Matthias Meiler: Diskurse – Medien – Dispositive oder Die Situationen des Diskurses

Diskurse – Medien – Dispositive oder Die Situationen des Diskurses. Anmerkungen zur postfoucaultschen Diskussion um die Medialität von Diskursen

Matthias Meiler (Siegen)

http://dx.doi.org/10.13092/lo.67.1601


 

"Die Koordinaten und der materielle Status der Aussage gehören zu ihren immanenten Merkmalen. Das ist evident – oder beinahe. Denn sobald man dem etwas Aufmerksamkeit widmet, verwirren sich die Dinge und vervielfachen sich die Probleme."

(Foucault 1969/1973: 146)

1 Ausgangspunkt

Der vorliegende Beitrag1 thematisiert die aktuelle (linguistische) Diskursforschung im Anschluss an Michel Foucault im Lichte der geführten Medialitätsdebatte. Ausgehend vom weithin einflussreichen mode-Begriff angelsächsischer Provenienz und dem sog. pictorial oder iconic turn wird in diskursanalytischen Studien verstärkt nach holistischeren Perspektiven auf Diskurse gefragt und dafür unterschiedliche, z. B. philosophische, soziosemiotische oder medienwissenschaftliche Überlegungen herangezogen. Eine kritische Sichtung solcher Perspektivenerweiterungen – vor allem auch in der Rückschau auf Foucault selbst – ist in der Lage, eine Tendenz herauszuarbeiten, die sich an systematisierenden Differenzierungen u. a. bezüglich der Begriffe Diskurs, Medien und Dispositiv versucht. Dieser Tendenz folgend wird im Anschluss an die Diskussion der aktuellen Positionen mit der text-/medienlinguistischen Kategorie ›Kommunikationsform‹ und einer semiopraxeologischen Perspektive ein integrativ-holistischer Systematisierungsvorschlag vorgestellt.

Dabei argumentiere ich von einem Ansatz her, der den semiologischen Konstruktivismus Ludwig Jägers mit der linguistischen Pragmatik verbindet. Die elementare Einheit dieses Rahmenmodells stellt das Zeichen dar, das als flexible Kategorie sowohl die medial-materiale als auch die soziokulturelle Vermitteltheit menschlichen Seins im Blick haben muss. Zeichen können somit nicht mit der überkommenen Semiotik, wie sie sich z. B. im Cours -Saussure artikuliert, beschrieben werden, sondern müssen im Rahmen einer pragmatisch fundierten Semiologie konzeptualisiert werden (cf. Jäger 1994). Diese weist – u. a. in der Tradition Humboldts – dem materialen "Zeichen insofern eine zentrale Rolle [zu], als es eine notwendige Entstehungs- und Bestandsbedingung für das [Erkenntnissubjekt und das Erkenntnisobjekt] darstellt" (Jäger 2010: 306). In Ermangelung unvermittelter Perspektiven auf unsere Welt muss so die Generierung von Sinn und damit von Welt "in semiologischen Prozeduren der inter- und intramedialen Bezugnahme" konzeptualisiert werden (ibd.). Diese Prozeduren sind als semantisierende Entäußerungshandlungen ganz wesentlich von ihren medial-materialen Bedingungen geprägt und können nicht als davon losgelöst betrachtet werden (cf. Holly/Jäger 2011: 151). Um dabei die pragmatische Verfasstheit dieser soziokulturellen Bezugnahmepraktiken und ihres Bedingungsrahmens nicht aus den Augen zu verlieren und um damit nicht in strukturalistische Gegenstandsreduktionen zurückzufallen, bietet sich eine an gesellschaftlichen Problemlösungen, d. h. an Zwecken ausgerichtete, funktional-pragmatisch inspirierte Perspektive auf die Kommunikationsanalyse an (cf. Ehlich 1986/1991).


2 Michel Foucault und die "Materialität der Aussage"

Wendet man sich an eine Analyseebene wie den Diskurs, dann sieht man sich nach der Entscheidung für die Diskursanalyse nach Foucault,2 die durchaus dadurch gerechtfertigt ist, da sie zweifelsohne als die einflussreichste Auseinandersetzung mit dieser Analyseebene gelten kann,3 mit Problemen konfrontiert, die im Wesentlichen den Foucaultschen Denk und Arbeitsweisen selbst geschuldet sind. Spitzmüller/Warnke (2011: 65) sprechen von "Foucaults ›Verunklarung‹" bezüglich "des" Diskurskonzepts oder "der" Diskurstheorie. Bernhard Waldenfels (1991: 277) wiederum spricht von inneren Widersprüchen, "[s]ucht man in seinen Texten nach einer einheitlichen Theorie und hinter seinen Texten nach einer eindeutigen Position" und stellt ihn damit in die Nachbarschaft Nietzsches. Foucault (1971/2002: 192) gibt auch freimütig zu, "weder eine Theorie noch eine Methode" erarbeitet zu haben. Üblich ist es überdies auch, seine Metapher des Werkzeugkastens zu zitieren (cf. Foucault 1975/1976: 53; z. B. bei Busse 1987: 221), doch dürfen all diese Relativierungen nicht zu dem Fehlschluss führen, es wäre alles beliebig, was Foucault in seinen Schriften entwickelt, denn, um mit Bühler (1934/1982: 332f.) in der Metapher zu bleiben: Man kann zwar "Nägel auch mit der Beißzange einklopfen und mit dem Hammer ausziehen; und doch bleibt es ein guter und wichtiger Satz, daß der Hammer zum Klopfen und die Zange zum Ausziehen konstruiert ist."

In der Archäologie des Wissens schreibt Foucault (1969/1973: 157) in einer für ihn typischen und ernstzunehmenden Zurückhaltung, er wolle lediglich "eine deskriptive Möglichkeit erscheinen lassen". Waldenfels (1991: 278f.) macht den unbezweifelbar (post)strukturalistischen4 Kern dieser Möglichkeit seines philosophisch-historischen Ansatzes5 wie folgt greifbar:

Ein Thema, das in Foucaults Texten in verschiedenen Zusammenhängen und in verschiedenen begrifflichen Ausarbeitungen immer wieder auftritt, ist die Suche nach der Formation, Deformation und Transformation historisch differenzierter und variabler Ordnungen, die sich weder in eine geschichtliche Gesamtentwicklung eingliedern, noch einer sinngebenden Subjektivität zuschreiben lassen. Herkömmliche Formen der Vernunfts-, Geschichts-, Gesellschafts- und Subjektauffassung bilden die Angriffsfläche des Foucaultschen Denkens, das diese Frontstellung nicht geschaffen, aber doch auf besondere Weise ausgebaut hat. Was im Laufe der Jahre wechselt, sind die Instanzen, denen die Prozesse der Formation und Transformation anvertraut werden. Von daher ergibt sich eine Art Thema mit Variationen.

Die Instanzen dieser Variationen werden in der Foucaultrezeption und forschung als Wegsteine herangezogen, um drei Schaffensphasen sichtbar zu machen (so z. B. bei Deleuze 1986/1992), eignen sich aber nicht dazu, sie voneinander zu trennen (cf. Warnke/Spitzmüller 2011: 66; Kammler 2007: 15–17). In diesen Phasen widmete sich Foucault zuerst der Archäologie von "Wissensformationen", später verlagerte sich sein Schwerpunkt zur Genealogie von "Machtsystemen" und dann weiter zu den "Formen der Subjektivation" unter Einfluss der beiden erstgenannten Schwerpunkte – man könnte diese letzte Phase mit dem Begriff der Ethik überschreiben (Waldenfels 1991: 281, Kursivierung getilgt; cf. Spieß 2011a: 78).

Die Schwerpunkte oder mit Waldenfels' (1991: 279) Worten: die "Variationen" seines Schaffens en détail zu rekonstruieren und kritisch zu kommentieren, interessiert im Rahmen dieser Arbeit weniger (cf. dazu z. B. id. 2003). Entscheidender ist es, das zugrundeliegende "Thema" (id. 1991: 279) mit seinen wesentlichen Bestimmungen herauszuarbeiten und das Foucaultsche Werk nach Anknüpfungspunkten für eine Perspektive zu befragen, die auf die Medien bzw. die Medialität von Diskursen abhebt.

Als Schlüssel zu Foucaults Werk kann sein Sprachbegriff oder zumindest sein Verhältnis zur Sprachwissenschaft betrachtet werden. Im Jahr 1968, d. h. ein Jahr vor der Veröffentlichung der Archäologie des Wissens hält Foucault (1969/2001: 1042) einen Vortrag über das Verhältnis von "Linguistik und Sozialwissenschaft", in dem er deutlich macht, was aus der "strukturalen Linguistik" Cours-Saussurescher Prägung für u. a. die Sozialwissenschaft gewonnen werden kann. Neben der weniger spannenden Feststellung der disziplinenkonstituierenden Abkoppelung einer (nicht ahistorischen aber) synchronischen Perspektive von der Diachronie und damit der Loslösung von "Kausalitätszuweisung[en]" (ibd.: 1049) erstaunt wie parole-orientiert er die "Saussure'sche Linguistik" liest und sie für geeignet hält, im Rahmen von informationstheoretischen Kommunikationsmodellen Anwendung z. B. in der Biologie zu finden (ibd.: 1047). Wesentlicher ist aber das Potenzial, das er einer solchen Linguistik aufgrund des "Niveau[s] an Wissenschaftlichkeit", das "bereits seit dem 19. Jahrhundert" erreicht sei, zuschreibt (ibd.: 1044). Mit dieser Auffassung positioniert er sich im Hinblick auf sein Werk bemerkenswerter Weise in den fatalen Bemühungen der Szientifizierung der linguistischen Gegenstandskonstitution (cf. Jäger 1994, 2009), der Foucault (cf. 1969/2001: 1064) wohl vor allem im Gewand des Chomsky-Kognitivismus begegnet ist. Diese (Natur-)Wissenschaftlichkeit sei mit dem Strukturalismus auf einem Höhepunkt angekommen, der "systematische Gesamtheiten von Beziehungen zwischen Elementen" nicht-empirisch, d. h. "unabhängig von den Elementen" beschreiben kann (cf. ibd.: 1045). Hier kommt Foucaults (ibd.: 1054) Wertschätzung der Fruchtbarkeit und dem "Grad an operationeller Nützlichkeit des Strukturbegriffs" zum Ausdruck, den er für übertragbar und modellbildend in der und für die Sozialwissenschaften erachtet und ihn daher auch für fruchtbar hält, "die Analyse dessen, was man die diskursiven Produktionen nennen könnte, zumindest anzugehen" (ibd.: 1051). An der strukturalistischen Linguistik interessiert Foucault also vielmehr der Strukturalismus als die Linguistik, deren strukturalistischen Sprachbegriff er nur als Negativfolie gebraucht, an dem er sich abarbeitet, ohne einen eigenen begrifflich zu fassen (cf. Busse 1987: 242–245). Zwar schreibt Foucault (1966/1978: 364) in Die Ordnung der Dinge in konstruktivistischem Duktus, "daß wir von dem geringsten gesprochenen Wort bereits durch die Sprache beherrscht werden und von ihr durchdrungen sind." In der Archäologie des Wissens distanziert er sich dann aber von der grundlegenden Sprachlichkeit des Menschen und damit der Diskurse, indem er

nicht – nicht mehr – die Diskurse als Gesamtheit von Zeichen (von bedeutungstragenden Elementen, die auf Inhalte oder Repräsentationen verweisen), sondern als Praktiken [behandelt wissen will], die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen. Zwar bestehen diese Diskurse aus Zeichen; aber sie benutzen diese Zeichen für mehr als nur zur Bezeichnung der Sachen. Dieses mehr macht sie irreduzibel auf das Sprechen und die Sprache. Dieses mehr muß man ans Licht bringen und beschreiben. (Foucault 1969/1973: 74)

Mit Blick auf einen semiotischen, repräsentationistischen und damit antipragmatischen Sprachbegriff, wie er hier deutlich wird, sieht sich Foucault offenbar gezwungen, die Diskurse und damit letztlich auch die diskursiven wie die nicht-diskursiven Praktiken "hinter die Sprache selbst verlegen" zu müssen, sie vielmehr in einem (nicht oder vorsprachlichen?) "epistemologischen Feld" aufgehen zu lassen (Foucault 1966/1978: 24) "und mit einem fragwürdigen eigenen ontologischen Status (als 'Aussagen') [zu] versehen" (Busse 1987: 243). Einerseits sind Diskurse damit "eine Menge von Aussagen, die einem gleichen Formationssystem zugehören" (Foucault 1969/1973: 156), andererseits aber auch "eine Menge von sprachlichen Performanzen", auf die die Aussagen notwendig bezogen bleiben (ibd.). In dem Sinne zerbricht Foucault die "Sprache in Wesen und Struktur" (Sloderdijk 1972: 175) und löst das Wesen, die Wissenselemente, die Aussagen oder das Mehr, das sein Sprachbegriff nicht fassen kann, als Diskursives vom (reduktionistisch konzeptualisierten) Sprachlichen ab (cf. Busse 1987: 244). Aufgrund mangelnder Auseinandersetzung mit konkurrierenden "sprachtheoretisch[en] Diskussionen" kommt es also zu diesen kompensatorischen aber aporetischen6 Verschiebungen (ibd., 245), die seinen ambivalenten Aussagenbegriff begründen.

Aussagen sind demnach weder Propositionen, noch Sätze, noch Sprechakte (cf. Foucault 1969/1973: 115–127), sondern Funktionen. Foucault (ibd.: 126) begreift die Aussage nicht als eine "strukturierte Einheit", sondern als eine "Existenzfunktion, die den [materiellen] Zeichen zu eigen ist", die gewissermaßen quer zur Ebene der Propositionen, Sätze und Sprechakte liegt und dadurch auf allen diesen Ebenen und wohl noch weiteren (form-)bestimmend wirkt (cf. Foucault 1970/1977: 15–17). In diesem Sinne ist die Aussage der Zweck der Zeichen im Kontext ihrer Existenz.7 Nun ist mit Kontext hier nicht die materiale, situierte Existenzweise gemeint, die Zeichen im kommunikativen Prozess als Medium notgedrungen haben, und das, obwohl Aussagen eine "wiederholbar[e] Materialität" haben (Foucault 1969/1973: 149), auf die noch zurückzukommen sein wird. Vielmehr geht es um einen epistemischen Kontext, einen "Verweisungszusammenhang" (Luhmann 1997: 50) oder in de Saussures (2003: 361) Begrifflichkeit um die "parasèmes". Mit dieser Bestimmung der Aussage bearbeitet Foucault den Zweifel an dem repräsentationalen Charakter (sprachlicher) Zeichen. Foucault (1969/1973: 133) nennt es das "Referential der Aussage", das "den Ort, die Bedingung, das Feld [ihres] Auftauchens" bestimmt, indem es das Verhältnis zu anderen Aussagen strukturiert und differenziert (cf. ibd.: 139–145).8 In Form dieser Konturierung einer relationalen Aussagenidentität ist jeder Aussage zudem eine Subjektposition eingeschrieben, ein "determinierter und leerer Platz, der wirklich von verschiedenen Individuen ausgefüllt werden kann", um eine Aussage "an der Oberfläche des Diskurses [sich] manifestieren" zu lassen (ibd.: 138f.). So begriffen ist der Diskurs "ein Feld von Regelmäßigkeiten für verschiedene Positionen der Subjektivität" (ibd.: 82).

In dieser Konzeptualisierung9 stehen Aussagen als Elemente diskursiver Formationen im Zentrum des Foucaultschen Werks und bilden quasi den Nexus der Tripels Wissen – Macht – Subjekt. "Ein Formationssystem in seiner besonderen Individualität zu definieren, heißt also, einen Diskurs oder eine Gruppe von Aussagen durch die Regelmäßigkeit einer Praxis zu charakterisieren" (ibd.: 108). Die Regeln, die die Beziehungen zwischen den Aussagen bestimmen und die Diskurse als Formationen herausbilden, sind nach Foucault (ibd.: 58) als "Formationsregeln" nicht im "Bewußtsein der Individuen", die die unterschiedlichen Subjektpositionen einnehmen können, "sondern im Diskurs selbst" (ibd.: 92) – semiologisch reformuliert, heißt das nichts anderes als, dass das, was Foucault mit Regeln, Regelmäßigkeiten und Beziehung als Bestimmungsmomente der Diskursformationen in den Blick nehmen will, rekonstruierte Strukturen im (verselbständigten) "semantischen Haushalt von Gesellschaften" darstellt (Jäger 2008: 107) und funktionalpragmatisch gesprochen, geht es um gesellschaftlich ausgearbeitetes oder "systematisiertes Wissen" (Ehlich/Rehbein 1977: 57).

