Wissensstand und Normhorizont prägen, etwa die regionale Herkunft und daraus resultierende sprachliche Hörgewohnheiten und Wertvorstellungen.

Die subjektive Dialektalität regionalsprachlicher Merkmale soll damit vorliegend definiert werden als zentrale perzeptionslinguistische Eigenschaft von Regionalismen, hörer- bzw. sprecherseitig saliente (d. h. auffällige, bewusste) und pertinente (d. h. relevante) regionalsprachlich indizierte Abweichungen von der subjektiv definierten Norm des Standarddeutschen darzustellen.

Nach Purschke (2011) sind Salienz und Pertinenz einerseits als dichotomische Größen zu verstehen – insofern, als dass Merkmale subjektiv auffällig/bewusst sind oder nicht bzw. als relevant oder irrelevant erachtet werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass sich darüber hinaus auch eine graduelle Komponente in den metasprachlichen Konzepten ergibt. Diese Gradualität wird vorliegend auf Unterschiede im merkmalspezifischen Salienzpotenzial zurückgeführt, durch die sich bereits auf der Perzeptionsebene unterschiedlich stark auffällige Kontrastqualitäten ergeben können – denen wiederum im Rahmen der Evaluation eine unterschiedlich hohe Relevanz beigemessen werden kann. Die subjektive Dialektalität regionalsprachlicher Merkmale kann demnach auch als subjektiver Dialektalitätsgrad spezifiziert werden, als eine graduelle Eigenschaft also, die manchen Regionalismen mehr, anderen weniger beigemessen wird.

Diese perzeptionslinguistische Qualität regionalsprachlicher Merkmale empirisch zu erheben und Faktoren, mit denen sie mutmaßlich in Zusammenhang steht, auf ihre tatsächliche Relevanz hin zu überprüfen, ist Ziel meines laufenden Dissertationsprojekts, von dem Untersuchungsanteile sowie erste Ergebnisse in diesem Beitrag vorgestellt werden. Gegenstand der im Rahmen des REDE-Projekts1 unternommenen Untersuchung bilden 45 der wichtigsten remanenten phonetisch-phonologischen Regionalismen des Deutschen. Im Kontext akustischer Stimuli wurden diese mithilfe eines Perzeptionstests, konzipiert in Anlehnung an Herrgen/Schmidt (1985), auf ihren subjektiven Dialektalitätsgrad hin überprüft. Vorliegend sollen hieraus gewonnene Hörerurteile über 15 mittelbairische Regionalismen präsentiert werden. In der Kontrastierung der Urteile nordniederdeutscher, obersächsischer und mittelbairischer Hörer wird zudem eruiert, ob der extralinguistische Faktor der Hörerherkunft und damit die regionalsprachliche Prägung der Beurteilenden Einfluss auf die Wahrnehmung und Bewertung der Regionalismen zeigt. Des Weiteren wird überprüft, ob bzw. inwiefern die hörerseitige Bewertung der Regionalismen mit ihrer sprecherseitigen intersituativen Verwendung übereinstimmt. Auf diese Weise wird das Verhältnis zwischen der subjektiven Dialektalität der Merkmale und dem linguistischen Faktor ihres synchronen Variationsverhaltens beleuchtet.


2 Forschungskontext

Bei der Erforschung der laienlinguistischen Perspektive hat man sich im deutschsprachigen Raum bereits relativ früh auf die Frage der subjektiven Dialektalität regionalsprachlicher Phänomene konzentriert und Versuche unternommen, entsprechende Konzepte in Form von Hörerurteilen über akustische Stimuli zu erheben.

Eine bewährte Methode stellt in diesem Kontext der Skalentest dar: Hierbei bewerten naive Hörer den subjektiven Dialektalitätsgrad regionalsprachlicher Stimuli mithilfe siebenstufiger Bewertungsskalen, deren Pole als "tiefster Dialekt/Platt" bzw. "reines Hochdeutsch" bezeichnet sind. Die Testauswertung basiert auf einer anschließenden Kodierung der Skalenstufen mit Werten von 0 bis 6, wodurch sich letztlich für jeden bewerteten Stimulus ein subjektiver Dialektalitätswert ermitteln lässt.

Ein Großteil solcher Studien ist der Frage gewidmet, ob linguistisch auf vertikaler Ebene ermittelte Verdichtungsbereiche oder Sprechlagen varietärer Spektren auch aus der Perspektive linguistischer Laien von Bedeutung sind, das heißt von naiven Hörern im Perzeptionstest vergleichbar differenziert werden. Tatsächlich belegen die Ergebnisse hierzu einhellig, dass sich die wissenschaftlich eruierbaren Sprechlagen auch in der subjektiven Bewertung der Sprachverwender abbilden lassen (cf. z. B. Purschke 2003: 254–262; Lameli 2004b: 273; Kehrein 2009). Im Umkehrschluss ist dies als Beleg für die objektsprachliche Relevanz laienlinguistischer Konzepte vom subjektiven Dialektalitätsgrad regional gefärbter Sprache zu werten. Über die Wahrnehmung und Bewertung einzelner Merkmale lassen die im Rahmen dieser Studien erzielten Dialektalitätswerte jedoch in der Regel keine Aussagen zu, da sich die Werte auf die Gesamtheit mehrerer in den Proben enthaltener Merkmale beziehen.

Zur Erhebung des subjektiven Dialektalitätsgrades einzelner Regionalismen bedienen sich Herrgen/Schmidt (1985) daher einer speziellen Form des Skalentests.2 Der wesentliche Unterschied zum oben beschriebenen Testtypus besteht darin, dass hier Stimuli verwendet werden, die jeweils nur eine substandardsprachliche Variante enthalten – bei ansonsten interferenzfreier Standardsprachlichkeit. Die subjektiven Dialektalitätswerte, mit der die Hörer eine Probe beurteilen, können somit direkt auf den jeweils enthaltenen Regionalismus bezogen werden, d. h. sie bilden die merkmalspezifische Wahrnehmung und Bewertung ab. Während Herrgen/Schmidt (1985) auf diese Weise Dialektalitätsurteile Mainzer Hörer zu einer Reihe phonetisch-phonologischer Merkmale des Mitteldeutschen erheben, überprüft Kiesewalter (2011) mit Hilfe der Methode den subjektiven Dialektalitätsgrad lautlicher neuhessischer3 Regionalismen aus Sicht von ober-, mittel- und niederdeutschen Hörern; Leser (i. Bearb.) lässt im Rahmen des Projekts "Syntax hessischer Dialekte" (SyHD) aktuell syntaktische Merkmale des hessischen Raums vonseiten hessischer Hörer bewerten.

Ob bzw. inwiefern bestimmte Regionalismen aus Sicht naiver Hörer als standarddifferent wahrgenommen und bewertet werden, untersuchen auch Elmentaler/Gessinger/Wirrer (2010) und Butterworth/Glawe (2011) im Projekt "Sprachvariation in Norddeutschland" (SiN), sowie Hettler (2013) – allerdings über einen alternativen methodischen Zugang: Akustische Stimuli, die jeweils einen lautlichen oder syntaktischen norddeutschen Regionalismus enthalten, werden Hörern aus unterschiedlichen niederdeutschen Dialektverbänden präsentiert. Im Rahmen einer Einzelbefragung verbalisieren die Hörer probenweise diejenigen Merkmale, die sie als standarddifferent einstufen. Quantifiziert werden die Urteile über Nennungsraten, die angeben, von wie vielen Testpersonen ein in einer Probe enthaltener Regionalismus als standardabweichend identifiziert wurde.4

Bei der Erhebung der Hörerurteile untersucht man zudem in einigen Studien, welchen Einfluss die regionalsprachliche Herkunft von Laien auf ihre metasprachlichen Urteile zeigt. Es ist davon auszugehen, dass Hörerurteile über die Dialektalität sprachlicher Phänomene zum großen Teil auf der kommunikativen Kompetenz des bewertenden Subjekts beruhen. Letztere gründet sich zum einen auf Aspekte des Sprachregelwissens, zum anderen auf solche des Sprachverwendungswissens – des Wissens also über die sozio-situativen Verwendungskonventionen sprachlicher Entitäten (cf. Ziegler 1996: 147). Ausbildungsgrundlage dieser Kompetenzen bilden zum einen individuumsspezifische Voraussetzungen und Erfahrungen, größtenteils aber beruhen sie auf dem in der Sozialisation übernommenen, gruppenintern gültigen Allgemeinwissen von Sprechergemeinschaften. Da letztere gerade im deutschsprachigen Raum vorrangig diatopisch formiert sind, dürfte die regionale Herkunft einer Person für metasprachliche Hörerurteile von grundlegender Bedeutung sein. Im Rahmen von Hörerurteilen über die Dialektalität mehrfach interferierter Sprachproben jedoch blieben die entsprechend erwarteten Proximity- oder Nähe-Effekte aus: Der Abweichungsgrad einer Probe vom "reinen Hochdeutschen" wurde von ober-, mittel- und niederdeutschen Hörern im Wesentlichen gleich eingeschätzt, offenbar unabhängig also von der Herkunft der Testpersonen und ihrer daraus resultierenden regionalsprachlichen Prägung (cf. Lameli 2004a u. 2004b; Kehrein 2009; Purschke 2010: 167).