Die "Gesamtheit von anonymen, historischen, stets im Raum und in der Zeit determinierten Regeln", die "die Wirkungsbedingungen der Aussagefunktion definieren", wird von Foucault (1969/1973: 171) als "diskursive Praxis" bezeichnet. Dass es hier nicht um Praktiken in einem pragmatischen Sinne geht, ist bei Foucaults (1966/1978: 412) Diskurskonzept klar,10 auch wenn die "Leere des verschwundenen Menschen" nur einen polemischen Raum seines Denkens darstellt und das eigentliche Zentrum von der "Rekonstruktion der historischen Modi und Möglichkeitsbedingungen von Subjekt-Objekt-Beziehungen" gebildet wird (Kammler 2007: 15), wie er selber auch betonte (cf. Foucault 1982/1994: 243). Wenn also das Subjekt auch als letzter Bezugspunkt aller Archäologie und Genealogie dient und dessen Vermögen oder vielmehr die Vermögen der Subjektposition als ganzheitlich prägendes " historisches Apriori" herausgearbeitet werden sollen (Foucault 1969/1973: 184),11 steht doch das handelnde Subjekt und seine praxeologischen Vermögen, wie sie z. B. die Funktionale Pragmatik (cf. Ehlich 1972/2007: 83) im Blick hat, nicht im Zentrum, vielmehr abstrahieren sie von ihm, um gegen das Bild von einem "Subjekt, das sich seiner selbst mächtig dünkt, und gegen eine Vernunft, die ihre teleologischen Bahnen zieht oder alles einer allgemeinen Richterinstanz unterwirft" (Waldenfels 2003: 12) ins Feld zu bringen, das es nur ein Spielball seiner Umstände oder "in ein historisches Raster gestellt" ist (Warnke 2002b: 8).12 Damit geht Foucault, wie Waldenfels (2003: 12) beschreibt, aber einen Schritt zu weit:

Müßte nicht von vorherein deutlich unterschieden werden zwischen epistemisch-technischen Problemen, die einen hohen Anonymitätsgrad aufweisen, und Sprechakten, Sprachereignissen und Verhaltensweisen wie Versprechen, Vertragsschluß oder Trauerbekundung, die nicht irgend jemandem zuzuschreiben sind, die ohne eine konstitutive »Jemeinigkeit« und eine eben solche »Jedeinigkeit« in Nichts zerrinnen? Die allzu einseitige Attacke gegen das Subjekt droht wichtige Unterschiede einzuebnen. Man könnte Diskurse begreifen als »instituierte Fraglichkeiten«,[13] die diesseits von subjektiven Sinngebungen, intersubjektiven Geltungsansprüchen und persönlichen Zuschreibungen angesiedelt sind, doch dann müßte die Diskursanalyse ihre methodischen Grenzen eingestehen.

Und so betont auch de Certeau (1980/1988: 125), dass Foucault nicht eigentlich an den "Praktiken" interessiert sei, sondern "an dem, was sie produzieren".14 In diesem Sinne stellt Foucaults Praxisbegriff erst einmal einen Versuch dar, eine spezifische Ordnungsform zu fassen, der vor allem ein produktives Moment inhärent ist, das im Rahmen "ein[er] allgemein[en] Theorie der Produktionen" (Foucault 1969/1973: 295) als Produktionen der diskursiven Gegenstände mit ihrer spezifischen Regelhaftigkeit (ihrer Erscheinungsweise15) und Relationalität (untereinander) herausgearbeitet werden soll. Daher ist es Foucault auch nicht anzulasten, dass er eine "Praxistheorie ohne eigenen Handlungsbegriff" verfolgt habe (Sloterdijk 1972: 182), da es ihm um Handlungen in diesem Sinne gar nicht geht.16

Die diskursive Praxis kommt also als epistemische Ordnungsform in den Blick, die als historisches Apriori bestimmt, was als Wahrheit/Wissen in einer Gesellschaft/in einem Diskurs zu einer bestimmten Zeit zur Geltung kommen kann: Im Lichte dieser Perspektive erweist sich die "ferne und nahe Vergangenheit der Menschheit [als] nichts weiter als ein großer Friedhof von toten großen Wahrheiten" (Veyne 2008/2009: 21).17 Im Zentrum seiner Antrittsvorlesung Die Ordnung des Diskurses arbeitet Foucault (1970/1977: 7) die "Prozeduren" heraus, mit denen "in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert" wird.18 Stärker als noch in der Archäologie des Wissens bindet er die Diskurse dabei an Sprache/Texte/Kommunikationen zurück, die die notwendigen Ausgangspunkte bzw. die wahrnehmbaren Oberflächen, die Positivitäten darstellen (ibd.: 48), an denen eine Rekonstruktion von diskursiven Formationen ansetzen muss. Im Rahmen der diskurskonstitutiven Prozedur des exegetischen Kommentars unterscheidet Foucault (ibd.: 16) zwei polare Existenzweisen von Diskursen:

In allen Gesellschaften läßt sich eine Art Gefälle zwischen den Diskursen vermuten: zwischen den Diskursen, die im Auf und Ab des Alltags geäußert werden und mit dem Akt ihres Ausgesprochenwerdens vergehen, und den Diskursen, die am Ursprung anderer Sprechakte stehen, die sie wieder aufnehmen, transformieren oder besprechen – also jenen Diskursen, die über ihr Ausgesprochenwerden hinaus gesagt sind, gesagt bleiben, und noch zu sagen sind.

Dies verweist auf die oben schon angesprochene Materialität der Aussage. In der Archäologie des Wissens spricht Foucault (1969/1973: 147) in geradezu Jägerscher, d. h. transkriptions-theoretischer Weise von der Medialitätsabhängigkeit der Aussage: "Sie ist konstitutiv für die Aussage selbst: eine Aussage bedarf einer Substanz, eines Trägers, eines Orts und eines Datums. Und wenn diese Erfordernisse sich modifizieren, wechselt sie selbst die Identität". Und im Rahmen dieser Frage nach der "Identität der Aussage" spricht er gar von "Transkriptionen", wenn eine Aussage von einer Materialität wie einem "Text", "einer Konversation", "einem Buch", "einer Zeitung", "einem Brief" oder "einem Plakat" in eine andere Materialität wechselt.

Wie lassen sich raumzeitörtlich immer singuläre Äußerungen von wiederholbaren Aussagen unterscheiden? "Welche Materialität ist also der Aussage eigen und autorisiert gewisse besondere Typen der Wiederholung? […] Welche Regelung wiederholbarer Materialität charakterisiert also die Aussage" (ibd.: 148f.)? Und Foucault (ibd.: 149) antwortet mit dem Beispiel unterschiedlicher Exemplare oder Auflagen eines Buches und hebt auf die "selbstverständlich materiellen, aber gleichzeitig institutionellen und ökonomischen" Bestimmungsmomente der – mit Jäger (2008: 107) gesprochen – jeweiligen "medialen Dispositive" oder – mit der spezifischen Perspektive dieser Arbeit – der je unterschiedlichen Kommunikationsformen ab, die in ihrer Eigenlogik je unterschiedliche " Möglichkeiten der Re-Inskription und der Transkription" von Aussagen ermöglichen (Foucault 1969/1973: 150). Foucault bindet also, ohne den Terminus Kommunikationsform zu verwenden oder allein nur kennen zu können (siehe Kap. 5), die diskursiven Praktiken in nicht unerheblicher Weise an die vielfältig bestimmten "strukturell[en] Arrangements" zurück (Holly 2011a: 150), die die je verfügbaren technischen und vortechnischen Medialitäten in ihrer spezifischen Kombination für Kommunikationen bereitstellen und die in alltagssprachlichen Begriffen wie Konversation, Buch, Plakat, Zeitung, Brief abgebunden sind (s. o.) und so als diskursanalyse-relevante Ebene von Foucault erschlossen werden konnten.

Es ist nun kein Zufall, dass Jäger (2008) und auch Holly (2011a, 2011b) den Begriff des Dispositivs für diese analyserelevante Ebene in Anspruch nehmen, denn in der Materialität der Aussage wird eine spezifische Verbindung diskursiver und nicht-diskursiver Aspekte thematisch. Von Foucault (cf. 1977/1978: 123) wird der Dispositivbegriff dann auch gebraucht, um das Verhältnis von diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken zu fokussieren.

Was ich unter diesem Titel festzumachen versuche ist erstens ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebensowohl wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs. Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.

Zweitens möchte ich in dem Dispositiv gerade die Natur der Verbindung deutlich machen, die zwischen diesen heterogenen Elementen sich herstellen kann. […] Kurz gesagt gibt es zwischen diesen Elementen, ob diskursiv oder nicht, ein Spiel von Positionswechseln und Funktionsveränderungen, die ihrerseits wiederum sehr unterschiedlich sein können.

Drittens verstehe ich unter Dispositiv eine Art von – sagen wir – Formation, deren Hauptfunktion zu einem gegebenen historischen Zeitpunkt darin bestanden hat, auf einen Notstand (urgence) zu antworten. Das Dispositiv hat also eine vorwiegend strategische Funktion." (Foucault 1977/1978: 119f.; Hervorhebung von mir)

Eine Klärung des Verhältnisses hält Foucault (cf. ibd.: 124f.) indes aber gar nicht dezidiert für notwendig. Im Vordergrund steht vielmehr, ein Verhältnis zwischen Diskursivem und Nicht-Diskursivem herzustellen und darin letztlich das "Spiel der Macht" und die "Grenzen des Wissens" in ihrem Wechselverhältnis zu rekonstruieren (ibd.: 123). Das Spezifische an Foucaults (ibd.: 126) Machtbegriff, wie er in der Dispositivbestimmung zum Ausdruck kommt, ist dabei, dass Macht als etwas konzeptualisiert wird, das einem "Bündel von Beziehungen" inhärent ist bzw. in ihm wirksam wird.19 Insofern ist Macht, da Foucaults Weltentwurf in Relationen und Relationierungen aufgeht, keiner sozialen Tatsache äußerlich. In diesem Sinne kann davon gesprochen werden, dass alles von Dispositiven betroffen ist bzw. alles dispositiv organisiert ist (cf. Agamben 2006/2008: 26f.). Im Begriff des Dispositivs scheint somit ein universales Ordnungsprinzip (sozialer) Wirklichkeit erkannt zu sein, das im Zuge eines immer mehr mit Holismus aufwartenden Forschungshandelns automatisch in den Blick kommen muss.20

Agamben (cf. 2006/2008: 11) rekonstruiert in seiner kleinen Studie den Dispositivbegriff Foucaults ausgehend vom Begriff der Positivitäten, wie er in der Archäologie des Wissens und in Der Ordnung des Diskurses noch Anwendung findet. Darin wird eine nicht unwesentliche Verschiebung im Denken Foucaults deutlich. Während mit dem Begriff der Positivität "am rettenden Horizont noch die Möglichkeit der Freisetzung einer reinen Erfahrung, die auf Worte »im Zustand der Wildheit«" hofft, erscheint (Waldenfels 1991: 279), so wird mit dem Begriff des Dispositivs der Versuch im Positiven eine historische ursprüngliche Ontologie zu rekonstruieren, aufgegeben, indem der Praxisbegriff jetzt konstruktivistischer und weniger ontologisch konzeptualisiert wird. Wie Agamben (2006/2008: 23) mit Blick auf "den komplexen Bedeutungsumfang der theologischen oikonomia" (griechischer Ursprung für das lateinische dispositio) herausarbeitet, wird im Dispositivbegriff "ein reines Regierungshandeln ohne jegliche Begründung im Sein" thematisiert und auch noch im Gegensatz zum Deutschen im alltagssprachlichen Französisch greifbar (ibd.: 16). Im Begriff des Positiven ist dieser Begründungszusammenhang wenigstens noch latent, indem – mit Jäger (2008) gesprochen – im immer kleinteiliger werdenden Zurückfragen hinter die Transkripte am Horizont Präskripte für möglich gehalten wurden.21 Diese müssen sich aber gezwungenermaßen immer wieder als (Trans-)Skripte herausstellen. In diesem Sinne kann im Dispositivbegriff eine Deontologisierung des Foucaultschen Denkens ausgemacht werden.

Das wird auch darin deutlich, dass die Unterscheidung zwischen diskursiven und nicht-diskursiven Praktiken im Rahmen von Dispositiven letztlich von der Warte des Diskursiven aus getroffen wird (cf. Foucault 1977/1979: 125) und damit auch Dispositive im Wesentlichen von einer nicht hintergehbaren und semiologisch-konstruktivistischen Sprachlichkeit im Rahmen einer allgemeiner Kommunikativität geprägt sind.22

So erweisen sich Dispositive als zweckorientierte Zugriffs- und Bündelungspunkte, die – metaphorisch gesprochen – den Bast darstellen, mit dem der bunte Blumenstrauß der Diskurse wie der Nicht-Diskurse hinsichtlich einer gesellschaftlichen Problemlösungsnotwendigkeit zusammengeschnürt werden kann und sie so in ihren Relationen und Relationierungen als "produktives Bedingungsgefüge" (Dreesen/Kumięga/Spieß 2012a: 10) zueinander bestimmbar werden. Diese Bestimmungen können als "wichtige Ergänzung der Diskursanalyse" (Uessler 2010: 206) ihrerseits von zwei Seiten her vorgenommen werden. Link (2007: 233) rekonstruiert für den Foucaultschen Dispositivbegriff hinsichtlich des "Machtverhältnis[ses]" sowohl disponierte als auch disponierende Momente in den Subjektivationen durch Dispositive: "Justiz/Polizei-Krimineller, Arzt-Patient, Psychiater-Neurotiker, Pädagoge-Zögling, allgemein Experte-Laie" (ibd.), worin auch die Kopplung von Wissen und Macht deutlich wird.


3 Postfoucaultsche Diskursforschung im deutschsprachigen Raum

Eine Diskursanalyse im Anschluss an Foucault, vor allem eine linguistische23 und zudem eine pragmatische, sieht sich einer Reihe analytischer, also konzeptueller wie forschungspraktischer Schwierigkeiten gegenüber. Im Gegenzug muss die Foucaultsche Perspektive natürlich auch etwas versprechen, das es in Aussicht stellt, die Schwierigkeiten zu überwinden und produktive theoretische wie empirische Impulse nach sich zu ziehen. Diese Impulse wurden in vielfältiger Weise und in einander konkurrierenden Ansätzen und Schulen wahrgenommen und unterschiedlich ausgebaut. Eine breite Übersicht bieten z. B. Blum et al. (2000) oder Spitzmüller/Warnke (cf. 2011: 78–120). Diese Ansätze hier auszuführen, ist der Fragestellung der Arbeit nicht angemessen. Vielmehr sollen wesentliche Fragen einer post-foucaultschen Diskursanalyse herausgearbeitet und vor dem Hintergrund des hier verfolgten Erkenntnisinteresses diskutiert werden.

Der wissenschaftliche Diskurs um die Diskursanalyse ist weithin geprägt von

(1) der Foucaultschen Epistemologie,

(2) von einer kategoriellen "Unschärfe" Foucaultschen Ursprungs (Warnke 2007: 10) und

(3) einem blinden Fleck in der Perspektive auf den Diskurs als Forschungsgegenstand,

den Foucault vielleicht nicht verschuldet hat, dem er aber doch nur wenig Relevanz beimaß. Diesem Erbschaftskomplex nähert man sich am besten über vier Foucaultsche (cf. 1970/1977: 37–53) Grundbegriffe, die in der (linguistischen) Diskursanalyse immer wieder hervorgehoben werden (cf. z.B. Busse 1987: 263f.; Warnke 2000: 219; Spieß 2011a: 80–88):

Wenn ein epistemisches Element (enoncé) in einer diskursiven Umgebung, also in einer Äußerung spontan und unvorhergesehen auftritt, erscheint es als "Ereignis". Wenn solche Ereignisse häufiger auftreten und damit zu Keimzellen diskursiver Formationen werden, bilden sich "Serien". Durch die Verdichtung von Serien diskursiver Ereignisse etablieren sich neue diskursive Strukturen und bilden so "Regelhaftigkeiten". Etablierte diskursive Formationen wirken als "Möglichkeitsbedingungen" prägend auf zukünftige diskursive Ereignisse, steuern also Erwartbarkeitszwänge oder -ausschlüsse für künftige Äußerungen. (Fraas/Meier-Schuegraf 2004: 79)

Im Rekurs auf diese Grundbegriffe machen die jeweiligen diskursanalytischen Ansätze deutlich, dass Foucaults Diskurskonzept vor allem und "in erster Linie als erkenntnistheoretischer Ausgangspunkt" herangezogen wird (Spitzmüller/Warnke 2011: 77) und sie ausgehend von dieser "Übereinstimmung" – der (1) Foucaultschen Epistemologie – ihre jeweiligen gegenstandsbezogenen, forschungsleitenden und methodischen Bestimmungen ausdifferenzieren (ibd.: 79). In den Grundbegriffen Ereignis, Serie, Regelhaftigkeit, Möglichkeitsbedingung wird vor allem die Kritik an den Begriffen "des Bewußtseins und der Kontinuität (mit den dazugehörigen Problemen der Freiheit und der Kausalität)" (Foucault 1970/1977: 39) deutlich, die selbst als diskursive Konstruktionen erachtet und rekonstruiert werden müssen (cf. Warnke 2002b: 12f.; Vogelmann 2011: 2). Vor diesem Hintergrund hebt Foucault darauf ab, "Erkenntnis und Wissen" in seiner je spezifischen "gesellschaftlichen, kulturellen und historischen" Kontingenz herauszuarbeiten (Spitzmüller/Warnke 2011: 67).

Ausgehend von diesem Quadrupel der diskursanalytischen Grundbegriffe entfaltet gleichsam eine (2) Foucaultsche "Unschärfe" ihre Wirkung (Warnke 2007: 10), die in Form von unpräzisen Redeweisen bis in aktuelle Diskursbegriffe reicht. Diese Unschärfe kann auch als die Frage nach dem ontologischen Ort der Diskurse/des Diskurses reformuliert werden. Wird mit den Begriffen des Ereignisses und der Serie die grundsätzliche Bindung des Diskurses an die je kontextuelle oder situationale Materialität oder allgemein die Medialitätsabhängigkeit von Diskursen (s. o.: Materialität der Aussage) betont, verweisen die Begriffe Regelhaftigkeit und Möglichkeitsbedingung auf dekontextualisierte oder entsituationalisierte Verselbständigungen von seriellen Ereignissen hin zu Wissensformationen. Es spiegelt sich hierin also mithin das Vermittlungsverhältnis von der Mikroebene individueller Kommunikationen und der Makroebene überindividueller Wissensstrukturen. Wie im vorangegangen Kapitel herausgearbeitet wurde, geht es Foucault ja mit seinen Begriffen der Aussage (als Funktion) und der Praktik (als Ordnungsform diskursiver Produktionen) in erster Linie um Diskursformationen als strukturierte Wissenssysteme. Seine Theorie ist also nicht auf der Mikroebene der konstituierenden Handlungen angesiedelt, sondern auf der Makroebene der konstituierten Strukturen, die letztlich freilich in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis gedacht werden müssen. Gerade eine pragmatische Diskursanalyse im Anschluss an Foucault muss sich also, um dieses Verhältnis zu klären, in besonderem Maße fragen:

a) Welche theoretischen Rekonzeptualisierungen24 sind nötig (vor allem für die Begriffe Aussage und Diskurs)?

b) Welche methodischen Wege können gefunden werden, um die so gewonnenen Forschungsgegenstände adäquat zu rekonstruieren?