Ob auch die subjektive Dialektalität einzelner Merkmale interregional identisch ist, sollte im Rahmen einer Vorstudie zur vorliegend zu besprechenden Untersuchung stichprobenartig überprüft werden (cf. Kiesewalter 2009 und 2011). Als Resultat ergab sich dabei eine im Wesentlichen interregional gültige subjektive Dialektalitätshierarchie der Varianten, darüber hinaus zeigten sich jedoch im Bezug auf einzelne Merkmale signifikante Bewertungsunterschiede – und zwar bemerkenswerterweise mit unterschiedlicher Ausrichtung: So wurden zwei der Regionalismen in den Testregionen jenseits ihrer Verbreitungsgebiete deutlich dialektaler bewertet als vonseiten ihrer potenziellen (hessischen) Sprecher; ein anderes Merkmal hingegen wurde ausgerechnet in der Eigenwahrnehmung weit dialektaler eingestuft als vonseiten der regionsfremden Hörer (cf. Kiesewalter 2011: 364–366). Dass Nähe-Effekte im Kontext der hörerseitigen Einzelmerkmalbewertung wirksam sein können, deutete sich auch bereits in den ersten Ergebnissen aus den SIN-Perzeptionstests an. So berichten Elmentaler/Gessinger/Wirrer (2010: 118–119), dass einige Merkmale in der Fremdwahrnehmung häufiger als standardabweichend bewertet wurden als in der Eigenwahrnehmung.5

Ein weiteres zentrales Forschungsdesiderat besteht in der Klärung der Relation zwischen den laienlinguistischen Konzepten regionalsprachlicher Einheiten und ihrer objektsprachlich feststellbaren Variation und Dynamik. Mit den kontaktlinguistischen Studien Viktor Schirmunskis (1928/1929 und 1930) und Peter Trudgills (1986) gründeten die ersten perzeptionslinguistischen Forschungsarbeiten auf der Annahme eines absoluten Zusammenhangs zwischen der Salienz sprachlicher Merkmale und ihrer Variation und Dynamik: Trudgill und Schirmunski erkannten, dass auffällige bzw. sprecherseitig bewusste Regionalismen eine erhöhte Veränderungssensitivität im Rahmen von Akkommodations- und Wandelprozessen zeigten und setzten die beiden Faktoren daraufhin miteinander gleich. So definierten sie saliente Merkmale als diejenigen Merkmale einer Varietät, die seitens – kurzfristig oder langfristig, horizontal oder vertikal – akkommodierender Sprecher(gemeinschaften) abgelegt bzw. modifiziert werden; als kategorisch unauffällig bestimmten die Forscher Merkmale, die in ihren Studien keine Dynamik zeigten.6 Im Zuge ihrer Rezeption wurde diese ursprüngliche Definition jedoch schließlich als zirkulär erkannt und die unzureichende empirische Überprüfung des Salienzfaktors bei Schirmunski, Trudgill und anderen, in ihrer Folge ähnlich verfahrenden Autoren kritisiert: Vorzugeben, man könne mittels der Messung objektiver Daten per se auch die perzeptionslinguistische Ebene von Sprache erfassen, so bspw. Herrgen/Schmidt (1985: 22), sei unzulässig.7

Im Rahmen rezenter Studien werden subjektive Konzepte regionalsprachlicher Phänomene daher zunächst völlig unabhängig von objektiven Merkmalcharakteristika erhoben. Im Anschluss sind dann fundierte Vergleiche möglich. Bisherige Ergebnisse hierzu zeigen, dass Salienz im Sinne der sprecherseitigen Bewusstheit von Regionalismen nicht zwangsläufig mit der Variation und Dynamik der Regionalismen einhergeht. Die Pertinenz der Merkmale im Sinne ihrer subjektiven Relevanz stellt eine weitere wichtige Voraussetzung für die Merkmalvariation dar. Dies zeigen bspw. Auer et al. (1998: 182) in ihrer Studie zur sprachlichen Akkommodation obersächsischer Sprecher, die ins West- bzw. Oberdeutsche übersiedelten und die nachweislich saliente Variante ni (für standardsprachliches nicht) allein aufgrund ihres positiven Prestiges kaum reduzierten.8 Trudgill (1986: 32) bereits nennt zum anderen die Stigmatisierung auffälliger Merkmale als Faktor, der u. U. akkommodationshemmend wirken könne, so wie im von ihm beobachteten Fall des amerikanischen [æː] (z. B. in dance; im Gegensatz zu britischem [aː]), das seitens akkommodierender Briten nicht erworben wurde, weil diese es als zu stereotyp amerikanisch empfanden.

Darüber hinaus kann die Variation auch salienter und pertinenter Regionalismen an den Grenzen sprecherseitiger Kompetenzen scheitern. So belegt Lenz (2003: 187) mit der /ç/-Koronalisierung im Westmitteldeutschen ein hoch salientes und pertinentes Phänomen, das in ihrem Wittlicher Korpus dennoch eine starke Abbauresistenz an den Tag legt. Diese ist wohl zum größten Teil der Tatsache geschuldet, dass der Regionalismus einen komplexen Systemkontrast zwischen den beteiligten Varietäten markiert, der sprecherseitig zu Verwirrungen führt: Während das Substandardsystem nur ein /ʃ/-Phonem aufweist, stehen diesem in der Standardsprache /ç/ und /ʃ/ gegenüber. Den Sprechern ist die Distribution der standardsprachlichen Phoneme unklar, weswegen es zu einer generellen Verwendung postpalataler Varianten kommt oder aber zu Hyperkorrektionen (wie z. B. in [tɪç] für Tisch). Kompetenzgrenzen können sich aber auch allein dadurch ergeben, dass die angestrebten Varianten einer Zielvarietät nicht im sprechereigenen Lautinventar enthalten sind und artikulatorisch neu erlernt werden müssten, was bspw. häufig im Kontext bestimmter /r/-Laute zu beobachten ist (cf. Schmidt 2005: 27).

Mit der vorliegenden Untersuchung sollte nun auf breiterer Datenbasis überprüft werden, welche Auswirkungen die Hörerherkunft auf skalenbasierte Urteile über die subjektive Dialektalität sprachlicher Einzelmerkmale hat. Im Folgenden soll dieser Aspekt am Beispiel von 15 mittelbairischen Varianten und ihren aus einem Hörtest gewonnenen Dialektalitätswerten eruiert werden. Darüber hinaus wird untersucht, ob bzw. inwiefern die subjektive Dialektalität der Regionalismen mit ihrer situationsspezifischen Veränderungssensitivität einhergeht.


3 Zur subjektiven Dialektalität mittelbairischer Regionalismen

3.1 Gegenstand und Ziele der Untersuchung

Die im Folgenden beschriebene Testreihe wurde im Rahmen meines Dissertationsprojektes konzipiert und durchgeführt. Hauptziel dieses Vorhabens ist es, die subjektive Dialektalität der wichtigsten remanenten phonetisch-phonologischen Regionalismen des Bundesdeutschen empirisch zu erheben und entsprechende (extra)linguistische Einflussfaktoren aufzuzeigen. Vorliegend sollen aus dieser Untersuchung Auszüge herangezogen werden, in deren Zusammenhang empirische Daten zur subjektiven Dialektalität 15 lautlicher mittelbairischer Regionalismen erbracht wurden. Diese Daten wurden mithilfe eines in Anlehnung an Herrgen/Schmidt (1985) konzipierten Perzeptionstests erhoben. Die hier relevanten Forschungsfragen der Untersuchung lassen sich wie folgt formulieren:

1. Welcher subjektive Dialektalitätsgrad lässt sich für die ausgewählten mittelbairischen Merkmale ermitteln?

2. Mit welchen (extra-)linguistischen Faktoren steht die subjektive Dialektalität der Merkmale in Zusammenhang?

2.1 In welcher Relation stehen die subjektive Dialektalität der Merkmale und die regionale Herkunft (bzw. die damit einhergehende regionalsprachliche Prägung) der beurteilenden Hörer?

2.2 In welcher Relation stehen die subjektive Dialektalität und das Variationsverhalten der Regionalismen? Korreliert die subjektive Dialektalität der Merkmale mit der situationsspezifischen Merkmalverwendung vonseiten zweier mittelbairischer Sprecher?

3.2 Konzeption, Durchführung und Auswertung der Untersuchung

3.2.1 Zur Auswahl der Testregionalismen

Die Auswahl der auf ihre subjektive Dialektalität zu überprüfenden mittelbairischen Regionalismen wurde mit der Absicht getroffen, möglichst die wichtigsten lautlichen remanenten Merkmaltypen des bundesdeutschen Raums für die Hauptuntersuchung zusammenzustellen. Basierend auf Angaben aus der einschlägigen Fachliteratur9, sowie auf der Sichtung standardorientierter Sprachproben aus dem Korpus des REDE-Projekts10 wurde hierzu zunächst eine Liste von nahezu 60 phonetisch-phonologischen Merkmaltypen erstellt, die für den bundesdeutschen Regiolekt insgesamt anzunehmen sind.

Hiervon für den Test ausgewählt wurden nun vorzugsweise jene Merkmaltypen, die möglichst frequent in den genannten Quellen auftreten und eine ausreichend hohe Variablenfrequenz im deutschen Lautsystem aufweisen. Des Weiteren wurden Regionalismen von tendenziell großräumiger Verbreitung im bundesdeutschen Raum bevorzugt, vereinzelt aber auch gezielt solche mit kleinerem Geltungsbereich und potentieller Markerfunktion für einzelne Regionalsprachen in das Testset aufgenommen. Methodische Bedingung war, die ausgewählten Merkmaltypen letztlich als konkrete Varianten bestimmter Regionalsprachen mit den Hörteststimuli erheben zu können, wobei zu viele unterschiedliche Sprecher und damit potenzielle Störfaktoren in Form idiolektaler Merkmale in den Stimuli möglichst zu vermeiden waren.

Resultat dieser Merkmalauswahl bildet ein Testset von insgesamt 45 phonetisch-phonologischen Merkmaltypen, von denen 16 in Form nordniederdeutscher Varianten, 14 durch obersächsische und 15 durch mittelbairische Regionalismen in den Teststimuli vertreten waren. Die im Rahmen des vorliegenden Beitrages im Fokus stehenden mittelbairischen Testmerkmale, darunter vier vokalische, sieben konsonantische sowie vier in Nebensilben auftretende Regionalismen, lassen sich als Abweichungen von der standardsprachlichen Aussprachenorm wie folgt beschreiben:

Regionalismen aus dem Bereich des Vokalismus:

  • /a̠/ -Palatalisierung in /a̠͡e/: Die erste Komponente des Diphthongs /a̠͡e/, standardkonform als zentrales [a̠] realisiert (cf. Kohler 2005: 87), wird im mittelbairischen Regiolekt vorverlagert und häufig gehoben artikuliert, sodass sich Varianten des Typs [a͡e, æ͡e, ɛ͡e, ɛ͡e], in schneller Rede auch Monophthonge wie [ɛ] ergeben (cf. Kehrein 2012: 267). Genuin basisdialektal ist die Variante im Falle von mhd. î, für mhd. ei hingegen sind im Dialekt fallende Diphthonge des Typs [ɔ͡ɐ] regelhaft (cf. Renn/König 2005: 51–56).
  • /a̠/ -Verdumpfung: Die Entsprechungen für standardsprachliches /a̠/ und /a̠ː/, hervorgegangen aus mhd. ɑ und ɑ̂, werden im mittelbairischen Regiolekt größtenteils verdumpft, d. h. rückverlagert und damit einhergehend auch häufig gerundet und gehoben realisiert als [ɑ(:), ɒ(:), ɔ(:)] u. ä. (cf. Lauf 1994: 98). Die /a̠/-Verdumpfung ist bereits im mittelbairischen Basisdialekt fest verankert, wobei dort allerdings stärker geschlossene o-Varianten häufiger sind (cf. Zehetner 1985: 75–78).
  • /ɛ/-Hebung: Standardsprachliches, auf mhd. e und zurückgehendes /ɛ/, wird in großen Teilen des bairischen Dialektgebietes, so auch im Mittelbairischen, basisdialektal häufig geschlossen als [e], teils auch gelängt als [eː] realisiert (cf. Scheuringer 1990: 191–197 und 204–209). Das Merkmal bleibt oftmals auch noch in den standardnäheren Sprechlagen erhalten (cf. Kehrein 2012: 268).
  • Erhalt von mhd. uo: Die standardsprachlichen auf mhd. uo zurückgehenden Phoneme /uː/ und /ʊ/ werden im mittelbairischen Basisdialekt (außer vor l) typischerweise diphthongisch als [u͡ɐ] artikuliert (cf. Wittmann 1943: 43). Für den mittelbairischen Regiolekt ist das Merkmal noch vereinzelt als remanent aufgeführt, z. B. von Mihm (2000: 2120).

Regionalismen aus dem Bereich des Konsonantismus:

  • Bilabiale /v/-Realisierung: Standardsprachliches /v/ wird im mittelbairischen Regiolekt wie bereits im Basisdialekt nicht labiodental, sondern bilabial realisiert und/oder zum Approximanten geöffnet, sodass sich Varianten des Typs [β, β̞] ergeben (cf. König 1989a: 91–92 und Kranzmayer 1956: 74).
  • /ç/-Velarisierung: Standardsprachliches /ç/ wird im mittelbairischen Regiolekt lexemgebunden, z. B. in durch, als [χ, x] oder auch als Zwischenform [ç̠] realisiert (cf. Kehrein 2012: 270). Der Regionalismus tritt bereits basisdialektal auf.
  • Anlautende /z/-Desonorisierung: Standardsprachliches prävokalisch-anlautendes (und häufig auch intervokalisches) /z/, hervorgegangen aus westgerm. s, wird im mittelbairischen Regiolekt als stimmlose Lenis [z̊] oder reiner Fortisfrikativ [s] artikuliert (cf. Mihm 2000: 2120). Basisdialektal ist die stimmlose Variante im Anlaut ebenfalls gültig, intervokalisch stehen hier hingegen stimmhafte Varianten (cf. Wittman 1943: 62).
  • Apikales /r/: Prävokalisches /r/, im Standard in der Regel als uvularer Frikativ oder Approximant realisiert, wird im Mittelbairischen generell als Vibrant [r], vielfach auch als Flap [ɾ], in jedem Fall aber alveolar realisiert (cf. König 1989a: 70–72 und Renn/König 2005: 65).
  • Anlautende /t/-Lenisierung: In der Standardsprache wird prävokalisches /t/ im Wortanlaut als aspirierter Fortisplosiv [tʰ] realisiert; es steht in Opposition zu /d/, welches in der genannten Position meist als stimmloser Lenis auftritt. Im mittelbairischen Basisdialekt ist der Gegensatz zwischen anlautendem /t/ und /d/ durch die mittelbairische Konsonantenschwächung geschwunden, es wird in beiden Fällen der stimmlose Lenisplosiv [d̥] produziert (cf. Wittmann 1943: 58–59). Dieses Phänomen ist auch noch (seltener) in den standardnahen Sprechlagen des Mittelbairischen anzutreffen (cf. Lauf 1994: 99 und Kehrein 2012: 270).
  • Inlautende /t/-Längung: Die zwischen den standardsprachlichen Plosiven /d/ und /t/ gültige Stimmhaftigkeitsopposition ist im Mittelbairischen auch intervokalisch aufgehoben. Hier hat die Konsonantenschwächung in den mittelbairischen Dialekten zu einer spezifischen Silbenstruktur geführt: Nach Langvokal stehen stimmlose Lenis, nach Kurzvokalen Fortisplosive, wobei letztere im Vergleich zu ihren standardsprachlichen Pendants unaspiriert und mit gelängter Verschlussphase, oftmals silbenübergreifend artikuliert werden (cf. Renn/König 2005: 28–29 und 65–67 sowie Lauf 1994: 99).
  • /s/-Palatalisierung: Standardsprachliches, aus germ. s entstandenes /s/, wird in Teilen des Mittelbairischen – so in einem westlich an das Alemannische angrenzenden Gebiet und in einem kleineren Bereich südwestlich von Passau – inlautend vor p und t generell als postalveolares [ʃ] realisiert (cf. Renn/König 2005: 62 und Schwäbel 1902: 44–45). Ehemals galt [ʃ] in der genannten Position im gesamten oberdeutschen Raum (cf. Schmeller 1821: 147); größtenteils fand jedoch später eine Entwicklung zu [s] statt, sodass sich heute in den meisten mittelbairischen Basisdialekten nur noch nach r vor t und p sowie in einigen Lexemen (z. B. in Volksfest) postalveolare Varianten finden (cf. Wittmann 1943: 62), die allerdings zuweilen auch in standardnaher Rede erhalten bleiben.

Regionalismen aus dem Bereich der Nebensilben:

  • /ɐ/-Hebung: Die Graphemkombination er, die in Form bzw. als Bestandteil der Affixe er-, ver-, zer- und -er (sowie im unakzentuierten Artikel der) standardsprachlich als [ɐ] auftritt, wird im Mittelbairischen in standardnaher Rede wie auch im Basisdialekt gehoben als [ə] realisiert (cf. König 1989a: 118 und Lauf 1994: 98).
  • /ə/-Frontierung: Standardsprachliches /ə/ im Kontext der Affixe ge-, be-, -en, -es, -e wird in standardnahen Sprechlagen des Mittelbairischen in der Regel vorverlagert und teils gehoben artikuliert bis hin zum Vollvokal [e] oder [ɛ]; häufig ergeben sich Zwischenformen wie [ɘ, ə̟, ɜ, ɪ] (cf. König 1989a: 118 und Lauf 1994: 98). Das Merkmal ist als schriftinduzierte Form einzustufen, im Sinne einer Strategie zur Vermeidung der häufig auftretenden basisdialektalen Schwa-Tilgung (cf. Schönberger 1934: 73–74).
  • /l/-Velarisierung: Das Nebensilbencluster -tel ist normsprachlich als lateral gelöster alveolarer Fortisplosiv mit folgendem silbischem [l̩] zu realisieren, im mittelbairischen Substandard wird der auf den lateral gelösten Plosiv folgende Liquid typischerweise velarisiert, d. h. mit rückverlagerter Zungenwurzel gebildet, sodass sich Varianten des Typs [l̴̩] ergeben (cf. Kehrein 2012: 336).
  • Plosivisch auslautendes ig: Das Suffix -ig wird standardsprachlich im absoluten Auslaut als Frikativ [ç] realisiert, im mittelbairischen standardnäheren Bereich hingegen häufig plosivisch als [ɪk(ʰ)] (cf. Lauf 1994: 100, König 1989b: 319 und Kleiner 2011). Basisdialektal gelten daneben auch Frikativtilgung sowie die Realisierung als [ɐd] (wie z. B. in schlampig; cf. Kranzmayer 1956: §28, c2 und Wittmann 1943: 50, 67).

3.2.2 Zur Erhebung der Stimuli und Konstruktion des Testbandes

Mithilfe eines nordniederdeutschen Sprechers, einer obersächsischen Sprecherin und – im Falle der genannten mittelbairischen Regionalismen – eines mittelbairischen Sprechers wurden für jedes der 45 Testmerkmale drei Stimuli erhoben. Diese wurden in Anlehnung an Herrgen/Schmidt (1985) dergestalt konzipiert, dass sie den jeweiligen Regionalismus jeweils exakt einmal enthielten und ansonsten der standardsprachlichen Aussprachenorm entsprachen. Zugunsten einer größeren Repräsentativität der merkmalspezifischen Hörerurteile war jedes Merkmal im Kontext der drei zugehörigen Stimuli innerhalb unterschiedlicher Items vertreten; um andererseits eine möglichst hohe Vergleichbarkeit der späteren Hörerurteile gewährleisten zu können, wurde bei der Konstruktion der Proben eine größtmögliche Konstanz hinsichtlich Silbenanzahl, Satzbau und (satzfinaler) Itemposition angestrebt.11

Zusätzlich zu den eigentlichen Testsätzen wurden zwei weitere Typen von Stimuli erhoben: Zum einen pro Sprecher jeweils drei standardsprachliche und basisdialektale Proben zur Eichung der Skala an den Extrempolen12, zum anderen Stimuli, die wie die eigentlichen Testsätze einmalig – allerdings an einer anderen Stelle im Satz – von der Standardaussprache abwichen. Diese Sequenzen sollten zur Ablenkung der Hörer dienen und insbesondere vermeiden, dass sich bei den Versuchspersonen im Verlauf des Tests eine Erwartungshaltung hinsichtlich satzfinaler Standardinterferenzen einstellen würde. Nach ihrer Erhebung wurden alle Proben kontrolliert aufgeteilt auf zwei Testbänder mit je 112 bzw. 113 (zufällig gereihten) Stimuli13 und einer Dauer von jeweils ca. 20min.