Dass Foucault den Aussagen- und den Diskursbegriff systematisch vage hält (cf. Warnke 2007: 10–14) und letztlich beide für die Mikro- und die Makroebene seines Untersuchungsgegenstandes in Beschlag nimmt, lässt sich als der Grund ausmachen, weswegen vielfach in der Diskursanalyse keine klare Redeweise darüber herrscht, ob der Diskurs das Korpus (also die Analysedaten) oder das aus ihm zu rekonstruierende Wissen (also das Analyseergebnis) ist25 – anders gefragt: Ist der Diskurs eine zusammenhängende Menge von Kommunikaten oder ist der Diskurs in einer zusammenhängenden Menge von Kommunikaten zu finden? Häufig wird diese Frage terminologisch ununterschieden so beantwortet, dass beides zutrifft.26 Busse/Teubert (1994: 14f.) hingegen verstehen in Abgrenzung zu Foucault unter Diskurs nicht die "Beziehungen zwischen einzelnen Aussagen oder Aussagenelementen", sondern "im forschungspraktischen Sinn virtuelle Textkorpora" und binden ihren Diskursbegriff damit an die registrierbaren, da überlieferten, thematisch zusammenhängenden Kommunikate, also an "Oberflächenphänomene" zurück (Warnke 2007: 13). Näher an Foucault bleibt Jung (1996, 2000, 2006: 50) mit seinem Vorschlag, Diskurse nicht an konkrete Kommunikate zu binden, da diese immer Teil mehrerer Diskurse gleichzeitig sein können, sondern sie als "verknüpfte Menge von Aussage-Einheiten mehrerer Sprecher zu einem Thema" zu verstehen, die freilich nur "über Text- oder Textstückkorpora zugänglich werden" (cf. ähnlich auch Sauer 2005; Warnke 2008a). Diese Position führt die Reihe "Phonem – Morphem – Wort – Satz – Text" nicht einfach mit " – Diskurs" weiter (Spitzmüller/Warnke 2011: 88), da der Diskurs so, wie oben für Foucault schon erwähnt, als "Aussagengeflecht" (Jung 2006: 40) quer zu den weiteren Ebenen liegt und diese in ihrer Gestalt determiniert.

Entsprechend der wissenschaftsgeschichtlich jungen Bestrebungen, einem Erweiterungspostulat hinsichtlich des linguistischen Gegenstandes (cf. Heinemann/Viehweger 1991: 26) erst über den Satz, dann über den Text hinaus nachzukommen (cf. Wichter 1999: 263–265), haben Kristevas Begriff der Intertextualität (schon bei de Beaugrande/Dressler 1981; Klein/Fix 1997) und im Anschluss an Foucault der Begriff der Diskursivität zuerst in der Textlinguistik und dann in der Diskurslinguistik (cf. Warnke 2004) den Blick auf die systematischen Beziehungen zwischen Texten oder besser Kommunikaten auf unterschiedliche Weise gelenkt (cf. überblickend Heinemann/Heinemann 2002: 105–120). Mit Warnke (2002a: 137) kann dabei hinsichtlich der Mikro- und der Makro-Ebene unterschieden werden: "Diskursivität wird also auf der Textebene durch Intertextualität hergestellt. Texte eines Diskurses sind durch ein partiell übereinstimmendes Diskursivitätsmerkmal gekennzeichnet, das durch intertextuelle Bezüge in einzelnen Texten konkretisiert wird." Texte müssen damit nicht "dieser (linguistischen) Supereinheit" Diskurs entsprechend der Proklamation "Der Text ist tot." zum Opfer fallen, sondern bleiben konzeptuell betrachtet alltags- und forschungspraktischer "Fest- und Bezugspunkt für kommunikatives Handeln" (Heinemann 2005: 21). Kommunikation kann aber "in der Tat erst im Diskurszusammenhang vollständig erfasst und charakterisiert werden" (ibd.: 28). In diesem Sinne ist Kommunikation wesentlich durch Intertextualität und Diskursivität als Bestimmungsmerkmal und Verstehensvoraussetzung geprägt.

Die immer noch verbleibende und (methodisch) nicht unwesentliche Frage, die sich an diesen Komplex anschließt, ist, auf welcher der Analyseebenen sinnvollerweise von Diskurs gesprochen werden kann – die Antwort, ob Diskurs als Kommunikationen oder als Wissen begriffen werden sollte, ist damit systematisch gesehen noch nicht gegeben. Ist der Diskursbegriff entsprechend dem obigen Ausgangspunkt mit dem (post-)strukturalistischen Foucault eng angelehnt an die Regelhaftigkeiten und Möglichkeitsbedingungen zu knüpfen oder im Sinne einer (a) pragmatischen Rekonzeptualisierung an kommunikative Oberflächen (Ereignisse, Serien)? Es ist selbstverständlich, dass eine wissenschaftliche Analyse immer auf die Erkenntnis von systemischen Regelhaftigkeiten hinauslaufen soll. Wie und auf welcher Basis sie zu diesen Erkenntnissen kommt, ist davon erst einmal unabhängig. Von Interesse sind also im Wesentlichen kontextlose Makrostrukturen, die jeder individuellen Ausprägung des Gegenstandes unterstellbar und in ihr auffindbar sein sollen, wenn er als wissenschaftlich verstanden gilt. Die (linguistische) Pragmatik als Paradigma kulturwissenschaftlicher Forschung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Regelhaftigkeiten empirisch, d. h. ausgehend von je individuellen, situierten Daten und unter der Perspektive ihres handelnden Vollzugs zu rekonstruieren (Mikro-Ebene).

Dabei verfolgt eine linguistische Diskursanalyse eine Erweiterung des Foucault'schen Diskursbegriffes, insofern dem Diskursbegriff ein handlungstheoretisch fundierter Sprachbegriff zugrunde gelegt wird. Diskurse werden demnach handlungstheoretisch begründet und als Handlungsräume bzw. Handlungsrahmen, die selbst performativ sind, charakterisiert. (Spieß 2008: 245)

Daran schließt sich das Problem, den Link zwischen Makro-Strukturen und Mikro-Handlungen rekonstruieren zu können (cf. Heidenreich 1998; Habscheid 2000). Für die Diskursforschung liegt dieses Problem in der Opposition von konkreten Kommunikaten und gesellschaftlichem Wissen. Das Mikro-Makro-Problem kann dabei gerade nicht als Gegenüberstellung von 1:1-Kommunikationen und 1:n-Kommunikationen diskutiert werden, wie das bei z. B. Fraas/Meier-Schuegraf (2004), Fraas/Klemm (2005a) und Fraas (2008) diskutiert wird.27 Hierin wird die Foucaultsche Unschärfe direkt konzeptuell wirksam, indem mehr oder weniger explizit davon ausgegangen wird, dass das gesellschaftliche Wissen direkt in den Kommunikaten steckt und als solches nur in Kommunikatsverbünden aufgefunden werden kann, die über eine große Reichweite verfügen. Das "Mikro-Makro-Problem", wie es von Fraas (2008: 263) diskutiert wird, ist aber nur ein kommunikationsstrukturelles28 und daher vom Wissenskomplex erst einmal abzukoppeln, da es auf der Mikro-Ebene individueller Handlungsvollzüge, wenngleich massenhafter, angesiedelt ist. Mit dieser Perspektive wird zwar die Entscheidung getroffen, Diskurse als eine Menge von kommunikativen Mikro-Ereignissen zu begreifen, diese können sich aber intertextuell nur in der Sphäre der massenmedialen Öffentlichkeit als Diskurs konstituieren (cf. auch Spieß 2011a: 128). Das wiederum bindet Diskurse an Wissen "gesellschaftlicher Relevanz" (Fraas 2008: 368) und trennt insofern einerseits "Allerwelts-Wissensvorräte" und die daran gebundenen "Weltkonstitution[en]" künstlich ab (Keller 2006: 116) und marginalisiert andererseits die Rolle anderer Kommunikationsformen bei "der Konstitution kollektiver Wissensbestände" (Fraas/Meier-Schuegraf 2004: 77) prinzipiell weiterhin.29 Das erweist sich weithin als ein (3) blinder Fleck der Diskursanalyse, der erst langsam in den Blick gerät (siehe Kap. 4).

Die damit untergeschobene Entscheidung (im Gegensatz zu Foucault) Diskurse als intertextuelle Oberflächenphänomene der Mikro-Ebene zu begreifen – in denen gesellschaftliches Wissen (Makro-Ebene) über die sinnkonstitutive Spur des Wahrnehmbarwerdens und Wahrnehmbarmachens (cf. Jäger 2010) "sozial objektiviert, d. h. in Interaktionen mit anderen [entsteht], verfestigt, weitergegeben und modifiziert" und mithin immerfort "interpretiert, geformt, gebrochen, aktualisiert, abgelehnt, transformiert, erneuert" wird (Keller 2006: 118f.) und damit ausgehend von diesen medialen Spuren auch analytisch rekonstruierbar wird –, ist im Prinzip eine terminologie-ökonomische Entscheidung, die zu treffen ist, wenn man die Diskursivität des gesellschaftlichen Wissens terminologisch nicht derart überbetonen will, dass man gleichsam dieses Wissen, wie es bei Foucault ab und an geschieht, als Diskurse, diskursive Praktiken oder Diskursformationen bezeichnen will und dann die konkreten Kommunikatsverbünde, von denen aus dieses Wissen uns zugänglich wird, mit einem weiteren/neuen Begriff belegen will bzw. muss.30

Mit dieser Entscheidung sind nun zweierlei Perspektiven auf den Diskurs möglich: einerseits eine "textualistische", d. h. eine an struktureller Intertextualität interessierte, und andererseits eine "epistemologische", d. h. eine an thematischer Intertextualität interessierte Diskursanalyse (Warnke 2008b: 37f.; cf. Fix 2008: 75f.), die beide einen (b) methodischen Weg von situierten Oberflächenphänomenen, die beobachtbar sind, hin zu nicht-situierten Tiefenstrukturen, die von Gesellschaften als Wissen vorgehalten werden, nehmen müssen. Dafür haben sich zahlreiche, unterschiedliche konzeptuelle Methoden herausgebildet, die Gardt (cf. 2007: 30–35) umfangreich listet, Hermanns (cf. 2007: 194–198) dezidiert hermeneutisch grundiert31 und die Warnke/Spitzmüller (cf. 2008: 23–45) in ihrer Mehrebenen-Übersicht (DIMEAN = Diskurslinguistische Mehr-Ebenen-Analyse) diskursanalytischer Konzepte (von intratextuellen und akteursbezogenen bis hin zu transtexuellen Aspekten) und der sich an sie knüpfenden Methoden überblickend systematisieren.

Und wenn diskursanalytische Methoden prinzipiell alle kommunikativ relevanten Ebenen abdecken können und je nach Fragestellung auch sollten, kann doch davon gesprochen werden, dass die Frame-Analyse (cf. z. B. Konerding 1993, 2005; Ziem 2008) und die Topos-Analyse (cf. z. B. Wengeler 2003) methodische Klassiker der epistemologischen Diskursanalyse darstellen.

Dies sind freilich Konzepte, die auf Semantik, also Bedeutungswissen abzielen und die Materialität der Aussage weitgehend vernachlässigen. Weniger prominent scheinen "textualistische" Erkenntnisinteressen (Warnke 2008b: 37) am Diskurs zu sein, wie sie z. B. Girnth (1996) formuliert und die auf ein Wissen anderer Qualität abzielen. Ein Versuch die Konzepte der Topos- und Frame-Analyse für dieses diskursstrukurelle bzw. intertextstruktuelle Wissen fruchtbar zu machen, wurde meines Wissens bisher noch nicht unternommen.

Girnth (cf. ibd.: 66) kommt es dabei vor allem auf die funktionalen Kopplungen an, die intertextuelle Beziehungen stiften. Er arbeitet dabei exemplarisch für den politischen Diskurs das "funktionale Zusammenwirken" je spezifisch "diskursfähiger Textsorten" aus den je unterschiedlichen (politischen) Handlungsfeldern heraus (ibd.: 71). In "prozessual-intradiskursiv[er]" Perspektive unterscheidet Girnth (ibd.: 71f.) zwölf "Merkmale diskursiver Funktionen",32 mit denen spezifische Textsorten mit diskursabhängig mehr oder weniger "syntagmatischer Variabilität" in das "makrodiskursiv[e] Gefüg[e]" eingeordnet werden können (cf. dazu auch Klein 2011). Glonings (cf. 2011: 18) Begriff der "Formatkonstellation" verschiebt Girnths Perspektive von der Textsortenebene auf die Kommunikationsformenebene (s. u.) und nimmt sie als "systematisch[e] und dauerhaft[e]", "häufiger" "allerdings spontane" Kopplungen zwischen Kommunikationsformen in den Blick (ibd.), die von den Akteuren zu unterschiedlichen diskursiven Zwecken gestiftet werden. Für die hier eröffnete Perspektive spielen die systematischen Konstellationen natürlich die wichtigere Rolle.

Mit kontrastiv-textologischer und damit textsortenorientierter Perspektive werden ebenso andere als genuin thematische Zugriffe auf "Diskurs(system)e" (Adamzik 2001: 37) diskutiert. Eva Martha Eckkrammer (cf. 2010: 47) nennt z. B. "spezifische Denk- und Argumentationsweisen (z. B. Fremdbild als Feindbild im Sinne des Debasing der interkulturellen Kommunikation), […] soziale Konstellationen (z. B. Arzt-PatientIn) sowie […Rahmen möglicher] Kontextualisierungen (z. B. fachliche Diskurse)" als diskurskonstituierende Parameter neben einer thematischen Orientierung, wie sie in der Diskursanalyse weithin üblich ist. Und Kirsten Adamziks (2010: 40) ebenfalls kulturkontrastive Überlegungen laufen

auf ein Plädoyer für 'authentische' (Teil-)Korpora hinaus, d.h. für solche, die auch für irgendwelche Gruppen als Bezugsgröße fungieren, die damit eine echte soziale Relevanz haben und nicht künstliche Gruppen von Texten aus einer an Klassifikation orientierten Außensicht darstellen. Solches Material dürfte in aller Regel unterschiedliche Textsorten umfassen, denn primäre kognitive Ordnungskategorien sind für Sprachteilhaber nicht Textsorten, sondern nur grob umrissene kommunikative Bedürfnisse wie Information oder Unterhaltung, bestimmte Programme, Themenbereiche oder sogar Serien. Es geht also um die Untersuchung von so etwas wie 'textuellen Biotopen'.

Ein ähnlicher, nicht-thematischer Zugriff auf Diskurse wird hier verfolgt, indem nach den Möglichkeitsbedingungen von Diskursen gefragt wird und somit die Situationen ihrer Konstitution in den Blick kommen.


4 Der blinde Fleck der Diskursforschung

Dass Foucault Medialitätsfragen nicht gänzlich ausgeblendet hat, konnte oben mit der Rekonstruktion dessen, was er die "wiederholbare Materialität der Aussage" nennt, deutlich gemacht werden. Dass ihn darüber hinaus Fragen solcher Art aber nur marginal interessierten, kann darauf zurückgeführt werden, dass er "nicht zeitgenössische Debatten untersucht, sondern den Blick konsequent in die Vergangenheit gerichtet" hat (Karis 2012: 47, 2010: 238f.).

Das hat wesentliche Folgen für die Diskursanalyse. Schon bei Busses (1987: 228) akribischer Foucaultexegese wird die Materialität der Aussage zum "Prinzip ihrer Aussagbarkeit, gleich in welcher Form", reduziert, wodurch der Foucaultsche Gedanke weitgehend verkannt wird. Auch der Aufsatz von Busse/Teubert (1994: 12), der vielfach als programmatisch bezeichnet wird, bleibt dem medialitätsvergessenen "Paradigma der Systemlinguistik" verpflichtet (Busse/Teubert 1994: 12) gegen das sie argumentieren, um die transtextuelle Ebene im "Themenkanon" der germanistischen Linguistik zu stärken. Als "Erweiterung einer linguistisch fundierten Wort- und Begriffsgeschichte" scheint die Diskurssemantik von den unterschiedlichen Weisen der Existenz ihres Untersuchungsgegenstandes abstrahieren zu können, gerade wohl auch deswegen, da vielfach nur historisch-literarische Quellen herangezogen werden (Spitzmüller/Warnke 2011: 82). Und so kann mit Roth zusammenfassend festgehalten werden:

Es scheint so zu sein, dass die germanistische Diskurslinguistik im Gegensatz zu ihrer entfernten Verwandten, der "Discourse Analysis", von der Semantik das geringe Interesse für die konkrete einzelne Sprachhandlung und damit für die pragmatische Perspektive geerbt hat. (Roth 2012: 123)

Als Konsequenz dieser Fokussierung auf das Erstellen diskurssemantischer Inventare zu großen Korpora ergibt sich, dass diskursgrammatische Analysen systematisch von einem gewissen pragmatischen Minimalismus geprägt sind, dessen deutlichster Ausdruck eben die weitgehende Beschränkung auf den Kommunikattypus schriftlich-massenmedialer Realisationen des Diskurses ist. (Roth 2013: 175; cf. auch Spieß 2012: 77)

In den Arbeiten der Chemnitzer Forschergruppe um Claudia Fraas ist vielfach darauf hingewiesen worden, dass die Diskursanalyse weithin lediglich eine Diskursanalyse "für den Bereich der Printmedien" ist (Fraas/Meier-Schuegraf 2004: 77). Das hat sowohl forschungspraktische als auch forschungspolitische Gründe (cf. Dreesen 2012: 114; Roth 2013: 175f.). Nicht ohne Grund wird von Fraas (cf. 2008: 363) immer wieder auf die zunehmende Relevanz der "neuen Kommunikationsformate im Internet" hingewiesen, die von ihrer Gruppe in den Blick genommen werden. Dabei geht es nicht nur um thematische Relevanz, sondern gleichsam – und das wird offenbar in eins gesetzt – um eine Relevanz der Reichweite (cf. ibd.: 365f.). Die Untersuchung diskursiven Wissens ist an die Öffentlichkeit der untersuchten Kommunikate gebunden et vice versa nur Kommunikate öffentlicher Reichweite "schließen an kollektive Wissenskonstitutionsprozesse und gesellschaftliche Diskurse an" (ibd.: 363). So wird die ausschließliche Konzentration auf Diskurse der Massenmedien respektive der Printmedien33 als Untersuchungsgegenstand, der auf (Schrift-)Sprache reduziert wird, erst in jüngster Zeit gelockert (cf. die Sammelbände Fraas/Klemm 2005b; Dreesen/Kumięga/Spieß 2012b).