3.2.3 Zur Erhebung der Hörerurteile

Die Hörtests wurden gruppenweise, mit jeweils 15–30 Personen durchgeführt. Hierzu erhielten die Teilnehmer vorab Instruktionen, sowie einen Fragebogen, der für die dialektale Bewertung jeder Sequenz eine siebenstufige Skala mit den Polen "reines Hochdeutsch" und "tiefster Dialekt" enthielt (s. Abb. 1); abschließend waren Fragen zu Sprachbiographie und -gebrauch der Versuchsperson zu beantworten.

Satz 1

reines Hochdeutsch □------□------□------□------□------□------□ tiefster Dialekt

sonstige Abweichungen □

Abbildung 1: Skala zur Beurteilung der Stimuli in Hinsicht auf ihre subjektive Dialektalität.

Zur Quantifizierung der Urteile wurden die Skalenstufen bei der Testauswertung kodiert mit Werten von 0 (für reines Hochdeutsch) bis 6 (für tiefster Dialekt), sodass sich pro Hörergruppe und Stimulus ein Medianwert ermitteln ließ, der als subjektiver Dialektalitätsgrad des im Stimulus enthaltenen Merkmals gewertet wird.14

Perzeptionstests wurden in den Gebieten Deutschlands durchgeführt, in denen die 45 ausgewählten Merkmaltypen in Form der Testvarianten verbreitet sind, also im Nordniederdeutschen (Meldorf und Marne), Obersächsischen (Grimma und Hartha) sowie im Mittelbairischen (Traunstein und Waldkraiburg).15 Als Hörer dienten insgesamt 350 Schüler der Jahrgangsstufen 11–13, darunter 122 im Nordniederdeutschen, 89 im Obersächsischen und 139 im Mittelbairischen wohnhafte Personen. Mit ihnen konnten für jeden der drei Dialektverbände mindestens 64 "regionsfeste" Versuchspersonen gewonnen werden, die bereits (mindestens) in der zweiten Generation im betreffenden Sprachraum wohnhaft waren und nie länger als ein Jahr außerhalb gelebt hatten.

3.2.4 Zur Erhebung objektsprachlicher Daten

Zur Klärung der Frage, welche linguistischen Faktoren mit der subjektiven Merkmalsdialektalität in Zusammenhang stehen, werden im Rahmen der Untersuchung auch objektsprachliche Daten herangezogen. Um Zusammenhänge zwischen der subjektiven Dialektalität und dem Variationspotenzial von Regionalismen zu eruieren, wurden etwa stichprobenweise Variablenanalysen am Material des REDE-Korpus durchgeführt; u. a. wurden die Gebrauchsfrequenzen sechs ausgewählter Testregionalismen in den Sprachproben zweier junger mittelbairischer Informanten ermittelt.16 Die Sprecher TSJUNG1 und TSJUNG2, im Aufnahmejahr (2010) Oberstufenschüler am Gymnasium Trostberg und bereits in der dritten Generation in Garching an der Alz wohnhaft, können hinsichtlich Alter, Bildung und regionaler Herkunft17 als hinreichend repräsentativ für die mittelbairische Hörergruppe des Perzeptionstests gelten. Bei den analysierten Proben handelt es sich um explizite Sprachkompetenzerhebungen, und zwar um jeweils eine sprecherindividuell standardnächste und eine basisdialektale Realisierung der 40 Wenkersätze;18 im Falle von TSJUNG1 wurde zudem eine Auswahl von 1000 Wörtern aus einem Interview (sprachbiographischen und perzeptionslinguistischen Inhalts) in die Analyse einbezogen, sodass für diesen Sprecher auch Gebrauchsfrequenzen aus einer spontansprachlichen standardorientierten Gesprächssituation vorliegen.

Im Rahmen der Auswertung werden die subjektiven Dialektalitätswerte den Ergebnissen der Variablenanalyse gegenübergestellt und es kann überprüft werden, welche Relation zwischen der Bewertung der Regionalismen und ihrem sprecherseitigen situationsabhängigen Gebrauch besteht.

3.3 Ergebnisse

3.3.1 Ergebnisse zur interregionalen subjektiven Dialektalität der Regionalismen

Abb. 2 zeigt die subjektiven Dialektalitätswerte, die für die Eich- und Merkmalsätze des mittelbairischen Sprechers aus allen 350 Hörerurteilen (d. h. interregional) in Form von Medianwerten ermittelt wurden.

Die rein standardsprachlichen Sequenzen erreichten mit einem Median von 0 den Minimalwert der Skala, die basisdialektalen Proben erzielten den Maximalwert von 6 und wurden somit von allen Testsätzen mit Abstand am dialektalsten bewertet. Dieses Muster wiederholt sich im Rahmen der regionsspezifischen Werte und im Kontext der Eichsatzbeurteilungen ergeben sich zudem durchgehend äußerst niedrige statistische Standardabweichungswerte. Dies bedeutet, dass die Eichung der Skala gelungen ist: Die Eichsequenzen wurden vonseiten der Hörer wie intendiert als Skalenextreme, d. h. als "reines Hochdeutsch" bzw. "tiefster Dialekt" gewertet und es kann von einer adäquaten und interindividuell vergleichbaren Skaleninterpretation als Bewertungsgrundlage ausgegangen werden. Darüber hinaus kann ausgeschlossen werden, dass mögliche idiolektale Merkmale des bairischen Sprechers die Hörerurteile verzerrt haben, da sich ein solcher Einfluss auch in der Bewertung seiner standardsprachlichen Sätze hätte zeigen müssen, namentlich in höheren Dialektalitätswerten.

Die 15 getesteten Regionalismen lassen sich ihren interregionalen Medianwerten zufolge im Rahmen einer subjektiven Dialektalitätshierarchie anordnen; hierbei können im Wesentlichen drei Gruppen von Merkmalen unterschieden werden:

Eine erste Kategorie bilden jene Testmerkmale, die insgesamt (und, wie sich noch zeigen wird, auch in den unterschiedlichen Testregionen) maximal mit einem Median von 1 bewertet wurden. Diese Merkmale stellen aus Hörersicht demnach entweder (relativ) unauffällige oder aber (relativ) irrelevante subjektiv dialektale Abweichungen vom hörerseitigen Normhorizont dar; in jedem Fall handelt es sich bei ihnen um subjektiv (nahezu) standardsprachliche Regionalismen.19 Hierzu gehören das plosivisch auslautende -ig, das als einziges der Testmerkmale sogar insgesamt einen Median von 0 erzielte, sowie die mit einem Median von 1 bewerteten Merkmale der bilabialen /v/-Realisierung, Tiefschwa-Hebung, Schwa-Vorverlagerung und /z/-Desonorisierung.

Die restlichen Regionalismen erweisen sich im interregionalen Urteil als saliente und pertinente regionalsprachliche Abweichungen vom hörerseitigen Normhorizont, wobei sich unterschiedliche Grade der subjektiven Dialektalität ergeben.

Interregional bereits 2 Skalenpunkte ergeben sich für die velarisierten /l/-Varianten, das apikale /r/, die /ç/-Rückverlagerung und die Realisierung des Diphthongs /a̠͡e/ mit vorverlagertem und gehobenem ersten Bestandteil. Diese Merkmale wurden also von der Mehrheit der befragten Hörergruppen bereits als (tendenziell) dialektal gewertet, es ergeben sich aber insbesondere in Bezug auf die ersten drei der genannten Varianten zum Teil sehr deutliche regionsspezifische Bewertungsunterschiede, die noch zu erläutern sind.

Eine dritte Kategorie innerhalb der subjektiven Dialektalitätshierarchie belegen die übrigen der getesteten mittelbairischen Phänomene. Sie wurden im interregionalen Urteil als deutlich dialektal klassifiziert und erreichten auch, abgesehen von nur wenigen Ausnahmen, in den einzelnen Testregionen hohe Medianwerte von 3 bis 5 Skalenpunkten. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um die Varianten der /ɛ/-Hebung, der /a̠/-Verdumpfung, der anlautenden /t/-Lenisierung und inlautenden /t/-Längung – welche interregional einen Median von 3 erzielten – sowie um die /s/-Palatalisierung und erhaltenen mhd. uo-Diphthonge, die mit einem Median von 4 insgesamt als dialektalste Abweichungen eingestuft wurden.


Abbildung 2: Interregionale Medianwerte zur subjektiven Dialektalität der Eichsätze und der durch die mittelbairischen Regionalismen interferierten Stimuli (n = 350).

3.3.2 Ergebnisse zur regionsspezifischen subjektiven Dialektalität der Regionalismen

Abb. 3 bietet eine Gegenüberstellung jener merkmalbezogenen Hörerurteile, welche sich aus der Bewertung aller regionsfesten (je 64) nordniederdeutschen, obersächsischen und mittelbairischen Hörer ergaben. Unabhängig von den genaueren hörerindividuellen (regional-)sprachlichen Kompetenzen ist davon auszugehen, dass diese Versuchspersonen allein aufgrund ihrer Sprachbiographie und des damit einhergegangenen alltagssprachlichen Inputs eine gewisse Prägung hinsichtlich ihres regionalsprachlichen Wissens erfahren haben. Ob diese Prägung im Sinne der die Testvarianten betreffenden Hörgewohnheiten und sozio-kommunikativen Erfahrungswerte Einfluss auf die Wahrnehmung und Bewertung der Regionalismen ausübt, soll im Folgenden eruiert werden.