Mit dem Fokus auf eine "Online-Diskursanalyse" (Fraas/Meier 2011) entwirft die Chemnitzer Gruppe einen Ansatz, der den Sprachzentrismus (zugunsten von z. B. Bild- und Typografie-Aspekten; cf. Meier 2005, 2008) der meisten diskursanalytischen Arbeiten überwindet, indem auf das Multimodalitätskonzept der Soziosemiotik angelsächsischer Provenienz zurückgegriffen wird (cf. z. B. Kress/van Leeuwen 1996/2010, 2001; Kress 2010). Der mode-Begriff, der weithin dort rezipiert wird und Anwendung findet, wo er für eine holistische Perspektive "einige Neufokussierungen und Präzisierungen in jenem Gegenstandsbereich verspricht, der ansonsten durch den notorisch unscharfen Medienbegriff abgedeckt wird" (Steinseifer 2011: 169; Hervorhebung von mir), importiert dabei meist ungesehen die begrifflichen Unschärfen, die in seiner Konzeptualisierung angelegt sind, in die neuen Theoriekontexte, in denen er Anwendung findet (cf. ibd.: 170–173): Wesentlich wird damit – so Steinseifer (ibd.: 170) – die "restriktivere Unterscheidung von Medialität als technischer Infrastruktur, Codalität als semiotischer Struktur und Modalität als Sinnesbezug" verdeckt (cf. z. B. Meier 2008: 111–113). Und auch wenn Fraas/Meier (2011) auf Hollys (2000) Konzept der Kommunikationsformen bezugnehmen, erscheinen Kommunikationsformen in ihrer Perspektive immer noch – ähnlich wie das allgemein für den Medienbegriff der Diskursanalyse konstatiert werden kann (cf. z. B. Spieß 2011a: 128–135) – lediglich als Sitz restriktiver und repressiver Determination des Diskurses (cf. Karis 2012: 51–54).

Einen ähnlich perspektivierten, aber anderen Ansatz verfolgt Kersten Sven Roth (2008, 2013: 174) mit seinem Plädoyer für eine "Diskurspragmatik", die gerade die "spezifischen Bedingungen im Handeln konkreter Sprecher in die diskurssemantische Interpretation einzubeziehen" versucht. Roth (2008: 326) nimmt dabei die Rekonstruktion diskursiven Wissens gerade nicht aus massenmedialen Kommunikaten vor, sondern untersucht "interpersonale Diskursrealisationen" oder – wie er sie an anderer Stelle nennt – "'teilnehmerorientierte' Realisationen des Diskurses" (id. 2013: 177), um sie in ihrer "Eigengesetzlichkeit" zu verstehen (id. 2008: 342). Diese Eigengesetzlichkeit stellt sich wesentlich aus den "pragmatischen Bedingungen" her, die "nicht zuletzt der mediale Rahmen" vorgibt (id. 2013: 188) und wirkt sich – da liegt Roths (ibd.) Erkenntnisinteresse – prägend auf die Sagbarkeiten im jeweiligen Diskurs aus: "Die spezifischen Auswirkungen eines Mediums auf die in ihm greifbar werdenden 'Karteikarten' des Diskurses werden freilich erst im Vergleich über verschiedene Realisationstypen – etwa massenmediale, teilnahmeorientierte und online produzierte – hinweg beschreibbar sein."

Als prägende Parameter für interpersonale Diskursrealisationen erachtet Roth (ibd.: 177; Kursivierung von mir) dabei, dass sie von Sprechern

im Rahmen der vielfachen nicht-öffentlichen, typischerweise mündlich und face-to-face realisierten verbalen Interaktionen mit einem kontrollierten (oder zumindest für kontrollierbar erachteten) Rezipientenkreis produziert werden […]. Eben diese bezeichne ich als "teilnahmeorientierte" Realisationen des Diskurses (TORs) […]. Als Untersuchungsgegenstand haben diese den Vorteil, dass TORs in ihrer typischen Form, dem mündliche Face-to-Face-Gespräch, in besonders hohem Maße vom unmittelbaren Zusammenspiel einzelner, kurzer und abgrenzbarer Sprechhandlungen der Interaktanten geprägt sind. Dadurch wird die pragmatische Beeinflussung dessen, was an diskursivem Wissen in den Realisationen manifest wird, besonders deutlich und leichter erfassbar.

Hier wird quasi in ähnlicher Weise manifest, was für Foucault als Ahnung von der Kommunikationsformenkategorie rekonstruiert wurde – mit dem Unterschied, dass Roth diese fruchtbar hätte heranziehen können, da er gerade eine textlinguistische (Re-)Pragmatisierung der Diskurslinguistik für fruchtbar hält (cf. Roth 2012). Sein Ansatz geht daher zwar wichtige erste Schritte, muss aber mit der nur prototypischen Parametrisierung, die maximal Kommunikationsformenfamilien34 unterscheiden kann (siehe Kap. 5), systematisch unterkomplex bleiben und dürfte nicht in der Lage sein, die Wechselwirkungen von Medialität und Diskursivität kommunikationsformenkontrastiv adäquat zu erfassen.

Das oben schon erwähnte, "mehr oder minder entpragmatisiert" gedachte (Roth 2012: 123), methodische "Maximalprogramm" (Spieß 2011b: 303) DIMEAN von Warnke/Spitzmüller (2008: 37) verweist zwar auch auf das Kommunikationsformenkonzept, versteht es aber grundsätzlich falsch, wenn es "Register bzw. Varietäten" ebenso unter dieser Kategorie fassen will. Selbst konzeptualisiert als "Klasse von Textsorten, die durch besondere situative bzw. mediale Merkmale gekennzeichnet ist" (Spitzmüller 2009: 77), ist noch nicht erkannt, was die Kategorie Kommunikationsform (u. a. im Diskurszusammenhang) zu leisten vermag.

Viel prägender aber als derartige textlinguistische Überlegungen zur Medialität scheint für die Diskursanalyse das wohl wesentlich auf Bachtin (1965/1977) und Wichter (1999) zurückzuführende poststrukturalistische Konzept der Dialogizität des (massenmedialen) Diskurses zu sein (cf. z. B. Warnke 2002a, 2002b), das klar als das aufgefasst werden muss, was es ist: eine Metapher.35 Es mag auf eine Weise erhellend sein, Diskurse – wie das vielfach im Sinne Wichters (1999: 274) geschieht – als "Gesellschaftsgespräche" aufzufassen, als "Wege und Umwege, auf denen eine Gesellschaft sich mit sich selbst und anderen Gesellschaften verständigt" (ibd.: 279). Diskurse sind aber in ihrer Spezifik nicht erkannt, wenn sie weiterhin am Vorbild einer Kommunikationsform verstanden werden, die prototypisch gerade wenige kopräsente und zudem synchron handelnde Interaktanten umfasst; dieses Arrangement "strukturell" als "Wechselrede von Texten" – wenngleich als dialogische und polyphone Wechselrede – auf den Diskurs zu übertragen (Warnke 2002b: 11), verstellt simplifizierend den Blick auf die Vielfalt der am Diskurs beteiligten Kommunikationsformen mit ihren je spezifischen Prägekräften (cf. Stenschke 2004: 301).

Differenzierter und quasi von der anderen Seite wendet man sich diesem Problem zu, wenn man die medienwissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem oben schon angesprochenen Dispositiv-Begriff Foucaults in den Blick nimmt, wie dies jüngst auch die Diskursforschung unternimmt (cf. Dreesen/Kumięga/Spieß 2012b). Der Dispositiv-Begriff kann als der Begriff des Foucaultschen Werkzeugkastens gelten, der wenn auch sehr heterogen am intensivsten von den Medienwissenschaften aufgenommen wurde (cf. Parr/Thiele 2007). Es können dabei prinzipiell zwei Ansätze unterschieden werden:

In einer ersten Variante werden einzelne Medientechniken als Dispositive konzipiert. Medienmacht gilt in dieser Variante als in die Technik eingeschrieben. In einer zweiten Variante wird nicht das Materiale des Dispositiv-Konzepts betont, sondern dessen Eigenschaft als Ermöglichungsstruktur von Diskursen. (Karis 2012: 54)

Mit der Adaption von Foucaults Dispositiv Begriff geht also nicht immer auch eine Übernahme von Foucaults (1977/1978) dezentralen, nicht-repressiven, sondern produktiv ermöglichenden Machtbegriff einher, obwohl beide kaum voneinander getrennt werden können.

Die Macht gibt es nicht […]: die Idee, das es an einem gegebenen Ort oder ausstrahlend von einem gegebenen Punkt irgendetwas geben könnte, das eine Macht ist, scheint mir auf einer trügerischen Analyse zu beruhen und ist jedenfalls außerstande, von einer beträchtlichen Anzahl von Phänomenen Rechenschaft zu geben. Bei der Macht handelt es sich in Wirklichkeit um Beziehungen, um ein mehr oder weniger organisiertes, mehr oder weniger pyramidalisiertes, mehr oder weniger koordiniertes Bündel von Beziehungen. (Foucault 1977/1978: 126)

Dispositive in Karis' (2012) zweiter Variante zu begreifen, macht die Einheit der Differenz von Medium/Medialität und Diskurs – oder wie oben benannt: von Nicht-Diskurs und Diskurs – deutlich, die in einem "wechselseitigen, unauflösbaren Verhältnis" (Parr/Thiele 2007: 105) "der Wechselwirkung und Interdependenz gedacht werden" muss (Karis 2012: 51). Die konstitutive Medialität der Diskurse und umgedreht die konstitutive Diskursivität der Medien trifft sich dabei auch mit den semiologischen Überlegungen Ludwig Jägers (z. B. 2002, 2004, 2008) zur Sprach- bzw. Zeichenmedialität. Die Eigenlogik dieses Zusammenhangs bringt dabei Karis (ibd.: 49) zufolge gerade die produktive Macht der Medien hervor, die "nicht nur die Möglichkeit verbindet, etwas Neues sagen zu können, sondern auch der Zwang, immer etwas Neues sagen zu müssen."

Spieß' (2012) Vorschlag zur Operationalisierung des Dispositiv-Begriffs im Rahmen des "Erweiterungspostulat[s] linguistischer Diskursanalyse" überzeugt indes nicht, da zwar einerseits mit dem Versprechen angehoben wird, "die Eigenlogik und die Strukturprinzipien der Medien im Kontext von Öffentlichkeit und öffentlicher Kommunikation sowie das Konstruktionspotenzial der Medien ernst" zu nehmen (ibd.: 79), diese mediale Eigenlogik dann aber in ihrer linguistischen Dispositiv-Konzeptualisierung äußerst marginalisiert wird (cf. ibd.: 92f.). Neben der typischen Einengung auf die Massenmedien als conditio sine qua non von Diskursivität erscheinen bei Spieß (cf. ibd.: 92–94) die Medialitätsspezifika (vor allem Öffentlichkeit und Massenmedialität) immer noch als dem Diskurs äußerliche Einflussgröße, als die "Arena", in der der Diskurs ausgefochten wird (Gerhards 2003: 300).

Auf diesen hauptsächlich durch entpragmatisierende Marginalisierung entstehenden blinden Fleck der Diskursanalyse zielen die Ausführungen Dreesens (2012: 132), der die diskurs- und aussagenkonstitutive "Funktion von Medialität und Materialität" zwar mit einem unklaren Medialitätsbegriff in den Blick nimmt, der die Dimensionen der "Materialität", der "gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Funktionen der Medialität" und der "Gebrauchsnormen" umfassen soll (ibd.: 125); aber mit den relativ unsystematisierten Bestimmungsgrößen Medienmaterial, Ort, Akteur und Zeit (cf. ibd.: 132) wesentliche Momente einer kommunikationsformengestützten Perspektive auf Diskurse trifft.


5 Kommunikationsformen/Kommunikationssituationen

Wie das vorangegangene Kapitel gezeigt bzw. immer wieder angedeutet hat, kann die diskursanalytische Auseinandersetzung mit der Medialität von Kommunikation im Allgemeinen und von Diskursen im Speziellen auf eine Mehr-Ebenen-Konzeptualisierung hinauslaufen, die Medien, Kommunikationsformen und Gattungen36 unterscheidet und davon ausgehend Diskurse (nicht nur textualistisch) in ihrem medial-materialen Bedingungsgefüge erhellen kann. Eine solche Konzeptualisierung bedeutet die spezifischen Situationen, in denen Diskurse medialisiert werden, als zentrale Bezugsgröße für Kommunikation zu begreifen. Mit der Kommunikationsformenkategorie können dabei gerade die medialen Praktiken rekonstruiert werden, die für die unterschiedlichen kommunikativen Handlungsmuster (Gattungen) die Möglichkeitsbedingung ihrer Realisierbarkeit bearbeiten.

Als Kategorie der frühen pragmatischen Textlinguistik (cf. Feilke 2000: 66) nimmt die Entwicklungsgeschichte37 der Kommunikationsformenkategorie ihren Anfang im "Rhedaer Textsorten-Colloquium" von 1972 (Gülich/Raible 1975a: 1; cf. Gülich/Raible 1972/1975). In der Diskussion um die Vorlagen von Sandig (1972/1975) und Brettschneider (1972/1975) wird von Eugenio Coseriu (1972/1975: 138) mit dem vagen Ad-hoc-Terminus "Sprecharten" ein kategorieller Ebenenunterschied gefasst, auf den sich Gülich/Raible (1975b: 145) beziehen, wenn sie "Textvorkommen, die intuitiv als Manifestationen bestimmter Textsorten angesehen werden, die aber nicht durch alle Gruppen, sondern nur durch eine Teilmenge der Gruppen textexterner Merkmale zu beschreiben sind" nicht als "Manifestation von Textsorten" auffassen wollen, sondern als "Kommunikationsarten". Die Intuition, von der sie sprechen, speist sich aus Ethnokategorien wie "'Brief' oder 'Telefongespräch'" (ibd.: 155) und nach Gülich/Raible (1975b: 154) sind diese bestimmt durch die Merkmalsgruppen (1) "Typ von Kommunikationsprozess" (alltäglich, öffentlich, rechtlich, wissenschaftlich, literarisch) (2) die raumzeitliche Konstellation der "Kommunikationssituation" (geteilte, teilweise geteilte, nicht geteilte Situation von S und H) und (3) die "Kommunikationsrichtung" (monologisch vs. dialogisch). In seiner Briefsortenuntersuchung nimmt Karl Ermert (1979: 51) ebenso einen "intuitiv und vortheoretisch angenommenen" "Teilbereich der Texte" in den Blick, den er in Anlehnung an aber auch in Abgrenzung zu Gülich/Raible (1975a) mit dem Terminus Kommunikationsform belegt, um das zu bezeichnen, was mit ›Brief‹ benannt wird bzw. als Sprachhandlungsbereich "brieflicher Kommunikation" gefasst werden kann (Ermert 1979: 42). Die Kommunikationsform Brief kommt somit nicht als Textvorkommen, sondern – in Ermerts (ibd.: 59) Worten – "als Medium sprachlich kommunikativen Handelns" in den Blick, die "durch Gegebenheiten der kommunikativen Situation gekennzeichnet und unterschieden" werden können. Werner Hollys (z. B. 1996, 2011b) weiterführende Überlegungen zur Kommunikationsformenkategorie basieren auf einer semiolinguistischen Perspektive38, einem weitgehend technischen Medienbegriff und bieten einen systematischen Zugriff auf Kommunikation(sgeschichte) hinsichtlich medialer und soziokultureller Einflussgrößen. Als Scharnier dieses integrativ holistischen Ansatzes fungiert die Kommunikationsformenkategorie, die die Zeichenressourcen, ihre medial-materiale Basis und Spezifik sowie die soziokulturellen Zwecke und Handlungsmuster des Kommunizierens in einer dispositiven Figur zusammenbringt, um sie in ihrem Zusammenhang zu thematisieren:

Der strukturelle Ort, wo beide elementaren Prägekräfte der Kommunikation, Medialität und Kulturalität, sich verbinden, sind die Kommunikationsformen. (Holly 2011b: 38)

Ohne Rekurs auf Foucault führt Holly (cf. 2000: 83) im Anschluss an die medienwissenschaftliche Diskussion (cf. z. B. Hickethier 1995, 2003; Leistert 2003) den Dispositiv-Begriff an – wenngleich die drei Begriffsbestimmungen Foucaults (heterogene Elemente, Beziehungsgeflecht, Zweckbindung) in gleichem Maße zutreffen – um das "Geflecht von Beziehungen" (Hickethier 1995: 63) oder in Hollys (2002: 2453) Worten: um den "Zusammenhang […] einer engen Verflechtung aller Aspekte" technischer, institutioneller und soziokultureller Natur zu verdeutlichen und das sich daraus ergebende "produktiv[e] Bedingungsgefüge" (Dreesen/Kumięga/Spieß 2012: 10) in seiner "eigenen Logik" (Holly 1996: 10) und auch seiner historischen Genese zu rekonstruieren. Die technische Medialität und die vortechnische Materialtät zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur in Kombination für Kommunikationshandlungen wirksam werden können oder eher: genutzt werden können. Die je spezifische und usualisierte Medienkombinatorik formt die "Merkmalsbündel" (ibd.) oder "virtuellen Konstellationen von einem bestimmten Zeichenspeicherungs- oder Übertragungspotenzial" (Holly 1997: 69), die mit dem Begriff der Kommunikationsformen gefasst werden. Dieses Potenzial muss auch als "Transkriptionspotenzial" im Sinne Jägers verstanden werden (Holly 2011a: 159), das einer Kommunikationsform je eingeschrieben ist und die damit unterschiedliche Möglichkeiten intra- und intermedialer Bezugnahmen ermöglicht. Der Möglichkeit solcher Bezugnahmen korrespondiert systematisch unter Umständen die Notwendigkeit, in jedem Falle aber die Kontrolle solcher Bezugnahmen. Holly (vgl. z. B. 2002: 2455) weist auf die sich aus den medialen Möglichkeiten ergebenden Zwänge der Kontrolle semiologischer Ressourcen vor allem im Zusammenhang der Fernsehaudiovisualität hin. Prinzipiell trifft dies aber natürlich auf jede Kommunikationsform zu. Wenngleich der Kontrollverlust nicht überall gleich prekär ist, so müssen dennoch die Kommunikationsformenparameter immer in eine kontrollierte und usuelle Ordnung zueinander gebracht werden, um damit eine der Voraussetzungen sozial akzeptablen Handelns zu erfüllen.

Kommunikationsformen sind – so wurde diese analytische Ebene von Gülich/Raible (1975a) und Ermert (1979) entdeckt – in "alltäglichen Sortierausdrücken" wie "Fernsehsendung, Hörbuch, Flugblatt, Diavortrag, Aufkleber, Ansichtskarte" auch ethnokategoriell abgebunden (Holly 2011a: 144), weswegen Kommunikationsformen m. E. vor allem als kommunikatives (Handlungs-)Wissen um medien- und medialitätsspezifische Konstellationen und ihre Nutzbarkeit rekonstruiert werden müssen. In diesem Sinne korrespondiert ein solches Kommunikationsformenwissen dem kommunikativen Musterwissen, wie es in Gattungen gesellschaftlich verfestigt ist, da Kommunikationsformen die Bedingungen der Möglichkeit ihrer je spezifischen Wahrnehmbarkeit quasi als Möglichkeitsraum bereitstellen. In aktuellen Arbeiten setzt Holly die Konzeptarbeit an den Kommunikationsformen dezidierter in eine kulturwissenschaftliche Perspektive. "Kommunikationsformen als medial bedingte kulturelle Praktiken" (Holly 2011b: 38) kommen so – wie dies schon bei Ermert angelegt war – noch stärker mit ihren "sozialen und kulturellen Implikationen" und Prägungen in den Blick (Holly 1996: 10, id. 2011b: 38). Damit wird das Theorem der "kompensatorischen Tendenz der Medienentwicklung" (id. 1996: 16) wieder verstärkt in den Fokus gerückt, um anhand von Vorteil-Nachteil-Kompensationen in der Entwicklung und Umgewichtung von Kommunikationsformen durch Medieninnovationen eine "Kommunikationsgeschichte" "mit ihren technischen und historisch-kulturellen Hintergründen" schreiben zu können (id. 2011a: 160). Zudem gerät die gesellschaftliche Geprägtheit oder spezifischer: die Handlungsqualität von Kommunikationsformen (s. u.) langsam in die konzeptionelle Aufmerksamkeit, wenn Holly (ibd.: 146ff.) im Rahmen der Auseinandersetzung mit textlinguistischen Situationsmodellen (cf. Heinemann 2000: 530–533) von der "kommunikativen Herstellung der Situation" spricht (Holly 2011a: 148) und damit Kommunikationsformen begreifbar macht als verfestigte Lösung zur Kommunikationssituationsherstellung. Dieser Gedanke spielt auch in den Überlegungen Domkes (2010a, 2010b) zur Orts-, Raum- und Zeitgebundenheit eine prominente Rolle, da sie gerade mit ihrem konversationsanalytischem Forschungshintergrund die "Rekonstruktion" des "Vollzug[s] der [kommunikativen] Handlungen" auch bei Kommunikationsformen herausstellt (Domke 2004: 259). Der "Vollzug der Kommunikationsform, der Produktion und Rezeption umfasst" (Domke 2010b: 91), kann dafür aber in seiner Handlungsqualität nicht weitestgehend von der Rezeptionsseite her analysiert werden, wie das in Domkes (2010a: 271) Kommunikationsformenparameter "Rezipientenprofil" deutlich wird. Kommunikationsformen konsequent als verfestigte Lösung zum Zwecke der Kommunikationssituationsherstellung zu begreifen, bedeutet vielmehr, sie in ihrer Handlungsqualität sowohl produzentenseitig als auch rezipientenseitig in den Blick zu nehmen. Im Rahmen der spatial turn-Debatte antwortet Domke aber differenziert auf ein analytisches Problem, das sich im Grunde schon seit dem Beginn der pragmatischen Textlinguistik stellt – so schon im Rhedaer Kolloquium – und die Frage beantworten will, wie das Verhältnis von Kommunikation und ihren Kontexten bzw. Situationen39 gedacht werden muss.

Wie das Vorgängige gezeigt hat, ist die Kommunikationsformenkategorie zunehmend in eine pragmatisch-kulturwissenschaftliche Perspektive gerückt worden. Dies verdeutlicht allein schon der terminologische Schritt von den "virtuell[en] Konstellationen" (Holly 1997: 69) zur Konzeptualisierung als "Formen kultureller (sprachlicher und kommunikativer) Praktiken" (Holly/Püschel 2007: 150). Beide in diesen Konzeptualisierungen angesprochene Aspekte, der mentale und der praxeologische, sind konzeptuell relevant und notwendig aufeinander zu beziehen. Diese Beziehung, die Kommunikationsformen als Wissen zur (medialen) Situationalisierung konzipieren muss, ist aber mit dem Praktiken-Konzept noch nicht hinreichend getroffen, so wie es Holly (2011a) und Domke (2010a) vertreten und das noch weitgehend einen statischen, konfigurativen Charakter40 hat: Auch wenn von der "kommunikativen Herstellung der Situation" (Holly 2011a: 148) oder vom "Vollzug der Kommunikationsform" gesprochen wird (Domke 2010b: 91), so ist doch nicht klar, wie sich semiologische/ kommunikative Handlungen von Kommunikationsformenhandlungen unterscheiden lassen und wie letztere produktions- und rezeptionsseitig genau zu konzeptualisieren sind.

Mit Rückgriff auf das funktionalpragmatische Konzept der Prozedur (cf. Ehlich 2007) habe ich an anderer Stelle eine handlungstheoretische Rekonzeptualisierung von Kommunikationsformen vorgeschlagen. Als sprachliche Prozeduren werden die kleinsten "Handlungseinheit[en] unterhalb der Stufe des Sprechakts, aus [denen] sich die Akte zusammensetzen" (ibd.: 1), begriffen. Sie sind allgemein auf den Zweck der mentalen Verarbeitung der Sprachmittel abgestellt und befriedigen damit quasi metakommunikativ die "Verständigungsbedürfnisse" (Ehlich 1999/2007: 444; cf. Hoffmann 2003: 21) beider systematischer Interaktanten S und H (cf. Rehbein 2001: 928). Jochen Rehbein (ibd.: 937) nennt sie "Scharniere, in denen sich die sprachlichen Funktionen, wie sie sich in den mentalen Prozessen hörerseitig niederschlagen, formal erfassen lassen". Sie können nach fünf unterschiedlichen Aufgaben-Feldern, die die zwei Bühlerschen (1934/1982: 79–82, 149–154) Felder (Zeigfeld und Symbolfeld) weiter differenzieren, unterteilt werden in:

Feld

Prozedur

Zweck

Lenkfeld

expeditive Prozeduren

nicht-propositionales Eingreifen in die Hörertätigkeit

Zeigfeld

deiktische Prozeduren

Orientierung im origo-abhängigen Verweisraum, Aufmerksamkeitsfokussierung

Symbolfeld

symbolische Prozeduren

Wissensaktualisierung

Operationsfeld

operative Prozeduren

Organisation und Strukturierung des (gemeinsamen) Wissens

Malfeld

expressive Prozeduren

Darstellung einer emotionalen Gestimmtheit

Tab. 1: Sprachliche Felder und Prozeduren und ihre wesentlichen Zwecke (cf. z. B. Ehlich 1986/1991: 138–140, 1999/2007: 443f.; Rehbein 2001: 937; Redder 2005: 44–47).

Mit einer holistischeren Perspektive auf Kommunikation differenziere ich mediale und adressierende Prozeduren, die die Her- bzw. Bereitstellung der Möglichkeitsbedingungen für semiologische Prozeduren bearbeiten (cf. Meiler 2013a: 60–67):

kommunikative Prozeduren

Zweck

semiologische Prozeduren

u. a. sprachliche, bildliche, gestische Zeichen mit ihrer je eigenen prozeduralen Spezifik

Kommunikation

situationale Prozeduren41

adressierende Prozeduren

Relation zw. S und H (Origo der Adressierung)

zeitbezogen

Temporalisierung

ortsbezogen

Lokalisierung

personenbezogen

Identifizierung

mediale Prozeduren

vortechnische Medialität betreffend/Somatik

linien-, flächen- & raumbezogen

Herstellung von Wahrnehmbarkeit

technische Medialität betreffend

Tab. 2: Differenzierung kommunikativer Prozeduren, ihrer Aufgabenfelder und wesentlichen Zwecke.

Die Analysen dreier Daten aus einer Studie zu Diskursen im öffentlichen Stadtraum sollen verdeutlichen, wie die Kommunikationsformenperspektive die klassische Diskursanalyse ergänzen und so die Situationen der Diskursemergenz erhellen kann. Das Konzept kann hier nur problembezogen expliziert werden und wird sich in Verbindung mit der Tab. 2 vor allem in der Analyse erhellen. Es ist aber wichtig herauszustellen, dass einerseits die Leistungen des je spezifischen Wahrnehmbarmachens (mediale Prozeduren) und andererseits die Relationierung des Wahrnehmbargemachten zwischen den systematischen Positionen des Sprechers/ Schreibers (S) und des Hörers/Lesers (H) entsprechend der jeweiligen medialen Spezifik (adressierende Prozeduren) damit beschreibbar gemacht werden und in ihrer Verwobenheit mit den semiologischen Prozeduren/Akten/Handlungen herausgearbeitet werden können. So ist eine Adresse/Adressierung hier im Besonderen davon abhängig, wie der umgebende Stadtraum (den ich Textur42 nenne) strukturiert ist und damit als Fortbewegungsraum nutzbar wird. Denn die Wahrnehmungsräume der Passanten oder Automobile können – zu weiten Teilen – nur diesen Strukturierungen folgen (cf. Goffman 1971/1974: Kap. 1–2). Ein Schild kann seine Kommunikationssituation in dieser Konstellation nur entfalten, wenn es eine Koordinierung von Fortbewegungsraum und Wahrnehmungsraum leistet und seinen Rezeptionsraum (cf. Domke 2010a) durch Platzierung entsprechend ausrichtet und entfaltet. Damit wird eine spezifische (Adressaten-)Adresse43 im öffentlichen Raum etabliert, mit der ein Kommunikat gleichzeitig nur für bestimmbar wenige medialisiert/wahrnehmbar gemacht werden kann. Kommunikation mit diesen Einschränkungen kann daher im Anschluss an Domke (cf. ibd.) als Meso-Kommunikation bezeichnet werden (als strukturelles Mittelfeld zwischen Massen- und Face-to-face-Kommunikation). Wer dabei auf welche Weise im öffentlichen Raum zu welchem Zweck materialiter verdauerte Kommunikationssituationen etablieren kann, ist vor allem produktionsseitig vielfältig mit institutionellen Aspekten verwoben.

Die Analyse muss aber selbstverständlich entsprechend der Bühlerschen (1934/1982: 23) "entschlossenen Situationstheorie der Sprache" am kommunikativen Ereignis selbst ihren Anfang nehmen, um dann den Blick nach und nach zu weiten, um seine Diskursivität zu entfalten. Dabei ist es hilfreich, sowohl epistemologisch wie textualistisch vorzugehen (s. o.). Bezogen auf Kommunikationsformen kann man hier Hollys (cf. 2011a: 157f.) Unterscheidung zwischen Textsortenfamilien und Textsortengruppen herangezogen werden: Erstere können begriffen werden als hinsichtlich ihrer primären Textfunktion verwandte Textsorten, die sich quer zum Kommunikationsformenbestand verteilen können. Zweitere gruppieren sich gerade über ihre Zugehörigkeit zu einer Kommunikationsform. Über diese Vergleichsoperationen – also über die Fragen einerseits, welche Gattungen (cf. Fußnote 36) in derselben Kommunikationsform noch vorkommen, welche kommunikativen Zwecke sie also in der Lage ist zu bearbeiten, und die Fragen andererseits, in welchen Kommunikationsformen dieselbe oder ähnliche Gattungen vorkommen, welche mediale Gebundenheit eine kommunikative Zweckbearbeitung also aufweist – über diese Fragen also kann man dann zunehmend den diskursiven Index einer Kommunikationsform herausarbeiten: Wer ist in einer Kommunikationsform wie an welcher Bearbeitung eines wie thematisch gebundenen Wissens beteiligt? Der diskursive Index ist dann selbstverständlich wesentlich mit der handlungspraktischen, dispositiven Vernetzung der einzelnen Kommunikationsformenparametern verbunden, die produktions- und rezeptionsseitig als Prozeduren44 zu rekonstruieren sind.45

Es ist charakteristisch für den Foucaultschen Diskurszusammenhang, die wichtige Machtfrage zu diskutieren und dabei nicht von einem hierarchischen und repressiven Machtbegriff auszugehen, sondern Macht entsprechend Foucault (cf. 1977/1978: 126) als produktive Beziehungs- und damit Bedingungsgefüge aufzufassen, die den dispositiven Ordnungen inhärent sind (cf. Dreesen/Kumięga/Spieß 2012: 10). Gleichwohl wird die Machtfrage nicht subjekt- bzw. akteursentbunden diskutiert, sondern z. B. mit Dell Hymes' Konzept der Voice zusammengebracht (cf. Warnke/Spitzmüller 2008: 34–36). Kommunikationsformenbezogen fällt der Blick auf Mediendispositive und disponierte und disponierende Effekte (cf. Link 2007: 220) ihrer situationalisierenden Prozeduren. Entsprechend der Mikro-Makro-Vermittlung erscheinen die Kommunizierenden (die Produzenten und Rezipienten) gleichsam als Disponierende, die die Kommunikationsformen soziokulturell in ihren Kommunikationspotenzialen prägen, und als Disponierte, die von den verselbstständigten, verfestigten Problemlösungen der je spezifisch qualifizierten Situationalisierung diverse Möglichkeiten der Kommunikation zur Verfügung haben, die freilich an weitere Bedingungen der Nutzung46 gebunden ist.