Abbildung 3: Regionsspezifische Medianwerte zur subjektiven Dialektalität der mittelbairischen Regionalismen (n = jeweils 64).

Sechs der Varianten wurden in den unterschiedlichen Testregionen (nahezu) gleich bewertet, lassen also keine wesentlichen regionsspezifischen Urteilsdifferenzen erkennen. Drei darunter – die Tiefschwa-Hebung, die Frontierung des standardsprachlichen Schwa-Lautes und die /z/-Desonorisierung – wurden regionsunabhängig mit einem Median von 1 als tendenziell standardsprachlich eingestuft. Im Bezug auf die Realisierung des /a̠͡e/-Diphthongs mit palatalisierter und gehobener erster Komponente ergibt sich ein nur geringfügiger, vermutlich zu vernachlässigender Bewertungsunterschied von 0,5 Skalenstufen: Alle Hörergruppen bewerteten das Merkmal als tendenziell dialektal, im Obersächsischen und Mittelbairischen erhielt der Regionalismus einen Median von 2, im Nordniederdeutschen einen Median von 2,5 Skalenpunkten. Die /ɛ/-Hebung sowie die inlautende /t/-Längung schließlich wurden regionsunabhängig bereits mit 3 Dialektalitätspunkten und somit als deutlich dialektal bewertet.

Bei der Mehrheit der getesteten Regionalismen hingegen, genauer bei 9 der insgesamt 15 Testvarianten, zeigen sich Differenzen von 1 bis 2 Skalenpunkten im Bewertungsverhalten der unterschiedlichen regionalen Gruppen.20 Diese Regionalismen lassen sich, abhängig von der Spezifik der auftretenden Bewertungsdifferenzen, zwei unterschiedlichen Kategorien zuordnen:

In fünf Fällen wurde ein Merkmal von denjenigen Hörern, die in seinem arealen Geltungsbereich leben, standardnäher eingeschätzt als vonseiten der Gruppen, in deren Heimatregionen das Merkmal nicht (oder weniger) gebräuchlich ist. Die Interpretation dieser Werteunterschiede als Nähe-Effekte im klassischen Sinne, d. h. im Sinne eines Salienzunterschiedes, erscheint naheliegend – zumal die in den Verbreitungsgebieten der Merkmale erhobenen Dialektalitätswerte hier äußerst niedrig ausfallen: Es handelt sich also vermutlich um Regionalismen, die die Hörer aus den Verbreitungsgebieten aufgrund ihrer regionalsprachlichen Prägung nicht als Standardabweichungen wahrnehmen – und damit höchstwahrscheinlich auch um unbewusst-remanente Merkmale dieser Testpersonen(generation) selbst.21 Für die Testpersonen jenseits der Verbreitungsgebiete hingegen gehören die Varianten offensichtlich nicht zum alltagssprachlichen Normhorizont – ihnen scheinen die Regionalismen bereits stärker als solche aufzufallen.

Die plosivische -ig-Realisierung, nicht nur im Mittelbairischen vermehrt gebräuchlich, sondern auch im Obersächsischen als schriftinduzierte Form zur Vermeidung des koronalisierten /ç/ vertreten (cf. König 1989b: 319 und Kleiner 2011: 299), wurde in diesen Räumen ihrer primären Verbreitung mit einem Median von 0 bedacht, während sie vonseiten der (traditionell spirantisierenden) niederdeutschen Hörer bereits mit einem Skalenpunkt höher bewertet wurde. Auch der Regionalismus des bilabialen /v/ erhielt im Urteil seiner potenziellen, bairischen Sprecher einen Median von 0 Skalenpunkten und damit einen Messpunkt weniger als vonseiten der Niederdeutschen und Obersachsen, denen das Merkmal fremd sein dürfte.

Velarisierte /l/-, apikale /r/- und rückverlagerte /ç/-Varianten wurden von den mittelbairischen Hörern gleichermaßen mit einem Median von 1 bewertet und fallen damit in der Eigenwahrnehmung allem Anschein nach noch in den Bereich der tendenziell unauffälligen bzw. tolerierbaren Regionalismen. Der Median von 2, der in den übrigen Testregionen für die beiden erstgenannten Regionalismen vergeben wurde, lässt hingegen erkennen, dass es sich bei diesen Varianten in der Fremdwahrnehmung22 bereits um relativ auffällige regionalsprachliche Phänomene handelt. Ein besonders stark ausgeprägter, aber gleich gelagerter regionsspezifischer Bewertungsunterschied ergibt sich im Falle der /ç/-Rückverlagerung, die im Niederdeutschen und Obersächsischen bereits mit 3 Skalenpunkten bewertet und damit als deutlich dialektal eingestuft wurde, während sie vonseiten der bairischen Hörer noch als (nahezu) standardsprachlich beurteilt wurde.

In vier Fällen lassen sich hingegen Bewertungsunterschiede erkennen, die verglichen mit den soeben beschriebenen invers gelagert sind: In diesen Fällen wurden Regionalismen also ausgerechnet dort, wo sie zum heimischen Variantenbestand zählen, dialektaler bewertet als in Regionen jenseits ihrer Verbreitungsgebiete.

Dabei ist zu beachten, dass die betreffenden Merkmale in allen Testregionen bereits mit Medianen von mindestens 2 Skalenpunkten bewertet wurden – das bedeutet, sie wurden offenbar von allen Hörergruppen prinzipiell als standardabweichend wahrgenommen. Die verhältnismäßig höheren Werte aus den Verbreitungsgebieten dieser Merkmale könnten demnach auf regionsspezifischen Unterschieden in der Pertinenz der Merkmale beruhen. Das hieße, diese Regionalismen hatten für die Hörer aus ihren Verbreitungsgebieten im Test einen besonderen Wiedererkennungswert: Entweder sahen sich die Testpersonen hier mit ihren eigenen, ihnen bewussten, aber unkontrollierbar-remanenten Merkmalen konfrontiert oder aber sie ordneten die Varianten im Wissen um entsprechende sozio-situative Verwendungskonventionen dialektaleren Sprechlagen des heimischen Varietätengefüges zu.

Bei der /a̠/-Verdumpfung ergeben sich wie bereits im Kontext der /ç/-Velarisierung besonders ausgeprägte regionsspezifische Bewertungsdifferenzen – mit dem Unterschied, dass diese Differenzen wie beschrieben anders gelagert sind. Dazu ist zu bemerken, dass die /a̠/-Verdumpfung in den Basisdialekten aller drei Testregionen fest verankert ist. Während sie im nordniederdeutschen Regiolekt allerdings inzwischen immer seltener belegbar ist und z. B. für die jüngeren REDE-Informanten durch Kehrein (2012: 295) überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden konnte, ist sie im Obersächsischen und Mittelbairischen auch in den standardnahen Sprechlagen noch deutlich präsenter (cf. Barden/Großkopf 1998: 48 und Kehrein 2012: 267). Für die sächsischen und bairischen Hörer stellt die Variante also einen hochfrequenten Bestandteil ihres Sprachalltages dar, möglicherweise sogar eine eigene Kompetenzgrenze, auf die sie im Hörtest folglich sensibilisiert, d. h. mit zum Teil sehr hohen Medianen von 3 bis 4 Skalenpunkten reagierten; die nordniederdeutschen Versuchspersonen hingegen vergaben hier insgesamt einen deutlich niedrigeren Wert von 2 Skalenpunkten.

Dieses Wertemuster wiederholt sich im Prinzip im Falle der anlautenden /t/-Lenisierung: Den süd- und mitteldeutschen Hörern, in deren Heimat anlautendes /t/ dialektal und (generationsabhängig) auch in standardnahen Bereichen lenisiert wird (cf. Lauf 1994: 44 und 99), dürfte das Merkmal als heimischer Dialektmarker wohlbekannt sein: Die Aufhebung der standardsprachlichen Opposition zwischen /t/ und /d/ führt mitunter zu Beeinträchtigungen der Kommunikation und wird in betroffenen Gebieten vergleichsweise häufig im Sprachalltag zum Thema – sei es im Rahmen des schulischen Aussprache- oder Orthographieunterrichts oder aber im Kontext von Dialektimitationen, -stilisierungen und Sprachspott (cf. Renn/König 2005: 28–29 und 65–67). Dementsprechend beurteilten die obersächsischen und bairischen Hörer die Lenisvarianten im Test mit einem Median von 3 Dialektalitätspunkten und damit um eine Skalenstufe höher als die norddeutschen Versuchspersonen, in deren Regiolekt Plosivlenisierungen ausschließlich inlautend auftreten (cf. Lauf 1994: 44).

Auch im Rahmen der subjektiv dialektalsten Testmerkmale sind die geschilderten Werteunterschiede ersichtlich: Auf die /s/-Palatalisierung, die den Sachsen und Bayern (zumindest in der Position nach /r/) als Dialektmerkmal vertraut sein dürfte, reagierten diese Hörer in ihrem Urteil mit gemittelten 4 Skalenpunkten sensibler als die niederdeutschen Hörer, die die Variante aus ihrer Herkunftsregion nicht kennen können und den niedrigeren und so gesehen neutraleren Wert von 3 vergaben. Die diphthongische Realisierung schließlich von standardsprachlichem, auf mhd. uo zurückgehendem /uː/ wurde von den süddeutschen Testpersonen, für die dieses Phänomen offenbar ein typisches heimatliches Merkmal insbesondere dialektnaher Sprechweisen darstellt, mit dem interregionalen Spitzenwert von 5 Skalenpunkten bewertet, während die regionsfremden Hörer gleichermaßen einen Median von 4 Punkten vergaben.