Hier spielt der Zusammenhang von Macht und Handlung, der mit Foucaults Praktikenbegriff ja kategorisch ausgeblendet bleibt (s. o.), eine entscheidende Rolle. Entgegen der Einschätzungen von z. B. Leist (1991) und Iorio (2008), die einen grundsätzlichen Widerspruch von Foucaults strukturellem Machtbegriff und einem Handlungsbegriff konstatieren (cf. Leist 1991: 175–179; Iorio 2008: 516), halte ich die Herstellung einer begrifflichen Komplementarität gerade nicht für unmöglich, sondern sogar für notwendig, um Foucaults Perspektive zu vervollständigen. Problematisch sind ihre Ansätze zu einer "handlungstheoretischen Analyse" von Macht (Iorio 2008: 517) in Bezug auf Foucaults Perspektive dahingehend, da sie von einem Handlungsbegriff ausgehen, der auf Absicht, Wille und Bewusstheit als zentrale handlungskonstitutive Merkmale abhebt. Holly/Kühn/ Püschel (cf. 1984: 285–288) haben gerade in Kritik dieser oft geführten Merkmale, aber ohne einen Machtaspekt explizit im Blick zu haben, einen Handlungsbegriff vorgeschlagen, der genauso Versehenshandlungen, Zwangshandlungen und auch Routinehandlungen umfasst und der die sieben Merkmale Sinnhaftigkeit, Gerichtetheit, Kontrollierbarkeit, Regelhaftigkeit, Verantwortbarkeit, Komplexität und Interpretationsabhängigkeit umfasst. Gerade dem Aspekt der prinzipiellen Kontrollierbarkeit von Handlungen und der damit einhergehenden und oben schon erwähnten Notwendigkeit zur Kontrolle ist ein Machtaspekt eingeschrieben, der auch für die Kommunikationsformenanalyse fruchtbar gemacht werden kann. Abgesehen von den Schwierigkeiten, die sich an seinen Handlungsbegriff anschließen, kann doch Iorios (2008: 519) Verständnis von Macht als "praktisch[es] Können" (im Sinne von Vermögen oder Fähigkeit), das sich durchaus aus dem Foucaultschen Bedingungsgefüge heraus erklären lässt, herangezogen werden, um dem Kontroll- bzw. prozeduralen Zwang hinsichtlich der Kommunikationsformen-/Situationalisierungshandlungen zu erhellen.47

Macht kann also nicht im Weberschen (1921/1984: 89) Sinne als "Chance" verstanden werden, einem Anderen "den eigenen Willen auch gegen Widerstreben" aufzuzwingen, sondern muss viel kleinteiliger rekonstruiert werden, als Vermögen oder Fähigkeit bzw. Befähigung zum praktischen Handeln (cf. Iorio 2008: 519f.). Im Lichte der Kommunikationsformenkategorie stellt sich dieses Vermögen als die Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit den Kommunikationsformenparametern dar bzw. mit den prozeduralen Zwängen und den Graden an Wahlmöglichkeiten oder allgemein den Freiheitsgraden, die diese sowohl produktiv wie rezeptiv bieten. So ergeben sich aus den medialen und institutionellen Prozeduren bspw. unterschiedliche Möglichkeiten der Produktion, Überarbeitung, und (Weiter-) Verarbeitung der semiologischen Ressourcen, die kommunikativ nutzbar gemacht werden. Briefe und E-Mails unterscheiden sich dahingehend immens (cf. Holly 2011b: 37–43): Die Digitalität der E-Mail ermöglicht dem Rezipienten den nahezu identischen Umgang mit den ihm übersandten Zeichen, wie ihn der Produzent hatte. Briefe hingegen, die, egal welchen Produktionszusammenhängen sie entspringen, immer in eine statische und visuell-haptisch zugängliche Papier-Materialität überführt werden müssen, können nur über andere Medientechniken, wie Fotokopierer, Scanner oder Abschreibevorgänge für weitere kommunikative Handlungen funktionalisiert werden – woraus sich nicht zuletzt auch ihr Dokumentenstatus ergibt. Einen anderen Aspekt der prozedural verfassten Macht, die Kommunikationsformen inhärent ist, liegt in der je unterschiedlich ausgeprägten Orts-, Raum- und Zeitgebundenheit (cf. Domke 2010a). Ob ein Kommunikat relativ einfach in eine Tasche passt (Zeitung, Buch) oder ortsfest am Eingang einer Institution angebracht ist (Schild) oder gar aufgrund der Digitalität einen immateriellen Anschein macht oder ganzer räumlicher Arrangements und fester (wiederkehrender) Zeitpunkte bedarf, um performiert zu werden (Theaterstück, Kinofilm), prägt ganz entscheidend die Möglichkeit, welchen Anteil das Kommunizierte an der Wissenskonstitution eines Diskurses haben kann. So können die hier nur angerissenen Möglichkeiten und Grenzen des handlungspraktischen Bedingungsgefüges einer Kommunikationsform als diskursiver Index angesehen werden, der einer Kommunikationsform – ähnlich Girnths (1996) und Glonings (2011) Perspektive – die Position zuweist, an der sie den geeigneten Möglichkeitsraum für entsprechende diskursive Evidenzverfahren (cf. Jäger 2006: 45f.) aufspannt. Für Diskurse unterschiedlichen Typs kann dann ein je spezifisches Kommunikationsformenprofil rekonstruiert werden, durch das hindurch gesellschaftliches Wissen je unterschiedlich konstituiert und sichtbar wird.


6 Exemplarische Analyse

Kommunikationsformen können im aufgespannten Horizont mit Jäger (2006: 43) als "Schauplätze der Evidenz" oder der unterschiedlichen "Typen von Evidenz" (ibd.: 45) oder zumindest als Möglichkeitsraum von "medialen Verfahren der Evidenzauszeichnung" (ibd.: 43) angesehen werden.48 Für diese Verfahren sind nicht nur die semiologischen Möglichkeitsbedingungen transkriptiver Bezugnahmen relevant, die Holly (2011a: 159) treffend als "Transkriptionspotenziale" von Kommunikationsformen bezeichnet hat und die die unterschiedlichen "semiologischen Ebenen" der Geltung "epistemischer Evidenz" (Jäger 2006: 45) betreffen. Für den Diskurszusammenhang sind ebenso und in besonderer Weise die "Verfahren der Evidenzgewinnung, die sich diskursiver, in der Regel in prozeduralen Grammatiken organisierter Mittel wie Beweis, Argumentation und Erklärung bedienen", von Interesse (ibd.). Als Produkt diskursiver Evidenzverfahren verdankt der so inszenierte Sinn die "Legitimität" seiner "Geltung" "in erster Linie der diskursiven Grammatik" und der "Sichtbarkeit im öffentlichen Raum" und nicht dem subjektiven, " mentalen Zustand unmittelbarer Gewissheit" (ibd.: 45f.). Denkt man diesen Gedanken in Bezug auf Kommunikationsformen mit Girnths (1992) Überlegungen die funktionale Kopplung von Textsorten im Diskursverlauf betreffend weiter, stellt sich die Frage, an welcher Position der diskursiven Evidenzverfahren eine Kommunikationsform als geeignete Plattform des Sichtbarmachens von Wissen erscheint (cf. Gloning 2011: 18–23) und welchen Grad der Evidenz das so kommunizierte Wissen in den vorgängigen (und nicht immer für alle sichtbaren) Diskursschritten erreicht hat. Diesbezüglich können hinsichtlich der Orts- und Zeitgebundenheit und des technischen Medienmaterials im öffentlichen Raum drei Evidenzgrade unterschieden werden 49:


Abb. 1: Typologie der ortsgebundenen Kommunikationsformenfamilie nach Prozedurensets und ihr Zusammenhang mit Diskurswissen unterschiedlicher Evidenzgrade.

Dabei ist das strittige Wissen das für die Diskursforschung gemeinhin interessierende Wissen, da darin gesellschaftliche Konstitutions- und mithin Konstruktions-, Argumentations- und Distributionsprozesse bezüglich eines (massen-)medial bearbeiteten Themas beobachtbar werden (cf. Warnke 2009: 121).

(1) gesichertes Wissen: Entsprechend der obigen, typologisierenden Figur erlangt das Wissen, das in den Diskursen des Postwesens, des öffentlichen Personennahverkehrs, des Straßenverkehrs im Allgemeinen, aber auch in den gebäude- und institutionenbetreffenden Diskursen gemeinschaftlich und teilweise auch gesamtgesellschaftlich erarbeitet wurde, öffentliche und d.h. hier regional-ortsgebunden-öffentliche Geltung in den zeitungebundenen Kommunikationsformen. Dieses Wissen kann als Ausfluss dieser Diskurse, als konsensuelles (End-)Produkt50 der entsprechenden diskursiven Evidenzverfahren angesehen werden. Es gilt als gesichert und wird in seiner Gültigkeit als relativ uneingeschränkt wahrgenommen und daher in Kommunikationsformen prozessiert und (damit quasi in dem dieses Wissen betreffenden Geltungsbereich) veröffentlicht, die dauerhafte Lesbarkeit gewährleisten. So zeigt Krampen (1995: 4–8) bspw. die vielen einzelnen, hochgradig international und institutionell vermittelten, historischen Diskursschritte auf – ohne freilich eine Diskursanalyse im engeren Sinne durchzuführen –, die zu den heute geltenden "amtlichen Verkehrszeichen" (ibd.: 3) geführt haben. Konferenzen, Protokolle, daraus hervorgehende Schriftstücke und die darin verabschiedeten Schilder, sowie Zeitungen und Zeitschriften sind wohl nur wenige der Kommunikationsformen, die an dieser Wissensgenerierung in mehreren Zyklen wesentlich beteiligt waren und auf die Krampen (cf. ibd.: 4–8) in seinen Erörterungen natürlich nur am Rande hinweist. Dabei sind die diskursiven Verfahren, die Schritte und die einzelnen daran gebundenen Kommunikationsformen, die heute zur Verkehrsplanung und damit zur Gestaltung des Schilderwaldes beitragen, noch gar nicht im Blick.


Abb. 2: Geltungsbereich des Schildes: "Feuerwehrzufahrt/Halteverbot nach StVO/[Wappen mit Schriftzug: "FEUERWEHR CHEMNITZ 574"]"( Chemnitz Dez. 2011), cf. Abb. A1 im Anhang

Wie in Abb. 2 und vor allem in A1 ersichtlich wird, ist die semiologische Gestalt, in der dieses gesicherte Wissen zum Ausdruck kommt, von komprimierter Natur. Drei Nominalphrasen, die im Wesentlichen aus Symbolfeldausdrücken bestehen, und eine relationierende Präposition bilden den Kern der verbalisierten Wissenselemente. In der intermedialen Transkription mit der sichtbaren Texturkonfiguration des öffentlichen Raums, die einen befahrbaren Weg erkennbar macht, ergibt sich selbst aus dieser knappen Kommunikatsstruktur ein komplexer zu verstehender Sachverhalt. Feuerwehrzufahrt transkribiert den sichtbaren Texturbereich deklarativ und weist ihm so eine Spezialfunktion zu. Diese Illokution kann dabei keineswegs nur als sprachliche Handlung, ja hier nicht mal nur als semiologische Handlungen rekonstruiert werden. Sie ist in eminenter Weise abhängig vom sich wechselseitig koordinierenden Zusammenwirken einmal des Symbolfeldausdrucks Feuerwehrzufahrt, dann von den semiologischen Prozeduren51 der architektonischen Zeichen (cf. Meiler 2012: 14–24), die die Ausrichtung des Weges und seine Qualität, befahrbar zu sein, erkennbar werden lassen und von den medialen und mithin raumbezogenen adressierenden Prozeduren der Kommunikationsform Schild, die eine Adresse in der Textur konstituieren, die die deklarative Transkription erst auf dem richtigen Texturausschnitt operieren lässt und sie nicht die Querstraße anders lesbar macht, von der aus fotografiert wurde. Dieser komplexe Zusammenhang kann mit Domke (cf. 2010a: 278) als inhaltliche Ortsgebundenheit bezeichnet werden und verdeutlicht den empraktischen Kommunikationszusammenhang (cf. Bühler 1934/1982: 155f.), in den die Kommunikationsform eingebunden ist (cf. Domke 2010a: 264). Mithin kann geschlussfolgert werden, dass gesichertes Wissen dieser Art keiner fokussierten Aufmerksamkeit bedarf (cf. ibd.), sondern "lediglich" in andere Handlungen, die des Fahrens und Parkens bzw. ParkplatzSuchens, involviert ist.

Es ist nun nicht unüblich, sowohl ausführlichere als auch knappere Kommunikate dieses Typs zu verwenden. Es scheint also nicht ganz sicher zu sein, wie viel Wissen bei Autofahren Feuerwehrzufahrten betreffend vorausgesetzt werden kann. In diesem speziellen Fall wird daher mit der zweiten Nominalphrase Halteverbot die relevante Folge dieser deklarativen Funktionstranskription für den entsprechenden Raum benannt und die Transkription gleichzeitig illokutiv transformiert. Das Verbot wird daraufhin mit der relationierenden Präposition nach (in abgeleiteter Bedeutung) als Element des Regelwerks der StVO qualifiziert (cf. Grießhaber 2007: 629f.) und damit der Geltungsbereich der Illokution im sichtbaren Kontext der Kommunikationssituation Schild, nämlich dem Straßenverkehr unterstrichen. Der nachträglich angebrachte Aufkleber, der in A1 etwas besser sichtbar wird, transkribiert (auch zusammen mit der roten Rahmung) vor allem das Schild aber auch die damit in Gang gesetzte komplexe Semiose als eine Art autorisierendes Signum und konstruiert damit einen Adressanten, der an den diskursiven Produktionsprozessen, die zu diesem Schild führten, faktisch freilich relativ wenig beteiligt war.


Abb. 3: Werbeplakat und Aushang des Abfahrts- und Netzplanes an einer Bushaltestelle (Chemnitz, Dez. 2011).

(2) aktuelles Wissen: Strukturell anders werden, wie Abb. 3 in zweifacher Weise zeigt, die Kommunikationssituationen hergestellt, wenn aktuelles Wissen im Diskursverlauf sichtbar gemacht werden soll. Dieses Wissen ist ebenso als Produkt diskursiver Konstitutionsprozesse gekennzeichnet und steht damit in gewisser Weise sowohl an einem End- wie einem Anfangspunkt.52 Als Scharnier zwischen internen institutionellen Prozessen der Wissensgenerierung und dem diesbezüglichen Wissensaufbau in der extrainstitutionellen, ortsgebundenen Öffentlichkeit wird dieses Wissen aufgrund aktueller Relevanz für die extrainstitutionellen Zusammenhänge von den betroffenen Institutionen sichtbar gemacht. Dafür erweisen sich im öffentlichen Raum die Kommunikationsformen als adäquat, die den wechselnden Relevanzen adressierend und medientechnisch Rechnung tragen können. Wie Abb. 3 zeigt sind das fortwährend aktualisierbare Kommunikationsformen wie Plakate mit ihren Plakataufhängungen oder Schaukästen und ihre Aushänge. Sie bieten mit ihren variablen zeitbezogenen Prozeduren (cf. Thaler 2007) die Möglichkeit, gattungsspezifisch gültige zeitgebundene Adressen zu konstituieren, die – je nach Art der aktuellen und d.h. auch empraktischen Relevanz für die extrainstitutionellen Rezipienten –inhaltlich an den Ort ihrer Adressaten-Adressenkonstitution anschließen können (z. B. die Aushänge des ÖPNV) oder auch nicht (z. B. diverse Werbeplakate53). Zu bemerken ist, dass bei den nicht inhaltlich an einen Ort gebundenen, werbenden Gattungen immer zumindest eine strategische Ortsgebundenheit zu rekonstruieren ist, die im koordinativen Wechselspiel zwischen dem Fortbewegungsraum, den die Textur bereitstellt, den Wahrnehmungsräumen der sich fortbewegenden Akteure und den Rezeptionsräumen, die situational von den jeweiligen Kommunikationsformen entfaltet werden, Aufmerksamkeit von den Akteuren zu binden versuchen. Die Litfaßsäule stellt bspw. eine Kommunikationsform dar, die diese Strategie mit raumbezogenen Prozeduren verfolgt, die eine größtmögliche Wahrnehmbarkeit im Raum versprechen und die, wenn sie z.B. an Kreuzungen platziert wird, in Wechselwirkung mit der Ampelschaltung von allen Verkehrsteilnehmern Aufmerksamkeit zu binden in der Lage ist.

(3) strittiges Wissen: An einem anderen Ort des diskursiven Gefüges platzieren sich Gattungen, die ideologische und politische Statements mithilfe von Kommunikationsformen im öffentlichen Raum kommunizieren, um somit an der argumentativen Durchsetzung von thematisch gebundenem Wissen streitend teilzuhaben. Diese Kommunikationsformen teilen die Zeitgebundenheit mit der Familie (2) und bieten damit die Möglichkeit, an aktuelle Diskurse anzuschließen. Sie unterscheiden sich aber von dieser Familie, wie die obige Figur zeigt, in den produktiven medialen Prozeduren und damit wesentlich in den raumbezogenen adressierenden Prozeduren. Die transgressive Platzierung ermöglicht die Etablierung einer Diskursnische, die im öffentlichen Raum eine Möglichkeit aufspannt, Gegendiskurse losgelöst von den führenden Diskursakteuren sowohl in den massenmedialen Kommunikationsformen aber auch losgelöst von den autorisierten Akteuren in den Meso-Kommunikationsformen des öffentlichen Raumes anzustoßen bzw. an den darin geführten Diskursen, die "Regeln [der] diskursiven »Polizei«" umgehend (Foucault 1970/1977: 25), teilzunehmen.


Abb. 4: illegales Kleinplakat mit politischem Statement (gelber Grund) "REICHTUM BESTEUERN, BILDUNG FINANZIEREN./[BILD]/WWW.LINKE-SDS.ORG/BITTE NICHT WILD PLAKATIEREN. VISDP: DIE LINKE.SDS/die linke.SDS" an der Rückseite eines Schildes ein Fakultätsgebäude betreffend (Chemnitz, Dez. 2011), cf. Abb. A2.54

Abb. 4 zeigt eine Kommunikationsform, die in extensiver Weise diese Diskursnische nutzt und wohl erst in ihrer Prägnanz und Eigengesetzlichkeit etabliert hat: ein illegales Kleinplakat (cf. Meiler 2012). Diese Kommunikationsform kann und soll hier nicht in ihrer Spezifik erschöpfend dargestellt werden. Dies würde Ausführungen zu Graffiti, zur Street Art und zu konventionellen Plakaten notwendig machen, die ihr entwicklungsgeschichtlich voraus gehen und die im Übrigen Wissen desselben Evidenzgrades aber mit unterschiedlichen gesellschaftlichen, d. h. hier subkulturellen Reichweiten prototypisch kommunizieren. Vielmehr soll exemplarisch die Spezifik der typologischen Familie (3) im Hinblick auf Diskurswissen beleuchtet werden.

Die "Schlagzeile" (cf. Janich 2005: 45) verbalisiert mit zwei asyndetisch koordinierten Infinitivphrasen eine Forderung, ein bildungspolitisches Versprechen bzw. eine Sichtweise55 des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbandes (SDS) auf den bundesweiten Bildungsstreik von 2009 im Rahmen des politischen Programmes der Linken. Als Verbform in ihrer kategorialen Neutralisationsform (cf. Redder 1992: 142) sind Infinitive unspezifiziert hinsichtlich der – in traditioneller Terminologie – Kategorien Person, Numerus, Tempus und Modus (cf. Eisenberg 2006: 184). Handlungstheoretisch gefasst, ist das n-Morphem des Infinitivs sowohl sprecher-/hörerdeiktisch (1. und 2. Person) als auch temporaldeiktisch neutral (cf. Bredel/Töpler 2007: 854). Das Schwa ist entsprechend Eisenbergs (2006: 98f.) Darstellung lediglich phonologisch zu begründen. Auch hinsichtlich der operativ-phorischen "Bearbeitung propositionaler Teile" (3. Person) (Redder 1992: 129) sind Infinitive nicht markiert. Die prozedural-symbolische Bedeutung des Verbs wird mit dem Infinitiv "rein, ohne grammatische Spezifikationen" benennbar (Graefen/Liedke 2008: 134). Losgelöst von "Subjekt-Bezügen" (ibd.: 134) müssen handlungstragende Instanzen der mit der vom Infinitiv benannten Handlung kontextuell erschlossen werden (cf. ibd.: 107). Grammatische Objekte kann der Infinitiv aber genauso wie finite Formen regieren (cf. Thielmann 2007: 30) und so Infinitivphrasen wie in Abb. 4 konstituieren (cf. Graefen/Liedke 2008: 107). Die beiden direkten Objekte Reichtum und Bildung sind mit dem Akkusativ als "Bezugsobjekte" von "dynamischen Relation[en]" markiert, die durch die symbolischen Prozeduren der Infinitive besteuern und finanzieren gestiftet werden (Thielmann 2007: 30). Indem dabei die Subjektpositionen ausgespart bleiben, werden in der asyndetischen Koordination die beiden dynamischen Relationen verzahnt und so der komplexitätsreduzierte Eindruck ermöglicht, als könnte in einem solidarischen Akt eine direkte, zweckgebundene Umverteilung finanzieller Mittel mithilfe einer Reichensteuer bewerkstelligt werden. Diese argumentative Positionierung im Diskurs basiert (u. a. im Zusammenhang mit Studiengebühren) auf einem Ungleichheitstopos, der – durchaus auf begründeter Basis – das finanzielle Vermögen mit den Bildungschancen verzahnt und dafür plädiert, für mehr Solidarität und Chancengleichheit diese Relation aufzubrechen.

Das schwarz-weiße Bild zeigt fünf pyramidal gruppierte Menschen in der Art, dass sie nur schemenhaft und entindividualisiert sichtbar werden. Ihre Blicke sind nach links und rechts und dem Betrachter entgegen gewendet, zudem leicht nach oben gerichtet und bringen so Stolz, Zuversicht und Entschlossenheit zum Ausdruck. Die Person an der Spitze hat die rechte Faust protestierend erhoben und den Mund weit geöffnet und wird so als die Person lesbar gemacht, die die Schlagzeile des Kleinplakats skandiert. Auch hier ist die Illokution der Forderung nicht rein sprachlich konstituiert, sondern ergibt sich aus dem Wechselspiel zwischen einerseits den koordinierten Infinitivphrasen, die durch die subjektlose "Neutralisationsform" (Redder 1992: 142; Herv. getilgt) eine zeitlose und objektivierte Gültigkeit einer immer vernünftigen, da Gleichberechtigung ermöglichenden Handlungsweise implizieren,56 und andererseits des wahrnehmungsnah veranschaulichten Ausschnittes (cf. Sachs-Hombach 2003: 184) der protestierenden Menge. Diese wird wiederum sprachlich durch die URL, auf der sie platziert wurde, als SDS-Mitglieder oder zumindest SDS-Nahestehende transkribiert. Der Verweis auf eine Website ist typisch für derartige Gattungen, die wesentlich von auf die Rezeption folgenden Zweckbearbeitungen/­Anschlusskommunikationen in anderen Kommunikationsformen angewiesen sind. Die Komplexität des diskursiv und das heißt in aller Regel argumentativ zu verhandelnden Wissens und der sich daran anschließenden Handlungen ist oft zu groß, um eine zweckadäquate Gattung ausschließlich im Rahmen dieser situationalen Prozeduren zu prozessieren.

Dass diese Situationsentfaltung von DIE LINKE.SDS als VISDP (verantwortlich im Sinne des Presserechts) zumindest dem Kommunikatsinhalt nach nicht vorgesehen war (BITTE NICHT WILD PLAKATIEREN), steht der Typik der medialen Prozeduren, die der Aufkleber-Materialität aber ebenso auch dem Format und seiner geprägten Usualität eingeschrieben ist (cf. Meiler 2012), widersprüchlich entgegen und muss vielleicht als ein Schachzug rekonstruiert werden, der dem Dachverband und damit dem produzierenden und distribuierenden Diskurs-Akteur Rechtssicherheit gewährleisten soll. Dabei ist die wilde Plakatierung die Bedingung der Etablierung der Diskursnische, die ein nach aktueller Relevanz zeitgebundenes, gegendiskursives Plakatieren ermöglicht, aber ebenso ist sie auch der Grund der unbestimmten Dauerhaftigkeit bzw. Wahrnehmbarkeit dieser Kommunikationsformen im öffentlichen Raum, die nicht in institutionelle Aktualisierungs- und damit Austauschprozesse wie bei den Kommunikationsformen der Familie (2) eingebunden sind. Wahlplakate an Laternenmasten stellen bezüglich dieser Prozesse eine Ausnahme dar und Graffiti, die ebenso in diese Kommunikationsformenfamilie transgressiver Aufbringung fallen, sind auf diese Dauerhaftigkeit hin sogar angelegt, was sie aber nicht von der Zeitgebundenheit ihres Wissens löst, das in diesem Fall hochgradig von spezifisch subkulturellen Praktiken durchzogen ist (cf. Reinecke 2007: Kap. 3).

Die vorgängigen Analysen zu den drei typologischen Kommunikationsformenfamilien, die sich auf der Basis materialer Ortsgebundenheit ausdifferenzieren und sich drei Wissenstypen zuordnen lassen, für die diese Kommunikationsformen der Schauplatz einer graduell je anderen Evidenz werden, machten – das ist verschiedentlich schon angeklungen – drei unterschiedliche diskursive Indizes sichtbar. Dieser Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Situationalisierungen und dem darin kommunizierbaren Wissen ist untrennbar mit dem Machtkonzept verknüpft, das oben kommunikationsformenbezogen handlungstheoretisch rekonzeptualisiert wurde. Als erstes ist dabei zu bemerken, dass die kommunikative Weiterverarbeitung der Semiosen material ortsgebundener Kommunikation auf der Rezipientenseite strukturell nicht vorgesehen ist. Dafür haben sich keine verfestigten Wege wie z. B. Anwendungssoftware, Festplatten, Video- und Tonaufzeichnung, Protokollpraktiken, Videorecorder, Kassettenrekorder, Diktiergeräte, Anrufbeantworter, Sammlungen57 etc. herausgebildet, die solche Zwecke bearbeiten.58 Es ist auch gerade deswegen davon auszugehen, dass es dafür weitestgehend keinen gesellschaftlichen Bedarf gibt. Vielmehr ist die Rezipientenseite davon geprägt, dass sie im öffentlichen Raum mit einer Reihe von adressierenden Prozeduren konfrontiert ist, die an die Aufmerksamkeit des Adressaten appellieren bzw. sie zu binden versuchen, und es obliegt seiner Verantwortung, welchen Kommunikaten er im Handlungsprozess, in dem er sich gerade befindet, welche empraktische Aufmerksamkeit beimisst (cf. aus Sicht der Plakatforschung z. B. Kamps 1999: 3f.; Demarmels 2009: 76f.) und damit auch, an welchen Diskursen er Anteil nimmt.

Auf der Produzentenseite ergibt sich für die Kommunikationsformen im öffentlichen Raum ein Gradient von Einschränkungen bzw. in die andere Richtung ein Gradient von Freiheiten, der dem Kommunizieren mit einer Kommunikationsform inhärent ist. Der Einschränkungs- bzw. Freiheitsgrad liegt dabei parallel zu den Graden der Evidenz des diskursiven Wissens, die in den Kommunikationsformen des öffentlichen Raumes beobachtbar sind. Das Kommunizieren von gesichertem Wissen, das auch als solches rezipiert werden soll, obliegt dabei den größten Einschränkungen: Das markanteste Kennzeichen dieser Einschränkungen sind die unzähligen DIN-Normen, die den entsprechenden Kommunikationsformen z. B. hinsichtlich der Schriftart und -größe, der Kommunikatsstrukturierung, der Anbringungshöhe, Verortung im Raum, dem verwendeten Material und dergleichen mehr auferlegt sind (cf. als krasses Beispiel die DIN 4065 für Straßeneinbauten). Ebenso ist die nicht immer von DIN-Normen betroffene, starke Konventionalisierung der Kommunikate der direkte Ausdruck prozeduraler Zwänge, die die Transkriptionspotenziale der jeweiligen Kommunikationsform immens einschränken und gleichsam die Möglichkeit begrenzen, Plattform für Diskurse im Allgemeinen oder spezifischen Diskurswissens im Besonderen zu sein.

Je mehr Freiheiten eine Kommunikationsform vor allem den semiologischen Prozeduren einräumt oder anders gesagt, je weniger die Gattungen, die darin kommunizierbar sind, standardisiert sind und zudem je weniger die adressierenden und davon untrennbar die raum- und ortsbezogenen Prozeduren der Situationsentfaltung von institutionellen Zwecken eingeschränkt bzw. bestimmt sind, desto mehr Potential scheint den Kommunikationsformen auch gegeben zu sein, strittiges Wissen in Diskursen sichtbar werden zu lassen. Die Kommunikationsformen, die für das Kommunizieren aktuellen Wissens prädestiniert sind (s. o.), bilden dabei gewissermaßen den Übergangsbereich sowohl im Hinblick auf die prozeduralen Freiheitsgrade der Kommunikationsform, als auch im Hinblick auf die diskursive Wissenskonstitution.

Es ist dies zu rekonstruieren, das hinsichtlich der Kommunikationsformen von Relevanz ist und das Foucault (1970/1977: 25) meint, wenn er im Horizont der Begriffe Ritual, Diskursgesellschaften und Doktrin sagt:

Niemand kann in die Ordnung des Diskurses eintreten, wenn er nicht gewissen Erfordernissen genügt, wenn er nicht von vornherein dazu qualifiziert ist. Genauer gesagt: nicht alle Regionen des Diskurses sind in gleicher Weise offen und zugänglich; einige sind stark abgeschirmt (und abschirmend), während andere fast allen Winden offenstehen und ohne Einschränkung jedem sprechenden Subjekt verfügbar erscheinen.

Diese Abschirmung ist auch wesentlich mit den gattungsbezogenen Zwecken verknüpft, die an der jeweiligen Position eines Diskurses – mit Girnths (1996: 71) Terminologie – in den "diskursfähigen Textsorten" und ihrem "funktional[en] Zusammenwirken" bearbeitet werden. Auf der Ebene von Searles (cf. 1976: 10–16) Illokutionsklassifikation kann dabei – wie in den obigen drei Beispielen ausschnitthaft sichtbar wurde – festgehalten werden, dass die Gattungen der Kommunikationsformen im öffentlichen Raum, die gesichertes Wissen kommunizieren, hauptsächlich deklarative und direktive Zwecke verfolgen, während die Kommunikationsformen aktuellen Wissens Gattungen ermöglichen, deren "kommunikativ[e] Grundfunktion" (Brinker 1985/2010: 126) wesentlich als informativ/assertiv und mithin oft als persuasiv59 zu kennzeichnen ist. Die Gattungen, die strittiges Wissen kommunizieren und damit an der gesellschaftlichen Wissenskonstitution – sofern sie öffentlich sind – beobachtbar teilhaben, fallen in ihrer Spezifik aus Searles (1976) Klassifikation und auch aus den im Anschluss an ihn vorgenommenen Gattungsklassifikationen (cf. z. B. Brinker 1985/2010: 94, 126) heraus, da sie als direktiv oder persuasiv nicht präzise gefasst wären und vielleicht am ehesten im Hinblick ihres Anteils an den "semantischen Kämpfen" einer Gesellschaft (Felder 2006: 16) als den Zwecken verwandt rekonstruiert werden müssen, die den eristischen Handlungen der Wissenschaften zugrunde liegen (cf. Ehlich 1993: 29), da sie nicht allein assertiv ein Wissen vorbringen oder direktiv zu Handlungen oder Einstellungen bewegen wollen, sondern mithilfe dieser Illokutionsklassen und quasi auf ihnen operierend ein Wissen bzw. eine Deutung argumentativ gegen andere Deutungen in der Diskursgemeinschaft durchsetzen und z. B. politisch und/oder institutionell handlungsrelevant machen wollen.

Die Möglichkeit, diese gattungsbezogenen Zwecke erfolgreich bearbeiten zu können und d. h. auch diskursive Relevanz zu erlangen, ist also in elementarer Weise mit dem Zugang der Akteure zu den Kommunikationsformen, also mit dem handlungspraktischen Beherrschen (cf. Iorio 2008) der jeweiligen prozeduralen Zwänge in ihrem spezifischen, soziokulturell geprägten Bedingungsgefüge verwoben. Dieser Konnex eröffnet im öffentlichen Raum nahezu allen Akteuren die Diskursnische, die die transgressiven Kommunikationsformen hervorbringen, und verschließt – dem Machtgradienten folgend – den meisten Akteuren die produktive Teilhabe an den mesokommunikativen Diskursen im öffentlichen Raum im Hinblick auf die Kommunikationsformen des aktuellen Wissens teilweise und im Hinblick auf die des gesicherten Wissens am stärksten. Dieser Befund steht der Sachlage bei den massenmedialen Diskursen entgegen, bei denen der Zugang zur streitenden Wissenskonstitution durch nicht unwesentliche Hürden beschränkt ist. Allerdings müsste eine Differenzierung des Wissens nach Evidenzgraden und ihr Zusammenhang mit den entsprechenden Kommunikationsformen für diese Diskurssphäre erst noch herausgearbeitet und zudem die Frage der relevanten Einflussnahme der unterschiedlichen Schauplätze streitender Wissenskonstitution auf die jeweiligen, thematisch gebundenen Diskurse rekonstruiert werden. u. a. diese Fragen eröffnen der Kommunikationsformenforschung im Hinblick auf Diskurse noch ein weites Feld gesellschaftlich relevanter Forschungsvorhaben.

Beispielhaft kann hier erwähnt werden, wie sich bezüglich des ersten Weltkriegs "mit verblüffender Zähigkeit über 80 Jahre hinweg" das Klischee "einer wahren Kriegseuphorie" gehalten hat, wie Hans-Ulrich Wehler (2003: 16) in einer überblickenden Zusammenschau darstellt. Dabei muss diese Wissensformation als Kommunikationsformeneffekt aufgefasst werden:

Offensichtlich ist die große Mehrheit der städtischen und ländlichen Bevölkerung im Sommer 1914 von Angst, Ernst und Fatalismus erfaßt worden. Insofern reagierte sie auf die Schreckensnachrichten eher rational als mit emotionaler Kriegslust. Durch die materielle Notlage wurde überdies ihre skeptische Zurückhaltung bestätigt und vertieft. Denn plötzlich grassierte vielerorts die Arbeitslosigkeit, und den Familien der eingezogenen Soldaten fehlte es an einer auch nur von ferne hinreichenden finanziellen Unterstützung. Die «Auguststimmung» von 1914 – sie war alles andere als ein jedermann erfassender irrationaler Freudentaumel. Klassenspezifisch denkbar unterschiedlich ausgeprägt, reichte die Skala der Stimmungslagen vom blindwütigen Jubel der bildungsbürgerlichen Funktionseliten über das eigentliche Massenphänomen der furchterfüllten Beklommenheit, welche die Majorität erfüllte, bis hin zu jener Peripherie, wo eine winzige Mehrheit von Pazifisten und Radikalsozialisten die Grundsatzopposition gegen den Krieg wagte. (ibd.: 17)

Für eine historische Diskursanalyse des hier umrissenen Ansatzes wäre es interessant, einerseits herauszuarbeiten, welche Kommunikationsformenverbünde es bedingten, dass die Euphorie einer bildungsbürgerlichen Minderheit – Wehler (ibd.: 16) spricht von 0,8% – zu einem derart hartnäckigen Deutungsmuster der Zeit werden konnte. Andererseits wäre herauszuarbeiten, in welchen Kommunikationsformen sich die unterdrückten Deutungsmuster der Bevölkerungsmehrheit artikulierten. Die diskursiven Indices der jeweiligen Kommunikationsformengruppen und ihrer Übergangsbereiche herauszuarbeiten, könnte einen Einblick gewähren in die Mechanismen der Bildung und vor allem Geltung soziokultureller Deutungsmuster.


7 Fazit und Ausblick

Wie gezeigt werden konnte, tastet sich die Diskursanalyse in jüngster Zeit zunehmend an die Ebene der diskursprägenden Medialität heran, die adäquat mit dem textlinguistischen Begriff der Kommunikationsform gefasst werden kann, der aber von der Mehrheit der diskursanalytischen Ansätzen entweder verkannt oder nicht rezipiert wird. Je nach Perspektive kann Kommunikationsformen damit natürlich ein je unterschiedlicher Status im Untersuchungsdesign zukommen. Hier sollte versucht werden, die Diskursanalyse mit der Kommunikationsformenkategorie gewissermaßen auf den Kopf zu stellen, um Diskurse nicht in ihrem thematischen Geworden-Sein, sondern in ihrem medialen Werden in den Blick zunehmen. Dafür die Möglichkeitsbedingungen für Kommunikation zu fokussieren und ihre Tragweite für diskursbildende Handlungen zu rekonstruieren, erwies sich anhand von drei Kommunikaten aus dem öffentlichen Raum als fruchtbar und leicht herausarbeitbar. Diese Perspektive an der Produktion, Distribution und Rezeption von z. B. massenmedialen Diskursen zu erproben, wird sich als schwierigeres Unterfangen herausstellen.