3.3.3 Zur subjektiven Dialektalität und situativen Verwendung der Regionalismen

Die Abbildungen 4 und 5 liefern eine direkte Gegenüberstellung subjekt- und objektsprachlicher Daten in Bezug auf sechs der mittelbairischen Testregionalismen: Dargestellt sind hier zum einen die merkmalspezifischen Dialektalitätsurteile der mittelbairischen Hörer, zum anderen die prozentualen Anteile der Regionalismen in ausgewählten Sprachproben der mittelbairischen Sprecher TSJUNG1 und TSJUNG2. Zumindest stichprobenbasiert können also im Folgenden Zusammenhänge zwischen der hörerseitigen Bewertung der Merkmale und ihrem sprecherseitigen Gebrauch eruiert werden.

Dabei lässt sich anhand der basisdialektalen Wenkersätze überprüfen, inwiefern die Testmerkmale Bestandteile der Dialektkompetenz junger mittelbairischer Sprecher sind, die interviewspezifischen Frequenzen geben Aufschluss über die Merkmalverwendung innerhalb einer halbformellen Performanz-Situation, die in den standardintendierten Wenkersätzen ermittelten Variantenanteile schließlich zeigen, ob bzw. wie stark die Regionalismen auch noch in der normsprachlichen Kompetenz der Sprecher verankert sind.

Insgesamt zeichnet sich ein recht enges Verhältnis zwischen der subjektiven Dialektalität der dargestellten Merkmale einerseits und ihrem intersituativen Variationsverhalten andererseits ab.


Abbildung 4: Subjektive Dialektalitätswerte ausgewählter mittelbairischer Regionalismen und ihre prozentualen Anteile innerhalb dreier Gesprächssituationen des Sprechers TSJUNG1 (Interview, Dialekt- und Standardkompetenzerhebung).23


Abbildung 5: Subjektive Dialektalitätswerte ausgewählter mittelbairischer Regionalismen und ihre prozentualen Anteile innerhalb zweier Gesprächssituationen des Sprechers TSJUNG2 (Dialekt- und Standardkompetenzerhebung).24

Drei der hier dargestellten sechs Testregionalismen wurden von den mittelbairischen Hörern im Hörtest mit einem Median von 1 und damit als (tendenziell) standardsprachlich bewertet, im Einzelnen die gehobene Realisierung des standardsprachlichen Tiefschwas in der Nebensilbe -er, die anlautende /z/-Desonorisierung sowie die apikale /r/-Realisierung. Diese Merkmale sind in fast allen untersuchten Proben der bairischen Sprecher ausnehmend stark vertreten und zeigen somit (abgesehen von einer Ausnahme) keine wesentliche intersituative Variation. So lassen sich gehobene Tiefschwa-Varianten in der basisdialektalen Realisierung der Wenkersätze durch TSJUNG1 in 91 % der Belege nachweisen, im Zuge des Interviews und der standardsprachlichen Kompetenzerhebung produzierte der Informant den Regionalismus nur unwesentlich seltener, nämlich in 83 % bzw. in 85 % aller Fälle. Auch TSJUNG2 verwendete das Merkmal situationsunabhängig in nahezu allen Belegwörtern: In der standardsprachlichen Kompetenzerhebung lassen sich bei ihm 97 % an gehobenen /ɐ/-Varianten nachweisen, im Rahmen der dialektorientierten Situation ergeben sich (sogar minimal niedrigere) Gebrauchswerte von 91 %. In drei Fällen wurden die mit einem Skalenpunkt bewerteten Testmerkmale sogar situationsunabhängig zu 100 % realisiert: So produzierten beide Sprecher in allen untersuchten Proben ausschließlich apikale /r/-Varianten, für TSJUNG2 ließen sich zudem in keiner Situation stimmhaft anlautende /z/-Varianten nachweisen.

Dem gegenüber stehen die anlautende /t/-Lenisierung und die erhaltenen mhd. uo-Diphthonge: Sie erzielten im Perzeptionstest ausnehmend hohe subjektive Dialektalitätswerte von 3 bzw. 5 Skalenpunkten und variierten entsprechend bei beiden Sprechern intersituativ sehr stark. Lenisierte /t/-Varianten wurden von TSJUNG1 wie auch von TSJUNG2 in den dialektalen Wenkersätzen zu 100 % realisiert, in den standardorientierten Situationen hingegen vollständig vermieden. Während TSJUNG1 diese diskrete Verteilung auch in Bezug auf die mhd. uo-Realisierungen vollständig gelang, mischten sich bei TSJUNG2 zwar noch 17 % an standardkonformen Varianten in die Dialektrealisierung und 15 % diphthongische Belege in die standardintendierte Probe, insgesamt jedoch stimmen die Hörerurteile auch hier mit den objektsprachlichen Ergebnissen überein.

Differenzen zwischen den merkmalspezifischen subjektiven Dialektalitätswerten einerseits und den Gebrauchsfrequenzen der Varianten andererseits sind hingegen lediglich in zwei Fällen ersichtlich. Zum einen in Bezug auf die Verwendung der desonorisierten /z/-Varianten vonseiten TSJUNG1: Während der Sprecher in der dialektalen Kompetenzerhebung noch zu 100 % stimmlose /z/-Varianten artikulierte, sinken die Gebrauchsfrequenzen im Rahmen seines Interviews auf 49 %, d. h. er realisierte hier bereits die Hälfte aller /z/-Formen standardkonform. Führt man die deutliche Merkmalreduktion darauf zurück, dass die /z/-Desonorisierung für TSJUNG1 (anders offenbar als für die Hörtestteilnehmer) ein auffällig dialektales Merkmal darstellt, welches er im Interview bewusst vermeiden wollte, dann bleibt fraglich, warum er den Regionalismus in seiner explizit standardintendierten Realisierung der Wenkersätze noch in 88 % aller Fälle beibehielt. Eine Erklärung könnte insofern in der Spontansprachlichkeit des Interviews zu sehen sein: Verglichen mit den Kompetenzerhebungen gehen die Gesprächssituationen freier Rede naturgemäß mit einer Minderung der metasprachlichen Aufmerksamkeit einher, was sich häufig in einem erhöhten Sprechtempo und einer reduzierten Artikulationspräzision manifestiert. Dies führt wiederum im Allgemeinen zu häufigeren und stärkeren koartikulatorischen Assimilationen, die zumindest teilweise für die vermehrten stimmhaften Frikativrealisierungen verantwortlich sein dürften, zumal (situationsunabhängig) ausschließlich /z/-Belege in stimmhafter Lautumgebung bei der Variablenanalyse berücksichtigt wurden. Zum anderen zeichnen sich in Bezug auf die /a̠/-Palatalisierung im Diphthong /a̠͡e/ Differenzen zwischen Bewertung und Gebrauch ab: Von der mittelbairischen Hörergruppe wurde die Variante mit einem Median von 2 Skalenstufen bereits als tendenziell dialektal bewertet; die beiden Garchinger produzierten das Merkmal (im hier untersuchten Fall von mhd. î) jedoch noch situationsunabhängig in allen untersuchten Belegwörtern. Dass sie den Regionalismus auch in den standardorientierten Situationen (und zwar unabhängig vom mhd. Bezugslaut) verwendeten, kann jedoch nach Kehrein (2012: 267) durch hier zugrundeliegende Strukturunterschiede erklärt werden: Standardsprachlichem /a̠͡e/ entsprechen im mittelbairischen Dialekt im Falle von mhd. î bereits die palatalisierten Varianten des Typs [æ͡e, ɛ͡e], im Falle von mhd. ei jedoch gelten im Basisdialekt fallende [ɔ͡ɐ]-Diphthonge. In standardintendierter Rede liegt nun der primäre Fokus der Sprecher offenbar bislang noch darauf, die extrem auffälligen fallenden Diphthonge zu vermeiden (was auch gerade erst der jungen Generation gelingt); hierzu greifen die Sprecher auf den Diphthong ihres Lautrepertoires zurück, der dem standardsprachlichen am ähnlichsten ist und verwenden damit zur Realisierung von standardsprachlichem /a̠͡e/ generell die palatalisierten Varianten. Dass der Regionalismus zudem in der Standardsprache keine phonologischen Oppositionen belastet und somit zu keinen kommunikativen Beeinträchtigungen führt, dürfte die Abbauresistenz des Regionalismus zunächst zusätzlich stützen. Dennoch zeigen die Hörerurteile, dass die Regionalsprachlichkeit dieser "Kompromissvariante" bereits vielen jungen bairischen Sprechern ins Bewusstsein dringt und machen damit einen bevorstehenden Wandel wahrscheinlich.


4 Zusammenfassung und Fazit

Auf Grundlage der erhobenen Hörerurteile lassen sich die 15 untersuchten mittelbairischen Regionalismen im Rahmen einer Dialektalitätshierarchie anordnen. Diese gibt Auskunft darüber, in welchem Maße die Merkmale saliente und pertinente, d. h. subjektiv auffällige regionalsprachlich indizierte Abweichungen von der hörerseitig definierten Norm des Standarddeutschen darstellen. Zusammenfassend – das heißt auf Grundlage der interregional ermittelten Werte – lassen sich drei Merkmalgruppen voneinander unterscheiden:

1. Regionsunabhängig als (nahezu) standardsprachlich beurteilt wurden fünf der Variantentypen, im Einzelnen plosivisches -ig, bilabiales /v/, gehobenes Tiefschwa, frontiertes Schwa und desonorisiertes /z/. Hierbei handelt es sich also möglicherweise um (wenig) auffällige Phänomene, in jedem Fall jedoch um Regionalismen von geringer Pertinenz, die hörerseitig (tendenziell) als standardkonform toleriert werden.

2. Im interregionalen Gesamturteil – nicht aber in allen Regionen – bereits als (tendenziell) dialektal bewertet wurden vier der getesteten Regionalismen. Demnach stellen velarisiertes /l/, apikales /r/, rückverlagertes /ç/ und die Realisierung des Diphthongs /a̠͡e/ mit vorverlagertem und gehobenem ersten Bestandteil bereits für die Mehrheit der befragten Hörer auffällige und relevante dialektale Standardabweichungen dar.

3. Sechs der Regionalismen wurden von der Mehrzahl der Hörer als deutliche oder sogar stark dialektale Abweichungen eingestuft (und auch in den einzelnen Hörtestregionen mindestens als tendenziell dialektal bewertet). Es handelt sich hierbei um die /ɛ/-Hebung, /a̠/-Verdumpfung, anlautende /t/-Lenisierung und inlautende /t/-Längung, sowie um die interregional als besonders dialektal bewerteten Merkmale der /s/-Palatalisierung und Erhaltung von mhd. uo.

Im Kontext vieler Testvarianten sind darüber hinaus Nähe-Effekte in Form regionsspezifischer Bewertungsunterschiede erkennbar. Diese zeigen, wie dies auch bereits in einer Voruntersuchung der Fall war25, unterschiedliche Ausprägungsrichtungen. So wurden fünf der Regionalismen vonseiten der in ihren Verbreitungsgebieten lebenden Hörer noch als (nahezu) standardsprachlich eingeschätzt, während sie vonseiten der regionsfremden Testpersonen bereits als leichte oder deutlich dialektale Abweichungen vom "reinen Hochdeutschen" beurteilt wurden, im Einzelnen plosivisches -ig, bilabiales /v/, velarisiertes /l/, apikales /r/ sowie der rückverlagerte ich-Laut. Diese Bewertungsunterschiede könnten auf dem klassischen Näheeffekt, d. h. auf regionspezifischen Unterschieden in der Salienz der Regionalismen beruhen.26 In jedem Fall jedoch wird im Kontext der fünf Regionalismen deutlich: Für einheimische Hörer sind die Merkmale Bestandteile des alltagssprachlichen Normhorizonts, regionsfremde Testpersonen werten sie bereits als Normabweichungen. Bei vier weiteren Testmerkmalen zeigen sich hingegen Proximity-Effekte anderer Art: Verdumpfte /a̠/-Varianten, lenisiertes anlautendes /t/, palatalisiertes /s/ und bewahrtes mhd. uo wurden gerade in den Testregionen ihrer Geltungsbereiche bzw. dort, wo sie noch insgesamt gebräuchlicher sind, dialektaler eingestuft als in den übrigen Gebieten. In diesen Fällen sind die subjektiven Dialektalitätswerte regionsunabhängig so hoch, dass den Varianten ein grundsätzlich positives Auffälligkeitsmaß in allen Testregionen bescheinigt werden kann.27 Diese Bewertungsunterschiede könnten somit auf regionsspezifischen Unterschieden in der Pertinenz der Regionalismen beruhen. Das hieße, grundsätzlich auffällige, bewusste Merkmale bergen für die Hörer ihrer primären Verbreitungsgebiete einen besonderen Wiedererkennungswert; diese Hörer sind in zahlreichen alltagssprachlichen Erfahrungen für die Regionalismen sensibilisiert worden und bewerten sie als regionalsprachliche Marker der Heimatregion dialektaler als diejenigen Testpersonen, denen die Merkmale aus dem eigenen Sprachalltag heraus nicht (oder weniger) vertraut sind.

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung zeigen also, dass die regionale Herkunft und die dadurch bedingte Prägung linguistischer Laien (unterschiedliche) Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Bewertung einzelner Regionalismen haben. Damit ergibt sich ein Kontrast zu den Ergebnissen solcher Studien, die die sprechlagenbezogene subjektive Dialektalität als unabhängig von der regionalen Herkunft der Bewertenden belegt hatten (cf. Kapitel 2 dieses Beitrages). Einen Erklärungsansatz für diesen scheinbaren Widerspruch liefert bereits Kiesewalter (2011: 369), die vermutet, "dass sich unterschiedlich ausgerichtete Näheeffekte, wie sie hier in Bezug auf einzelne Merkmale ersichtlich wurden, im Urteil über mehrfach interferierte Proben ausgleichen. Auf diese Weise würden herkunftsbedingte Werteunterschiede nivelliert, sodass sich die Urteile unterschiedlicher regionaler Hörergruppen insgesamt annäherten." Dies erscheint vor dem Hintergrund der vorliegenden Daten weiterhin plausibel. In jedem Fall aber belegen die hier erbrachten Ergebnisse, dass sich linguistische Laien bei der Perzeption und Evaluation regional gefärbter Sprache zumindest nicht ausschließlich an der interregional gültigen Oralisierungsnorm der Standardsprache orientieren, sondern zwangsläufig auch an den mental verankerten, regionalsprachlich gültigen Gesetzmäßigkeiten (cf. ibd.).

Des Weiteren belegen die Ergebnisse der Untersuchung einen klaren Zusammenhang zwischen der subjektiven Dialektalität sechs mittelbairischer Merkmale und der situationsspezifischen Verwendung der Regionalismen vonseiten zweier mittelbairischer Sprecher: Regionalismen wie gehobene /ɐ/-, entstimmte /z/- und apikale /r/-Varianten, die im Hörtest von den Mittelbaiern als (nahezu) standardkonform bewertet wurden, zeigen eine starke intersituative Gebrauchsstabilität, werden also sprecherseitig (größtenteils) hochfrequent in allen Gesprächssituationen verwendet. Regionalismen hingegen, die sich als subjektiv dialektal erwiesen haben – vorliegend die anlautende /t/-Lenisierung und der Erhalt von mhd. uo – variieren intersituativ stark, werden sprecherseitig also bei Standardintention vermieden bzw. bewusst zur Realisierung des Dialekts eingesetzt. Dass die Vermeidung eines Regionalismus auch seine Kontrollierbarkeit erfordert, wird im Kontext der /a̠/-Palatalisierung im /a̠͡e/-Diphthong klar, die sich hier hörerseitig bereits als tendenziell dialektal, sprecherseitig hingegen noch als remanent erwies.

Hörerurteile über die Dialektalität regionalsprachlicher Phänomene können als dimensional gebundene Urteile über die sozio-pragmatische Indexikalität regionalsprachlicher Phänomene im Sinne Purschkes (2014) verstanden werden. Mit der subjektiven Dialektalität geben die vorliegend erhobenen Urteile also nur einen Teil der sozio-pragmatischen Bedeutung wieder, die sprachlichen Phänomenen in konkreten Interaktionen vonseiten der Sprachverwender zugeschrieben wird. Es ist jedoch anzunehmen, dass mit der laienlinguistischen Verortung regionalsprachlicher Einzelmerkmale in der Vertikalen gerade die perzeptionslinguistische Qualität abgebildet wird, die objektsprachlich letztlich die relevante ist – nämlich das sprachdynamische Potenzial der Regionalismen: Subjektiv als normkonform empfundene Regionalismen lassen ein geringes Dynamikpotenzial und damit stabile Gebrauchswerte erwarten, in subjektiv als dialektal bewerteten Phänomenen ist hingegen ein hohes Potenzial zu vermuten, synchron und schließlich auch diachron zu variieren. Ob sich diese Erwartungen auch auf breiterer Datenbasis bestätigen, werden weitere Analysen zeigen.


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Anmerkungen

1 Zum derzeit laufenden, von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz geförderten Langzeitprojekt "Regionalsprache.de" (REDE) des Marburger "Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas" vgl. www.regionalsprache.de, sowie Kehrein (2008 und 2012). REDE ist der Erforschung der modernen deutschen Regionalsprachen gewidmet; hierzu werden an 150 Orten Deutschlands Sprachproben von jeweils drei unterschiedlichen Sprechergenerationen erhoben; pro Sprecher liegen damit Aufnahmen aus fünf bis sechs unterschiedlichen Gesprächssituationen vor. zurück

2 Diese Form des Skalentests stellt allerdings die eigentlich ursprüngliche dar; Herrgen/Schmidt (1985) konzipierten sie als den sog. "Hörerurteilsdialektalitätstest". zurück

3 Der Begriff des Neuhessischen bezeichnet die standardnahe, regional markierte Prestigevarietät, die sich bereits seit Längerem großräumig um Frankfurt am Main herum ausbreitet (cf. Dingeldein 1994: 278; Purschke 2010: 155; Vorberger i. Bearb.). zurück

4 Einer Variante dieser Methode bedient sich erstmals Mihm (1985), indem er ruhrdeutsche, allerdings mehrere Regionalismen enthaltende Sprachproben den Urteilen ruhrdeutscher Hörer aussetzt. zurück

5 So wurden z. B. inlautend lenisierte /k/-Varianten in ihren Tests von schleswig-holsteinischen Hörern seltener als Standardabweichung bewertet als vonseiten niederrheinischer und brandenburgischer Hörer, in deren Herkunftsregionen die betreffende Variante deutlich weniger gebräuchlich ist (cf. ibd.: 118–119). zurück

6 Cf. Trudgill (1986: 11), der die Akkommodation britischer US-Immigranten an das Nordamerikanische und die amerikanischer Sprecher an das britische Englisch untersuchte: "In contact with speakers of other language varieties, speakers modify those features of their own varieties which they are most aware of", sowie Schirmunski (1928/29: 166), der die Ausgleichsprozesse zwischen wolgadeutschen Siedlungsmundarten in Russland und die Konvergenzerscheinungen zwischen diesen und der regionalen deutschen Standard-Varietät erforscht: "Auf Grund unserer Beobachtungen können wir in der Mda. [= Mundart; Anm. v. m.] zwei Gruppen von Merkmalen unterscheiden, die wir als primär und sekundär bezeichnen wollen […]. Primär nennen wir diejenigen Erscheinungen, die in der Mda. im Vergleich zur Schriftsprache (oder zu anderen Mdaa.) als Abweichungen besonders auffallen […]. Sekundär nennen wir kleinere Unterschiede von der Schriftsprache (oder von anderen Mdaa.), weniger auffallende Merkmale […]. Wie wir gesehen haben, sind beim Zusammenstoß mit der Schriftsprache die primären Merkmale am leichtesten der Verdrängung ausgesetzt, die sekundären dagegen bleiben am längsten erhalten." zurück

7 Dort mit Bezug auf Ammon (1973), Stellmacher (1977: 97) und Reitmajer (1979: 66–67). Noch Lausberg (1993) und Kreymann (1994) untersuchten in ihren Studien zum Mittelfränkischen auf Basis von variantenspezifischen Gebrauchshäufigkeiten im Interview jeweils drei Variablen-Klassen und nannten subjektive Kriterien, ohne jegliche perzeptionslinguistische Tests vorgenommen zu haben. Ähnlich verfuhren Trost (1968), Reiffenstein (1976) und Jakob (1985: 40–41, 280–281 und 292). zurück

8 Einzellemmatische Regionalismen zeigen offenbar häufiger hohe Salienz bei gleichzeitiger Abbauresistenz: Lenz (2003: 199) zeigt am Beispiel der moselfränkischen Formen nit, wat, et für nicht, was, es, dass sie als großräumig verbreitete Regionalismen gerade von ansonsten standardorientierten Sprechern oftmals bewusst als Identitätsmarker eingesetzt werden. zurück

9 Als Auswahl sind an dieser Stelle zu nennen: König (1989a und 1989b); Lauf (1994 und 1996); Barden/Großkopf (1998); Mihm (2000); Rues et al. (2009); Wecker-Kleiner (2009); Kehrein (2012). zurück

10 Im Rahmen der Variantenauswahl wurden Aufnahmen von REDE-Sprechern aus ganz Deutschland stichpro-benartig herangezogen, darunter insbesondere Leseproben, Interviewaufnahmen sowie standardintendierte Realisierungen der 40 Sätze Georg Wenkers. zurück

11 Zugunsten einer möglichst hohen Qualität der Stimuli hatte jede Probe ein mitunter extrem aufwändiges Auswahlverfahren zu durchlaufen, bevor sie für das Testband als geeignet erklärt wurde. Dabei wurde zum einen sichergestellt, dass ein Stimulus tatsächlich nur die jeweils eine, intendierte Abweichung von der Standardaussprache enthielt, zum anderen, dass die enthaltenen Regionalismen authentisch produziert worden waren. Zu diesem Zweck wurden akustische und ohrenphonetische Vergleichsanalysen zwischen den Stimuli-Varianten und den entsprechenden, im REDE-Material auffindbaren Regionalismen durchgeführt; anschließend wurde jeder Stimulus nochmals durch die fünf Exploratoren und den Leiter des REDE-Empirie-Teams (denen an dieser Stelle ein herzlicher Dank ausgesprochen sei!) geprüft und im Zweifelsfall nacherhoben. Eine zusätzliche Prüfung des gesamten Testverfahrens erfolgte zudem durch eine Reihe von Pretests. zurück

12 Zur Bedeutung der Eichsätze vgl. auch Abschnitt 3.3.1 dieses Beitrages. zurück

13 Die Anordnung der Stimuli auf den Testbändern wurde bei allen Hörtestdurchläufen beibehalten, um eine Vergleichbarkeit der Hörerurteile gewährleisten zu können. zurück

14 Die Auswertung erfolgte mithilfe von Microsoft Excel, zusätzlich sind statistische Analysen unter Nutzung des Programms SPSS vorgesehen. zurück

15 Der eigentlichen Erhebung ging eine Reihe von Pretests mit vergleichbaren Hörergruppen im zentralhessischen Marburg sowie im mittelbairischen Dachau und Burghausen voraus. zurück

16 An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Roland Kehrein für seine mir zur Verfügung gestellten Analysen der Sprecher bedanken. Sie erwiesen sich in der Vorbereitung der Variablenanalyse als äußerst wertvoll. zurück

17 Garching an der Alz ist ca. 30 km nördlich von Traunstein und 20 km südlich von Waldkraiburg entfernt und liegt damit in etwa auf halber Strecke zwischen den beiden mittelbairischen Erhebungsorten der Perzeptionstests. zurück

18 Die von Georg Wenker erdachten Sätze, ab 1879 zur Erhebung seines Sprachatlas des Deutschen Reichs verwendet, stellen im REDE-Projekt die Basis zweier Erhebungssituationen: Die basisdialektale Kompetenz eines Sprechers wird abgefragt, indem er die ihm standardsprachlich vorgelesenen Sätze in seinen tiefsten Dialekt übersetzt, die standardsprachliche Kompetenz eines Informanten wird erhoben, indem er eine akustisch präsentierte Dialektversion der Sätze in seiner standardnächsten Sprechlage wiedergibt. zurück

19 Ob die Beurteilung dieser Varianten trotz ihrer niedrigen Werte bereits systematisch von der Beurteilung der standardsprachlichen Eichsätze abwich wird im Einzelnen erst mithilfe der noch ausstehenden Signifikanztests sicher geklärt werden können. zurück

20 Dabei bleibt allerdings auch hier zu beachten, dass die Daten bislang noch keine endgültigen Antworten liefern können, da die Signifikanztests noch ausstehen. Ob die ersichtlichen Wertedifferenzen also tatsächlich von Relevanz sind, bleibt vorerst noch ungeklärt. Allerdings kann an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Median – gerade im Vergleich zum häufig im Rahmen von skalenbasierten Hörtestergebnissen verwendeten arithmetischen Mittel – von sehr robuster Natur ist und in Bezug auf das vorliegende Skalenniveau als recht aussagekräftig gilt; beispielsweise werden sogenannte "Ausreißer" im Sinne von seltenen normabweichend höheren oder niedrigeren Werten in ihm bereits besser herausgefiltert. zurück

21 Diese Annahme wird auch durch die Ergebnisse einschlägiger Studien gestützt, die eine stabile Remanenz der betreffenden Regionalismen im Mittelbairischen belegen (cf. bspw. zur plosivischen -ig-Aussprache Wecker-Kleiner 2009: Karte 155, zur bilabialen /v/- und apikalen /r/-Realisierung Kehrein 2012: 269–270). zurück

22 Während die /l/-Velarisierung nach lateral gelöstem /t/ weder im nordniederdeutschen noch im obersächsischen Raum verbreitet ist, erstreckt sich der Geltungsbereich des apikalen /r/ zwar auch auf den Regiolekt des Nordniederdeutschen; das Merkmal ist dort jedoch, ganz anders als im Mittelbairischen, bereits seit Längerem stärker im Abbau begriffen und konnte beispielsweise bei keinem der durch Kehrein (2012: 311) untersuchten REDE-Informanten mehr nachgewiesen werden. zurück

23 Anzahl der Hörerurteile: N = 64; Anzahl der analysierten Variablen im Interview: N = 104 (/ɐ/-Hebung), n = 45 (/z/-Desonorisierung), n = 71 (apikales /r/), n = 23 (/a̠/-Palatalisierung in /a̠͡e/), n = 7 (/t/-Lenisierung), n = 17 (mhd. uo); Anzahl der analysierten Variablen in der Standardkompetenzerhebung: N = 36 (/ɐ/-Hebung), n = 25 (/z/-Desonorisierung), n = 26 (apikales /r/), n = 18 (/a̠/-Palatalisierung in /a̠͡e/), n = 6 (/t/-Lenisierung), n = 13 (mhd. uo); Anzahl der analysierten Variablen in der Dialektkompetenzerhebung: N = 44 (/ɐ/-Hebung), n = 22 (/z/-Desonorisierung), n = 26 (apikales /r/), n = 19 (/a̠/-Palatalisierung in /a̠͡e/), n = 7 (/t/-Lenisierung), n = 17 (mhd. uo). zurück

24 Anzahl der Hörerurteile: N = 64; Anzahl der analysierten Variablen in der Standardkompetenzerhebung: N = 37 (/ɐ/-Hebung), n = 29 (/z/-Desonorisierung), n = 26 (apikales /r/), n = 18 (/a̠/-Palatalisierung in /a̠͡e/), n = 8 (/t/-Lenisierung), n = 13 (mhd. uo); Anzahl der analysierten Variablen in der Dialektkompetenzerhebung: N = 43 (/ɐ/-Hebung), n = 24 (/z/-Desonorisierung), n = 27 (apikales /r/), n = 19 (/a̠/-Palatalisierung in /a̠͡e/), n = 10 (/t/-Lenisierung), n = 12 (mhd. uo). zurück

25 Cf. hierzu Kiesewalter (2011) und Kapitel 2 dieses Beitrages. zurück

26 Zumal es sich offenbar um Varianten handelt, die in ihren Verbreitungsgebieten noch (verhältnismäßig) stabil remanent auftreten, was auch die Ergebnisse einschlägiger Studien – und in den Fällen des desonorisierten /z/ und apikalen /r/ auch die Ergebnisse aus der vorliegend durchgeführten Variablenanalyse – belegen. zurück

27 Das bestätigen auch wiederum die Gebrauchsfrequenzen der Regionalismen in den analysierten bairischen REDE-Sprachproben: So stellen lenisiertes /t/ und bewahrtes mhd. uo – anders als die oben genannten Regionalismen – für die Generation der Hörtestteilnehmer bereits ganz klar keine unbewussten, stabil remanenten Merkmale mehr dar; sie werden von den jungen Mittelbaiern in den standardnahen Gesprächssituationen (nahezu konsequent) vermieden, zur Markierung dialektaler Rede hingegen augenscheinlich bewusst (und größtenteils auch zielsicher) eingesetzt, variieren also intersituativ sehr stark. zurück