Nichtsdestotrotz sind die situierten Praktiken der Diskurskonstitution und die Situationen der kommunikativen Praktiken, die Diskurse bottom-up konstituieren, als einer der zentralen Untersuchungsgegenstände auch der klassischen Diskursanalyse zu berücksichtigen – gerade um einerseits Anschluss an die aktuelle medien- und kulturwissenschaftliche Forschung zu finden und andererseits die Vermittlung zwischen Mikro- und Makroebene besser verstehen zu können. Dabei können die medienwissenschaftlich gewendete Akteur-Netzwerk-Theorie bzw. Science and Technology Studies (cf. Schüttpelz 2013; Schabacher 2013) eine Perspektive der analytischen Erschließung eröffnen, die auch und weiterhin für die Kommunikationsformenforschung eine fruchtbare Herausforderung darstellen wird (cf. für erste Überlegungen Meiler 2013b).

Im entworfenen integrativ-holistischen Ansatz erweisen sich – in der resümierenden Draufsicht – Kommunikationsformen als die zu einem Zeitpunkt "aktuellen Möglichkeiten zur Kommunikation" (Domke 2010a: 266), die im kommunikativen "Haushalt" (Luckmann 1988)60 "einer Gesellschaft" vorgehalten werden (Domke 2010a: 266). Im Horizont der Diskursanalyse kann dann mit Wichter (1999: 279) auch treffend davon gesprochen werden, dass Kommunikationsformen "Wege und Umwege" darstellen, "auf denen eine Gesellschaft sich mit sich selbst und anderen Gesellschaften verständigt" bzw. potenziell verständigen kann (ibd.: 279). In Anlehnung an Foucault (cf. 1969/1973: 184) kann dann der je verfügbare bzw. vorherrschende Kommunikationsformenhaushalt auch als mediales Apriori verstanden werden.


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Anhang


Abb. A1: Großaufnahme von Abb. 2 (Chemnitz, Dez. 2011).


Abb. A2: Kontext des Kleinplakats von Abb. 4, das sich auf der Rückseite des sichtbaren Schildes befindet (Chemnitz, Dez. 2011).


Anmerkungen

1 Mein Dank gilt der anregenden Zusammenarbeit mit Christine Domke, die den Gedanken zu einer solchen Arbeit nicht unwesentlich befeuert hat, wie ebenso den Gutachtern der Linguistik online. zurück

2 Notwendigerweise im doppelten Sinne der Präposition – wenngleich die zweite Lesart, also nicht nur die des temporalen Nacheinanders, sondern die Lesart, die die Rekonzeptualisierung der "Foucault'sch[en] Theoreme" ins Zentrum rückt, die entscheidende(re) Lesart ist (cf. Warnke 2007: 10). zurück

3 Diese Einschätzung ist vor allem für die deutschsprachige Forschung, auf die sich hier begrenzt werden muss, zutreffend (cf. Kumięga 2012: 25). zurück

4 Wie gegen jede Einordnung – "Man frage mich nicht, wer ich bin, und man sage mir nicht, ich solle der gleiche bleiben […]." (Foucault 1969/1973: 30) – wehrte Foucault (1970/1977: 48) sich u. a. vehement gegen die Einordnung in den Strukturalismus, wie z. B. die abschließende Bemerkung aus dem Vorwort zur deutschen Ausgabe der Ordnung der Dinge deutlich macht: "Und nun mögen jene, deren Sprache arm ist und die sich an den Klang von Wörtern berauschen, sagen, daß das Strukturalismus ist" (cf. auch Foucault 1966/1978: 15). Andernorts wiederum bekennt er sich freimütig zum Strukturalismus (cf. id. 1969/2001; s. u.). Wie aber Waldenfels (2003: 4) bemerkt, halten solche Fragen "oft von der Erörterung der Sache" als solcher ab. zurück

5 In Anlehnung an Kants (1784) Frage "Was ist Aufklärung?", die er deutet als "Was geht jetzt eben vor sich?", positioniert Foucault (1982/1994: 250) seinen philosophischen Ansatz wie folgt dezidiert historisch: "Kant hingegen fragt anders: Wer sind wir in diesem präzisen Moment der Geschichte? Kants Frage zielt analytisch zugleich auf uns und unsere Gegenwart. Dieser Blickwinkel der Philosophie ist, so denke ich, zunehmend wichtiger geworden, man denke an Hegel und Nietzsche. Der andere Blickwinkel der »Universalphilosophie« ist nicht verschwunden. Doch die Aufgabe der Philosophie, kritische Analyse unserer Welt zu betreiben, wird immer wichtiger. Das zentrale philosophische Problem ist wohl das der Gegenwart und dessen, was wir in eben diesem Moment sind. Wobei das Ziel heute weniger darin besteht, zu entdecken, als vielmehr abzuweisen, was wir sind." zurück

6 Wirklich aporetisch wären diese Verschiebungen, also letztlich diese Konzeptualisierungen von der Sprachlosigkeit des Wissens, wenn sie konsequent in die Argumentation eingingen, was freilich nicht zu beobachten ist. Hierin wird deutlich, wie sich Foucault implizit am eigenen Sprachbegriff abarbeitet, ohne ihn überwinden zu können. So schreibt Foucault (1969/1973: 159) an anderer Stelle: "Die Aussageanalyse kann niemals sich auf etwas anderes beziehen als auf gesagte Dinge, auf Sätze, die wirklich ausgesprochen oder geschrieben worden sind, auf Bedeutungselemente, die geschrieben oder artikuliert worden sind – und genauer auf jene Besonderheit, die sie existieren läßt, die sie dem Blick, der Lektüre, einer eventuellen Reaktivierung, tausend möglichen Verwendungen oder Transformationen unter anderen Dingen, aber nicht wie die anderen Dinge, bietet. Sie kann nur realisierte sprachliche Performanzen betreffen, weil sie sie auf der Ebene ihrer Existenz analysiert: Beschreibung der gesagten Dinge, genauso insoweit sie gesagt worden sind." zurück

7 Waldenfels (1991: 285f.) hält statt "Aussage" "Äußerung(sgehalt)" für eine sachgerechtere Übersetzung von "énoncé" und beschreibt die Aussage als Verkörperungspunkt, in dem die "Gesetzmäßigkeit der Diskurspraxis sich" niederschlägt. zurück

8 Hier deutet sich in der Archäologie des Wissens vielfach das an, was bei Kristeva (1969/1972: 351) mit Bezug auf Bachtin (1965/1977) als "intertextuell[e] Beziehungen" gefasst wird (cf. auch Kristeva 1969/1977). zurück

9 Damit positioniert sich Foucault auf ganz eigenwillige Weise im assertiven bias, wie ihn Ehlich (cf. 1996, 1999) für die Beschäftigung mit Sprache seit der Antike als theorie(ver)leitendes Primat rekonstruiert hat, da er mit seinem Aussagen-Begriff gerade einen handlungsentbundenen Bereich isoliert und nicht einmal die Illokution des Aussagens im Blick hat, idealisiert und für die Forschung stereotypisiert. zurück

10 Zur produktiven Verbindung von Praxeologie und Diskurstheorie sei an dieser Stelle z. B. auf die sozialwissenschaftlichen Arbeiten von Andreas Reckwitz (2003, 2008) verwiesen, die hier nicht diskutiert werden können, zu denen aber angemerkt werden muss, dass sie von praxeologischer Seite die Handlungsqualität von Sprache und allgemein Kommunikation noch weithin übersehen, für diesen Brückenschlag aber ideal herangezogen werden können. zurück

11 "Es ist eine Machtform, die aus Individuen Subjekte macht. Das Wort Subjekt hat einen zweifachen Sinn: vermittels Kontrolle und Abhängigkeit jemandem unterworfen sein und durch Bewußtsein und Selbsterkenntnisseiner eigenen Identität verhaftet sein. Beide Bedeutungen unterstellen eine Form von Macht, die einen unterwirft und zu jemandes Subjekt macht." (Foucault 1982/1994: 246f.) zurück

12 Auch die Rede von "Foucaults Pragmatismus", wie er sich bei z. B. Deleuze (1986/1992: 105) findet und Paul Veynes (cf. 1978/1992: 22f.) strikte Foucault-Lesart von den Praktiken her, heben letztlich darauf ab, was die Praktiken produzieren und nicht wie (cf. de Certeau 1980/1988: 125), geschweige denn warum. zurück

13 "Diese Fraglichkeit hat es nicht nur mit dem zu tun, was zur Sprache kommt, sondern mit dem Ereignis, daß etwas zur Sprache kommt. Die Fraglichkeit hängt an einem Sagen, das nicht im Gesagten aufgeht" (Waldenfels 1994: 139). Als zusammengesetzt aus "Fraglichkeit[en] als solche" konzeptualisiert Waldenfels (ibd.: 139f.) in seiner Monografie Antwortregister die diskursive "Ordnung des Wißbaren" und fasst sie auch als entsubjektivierte, intentionslose und adressenlose "Frageordnung". zurück

14 An anderer Stelle spricht de Certeau (1980/1988: 15f.) von der "Überbewertung des […] produzierenden Apparates" und stellt damit Foucaults Unterfangen seinem gegenüber, das ja gerade das Produktive im aneignenden Rezeptionsakt aufdecken will. zurück

15 Mit Deleuze (1989/1991: 153–162) könnte man auch von "Linien" der "Sagbarkeit", der "Sichtbarkeit" und von "Kräftelinien" sprechen, die allesamt in Form von Dispositiven (s.u.) "Subjektivierungslinien" bilden. zurück

16 Vogelmanns (2011) Exegese des Foucaultschen Praktikenbegriffs etabliert die Praktik als Überbegriff von Wissen/Macht/Subjekt, also als Überbegriff des Foucaultschen Werks selbst (cf. ebd.: 15). Er folgt damit aber der "Radikalität" von Foucaults Perspektive (ibd.: 7) und verschenkt das terminologische Potenzial des Praktikenbegriffs. Man könnte das, was Vogelmann als Praktik herausarbeitet, auch schlicht produktive Formation nennen. zurück

17 Hierin wird Foucaults Rezeption und Einfluss von und durch Nietzsche (1887/1988: 152) deutlich, wie das Assassinen-Zitat "Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt" aus der Genealogie der Moral prägnant verdeutlicht. zurück

18 Spitzmüller/Warnke (2011: 73) fassen die drei Prozedurentypen, die man "›Ausschließung aus dem Diskurs‹, ›Verknappung des Diskurses‹ und ›Verknappung der sprechenden Subjekte‹" nennen könnte, wie folgt überblickend zusammen: "Die Prozeduren der ›Ausschließung‹ sorgen dafür, dass im Diskurs nur bestimmte Aussagen gemacht werden können. […] Die Prozeduren der ›Verknappung des Diskurses‹ strukturieren den Diskurs intern, indem sie Hierarchiemuster aufbauen […]. Die ›Verknappung der sprechenden Subjekte‹ beschränken den Zugang zum Diskurs auf bestimmte Teilnehmer." zurück

19 Hier zeigt sich auch die Möglichkeit des Anschlusses mit der Akteur-Netzwerk-Theorie/Soziologie der Übersetzung (cf. z. B. Law 1986; Callon 2006; Latour 2006a, 2006b), der im aktuellen medien-/kulturwissenschaftlichen Diskurs viel Aufmerksamkeit zuteilwird. Mit dem Begriff des Netzwerks bzw. dem des Kollektivs ist dabei die mikrosoziologische Dispositivität erfasst und es gilt zu prüfen, in welcher Weise dieser Ansatz eine Kommunikations- und Diskurslinguistik bereichern kann. zurück

20 Dass damit eine Einstellung des – wie Bührmann/Schneider (2008: 14) fürchten – "One Concept Fits All" einhergeht, kann sowohl positive wie negative Folgen zeitigen – negative Folgen vor allem, wenn für den entsprechenden Gegenstandsbereich nicht hinreichend reflektiert wird, in welcher Weise der Dispositivbegriff fruchtbar gemacht werden soll. zurück

21 Dies wird auch deutlich in der Verabsolutierung der positiven Praktiken bei Veyne (1978/1992). zurück

22 Der Versuch von S. Jäger (2001) Klarheit in die diskursive und nicht-diskursive Ordnung von Dispositiven zu bringen – wofür m. E. gar kein Anlass besteht – überzeugt deswegen nicht, da er Foucaults Begriff der Praktik handlungstheoretisch umbiegt und dabei offenbar nicht zwischen kommunikativem und nicht-kommunikativem Handeln unterscheidet. zurück

23 Im Wesentlichen kommt eine Diskursanalyse aufgrund des epistemologischen Primats der Sprachlichkeit nicht um linguistische Aspekte herum. zurück

24 Auf die Notwendigkeit einer Foucault-Rekonzeptualisierung wird vielfach, u. a. in Verbindung mit Foucaults strukturalistisch-generativistischem Sprachbegriff und damit auch seiner Handlungsvergessenheit hingewiesen (cf. Busse 1987: 248–250; Wengeler 2003: 82–87; Spieß 2011a: 108–110). Und es ist in der Tat etwas überschnell dem sog. Erweiterungspostulat gefolgt, wenn man die poststrukturalistischen Impulse u. a. aus Foucaults Werk für die linguistische Pragmatik allzu schnell verabsolutiert und die Perspektiven und Erkenntnisse der pragmatischen Wende damit über Bord wirft, wie das bei Warnke (cf. 2002b: 7ff.) ab und an zum Ausdruck kommt. zurück

25 Konerding (2005: 9f.) weist darauf hin, dass gerade im Rahmen eines thematisch konstituierten Diskursbegriffes eine Diskursanalyse unweigerlich auf Wissen verwiesen ist, das z. B. mit dem Frame-Konzept adäquat operationalisierbar ist (cf. ibd.: 21). zurück

26 Cf. z. B. Fraas (2005: 84f.), Wengeler (2005: 271f.), Keller (2006: 130f.), S. Jäger (2006: 84), Ziem (2008: 96) sowie auch Spieß (2012: 77, 90), bei der diese Ununterscheidung nur implizit aufscheint. zurück

27 Ein wieder anderes Verständnis findet sich bei Spieß (cf. 2008: 249), die die Mikro- und Makro-Ebene von Diskursen selber unterscheidet und damit Analyseeinheitenextensionen (von textinternen Aspekten bis zu außertextuellen Rahmungen) unterscheidet. zurück

28 Cf. Fraas (2008: 366): "In dem Maße, wie z. B. in Weblogs und Wikis Themen von gesellschaftlicher Relevanz verhandelt werden, agieren Akteure sowohl interpersonal auf der Mikro-Ebene als auch in gesellschaftlichen Kontexten auf der Makro-Ebene und schließen an gesellschaftliche Diskurse an." Inwieweit 1:1-Kommunikationen aber nicht gesellschaftlich sind, leuchtet nicht ein – gesellschaftlich und öffentlich scheinen hier in eins zu fallen. zurück

29 Dies soll keineswegs die entscheidende Rolle der Massen- und mithin öffentlichen Kommunikationen an der (heutigen) gesellschaftlichen Wissenskonstitution, die ihr zweifelsohne zukommt, schmälern (cf. Busse 1996: 350–352) – dies soll nur – so könnte das Ziel der Arbeit auch formuliert werden – den Blick dafür sensibilisieren, dass nicht nur solche Kommunikationsformen wesentlich daran beteiligt sind, sondern dass ein ganzes Geflecht einander voraussetzender Kommunikationsformen den Prozess der Wissenskonstitution prägen und ihm zu allererst einen Möglichkeitsraum geben. Hier könnte auch mit der aktuellen Diskussion zur (linguistischen) Netzwerkforschung angeschlossen werden (cf. z. B. Frank-Job et al. 2008). zurück

30 Die Entscheidung gegen einen Diskursbegriff, der direkt auf Wissen abhebt, statt erst einmal auf wahrnehmbare, kommunikative Phänomene, bedeutet nun nicht, die Deontologisierung, die für Foucaults Denken herausgearbeitet werden konnte (s. o., cf. Agamben 2006/2009), nicht nachzuvollziehen und in den Kommunikaten Positivitäten zu suchen. Neben der terminologischen Ökonomie hebt eine solche Entscheidung im Rahmen semiopragmatischen Vorannahmen (cf. Jäger 1997, Ehlich 1986/1991) eben nicht auf die positiven Ereignisse und Serien ab, sondern auf deren konstruierte Qualität und konstruktive Kraft. zurück

31 Entgegen Foucaults Hermeneutikkritik ist die Diskurslinguistik freilich schon seit Busse (cf. 1987: 250) hermeneutisch und muss es ›unweigerlich‹ sein, wenn die sprach- und zeichentheoretischen Vorannahmen, wie sie oben erläutert wurden (cf. Jäger 2007), den Rahmen darstellen, in dem eine Diskursanalyse stattfindet, und sie hat sich in einem solchen Rahmen als Teildisziplin konstituiert (cf. Warnke 2004: 317f.). zurück

32 Die diskursiven Funktionen von Textsorten können sein: initial, prozessual, terminal, Primärtext (Objekttext), Sekundärtext (Metatext), diskurstranszendent, diskursimmanent, diskursperipher, dominierend, intradiskursiv (a. funktional-institutionell, b. funktional-kommunikativ, c. semantisch), metadiskursiv, meta-metadiskursiv. zurück

33 Und selbst dafür "gilt zu konstatieren, dass es der Diskursforschung bislang nicht gelungen ist, die Spezifik der 'Massenmedialität' des Diskurses adäquat zu beschreiben" (Karis 2012: 47f.). Cf. dazu Spieß' (2011a: 128–135, 158–175, 251–260) Ausführungen zur Medialität des politischen Diskurses, auf die weithin Karis' (cf. 2012: 48) Kritik zutrifft, der u. a. moniert, dass repressive Machtmodelle die Diskursanalyse noch dominieren. zurück

34 Holly (1997: 71) benennt anfangs noch so etwas wie "dialogische Sprechsprachmedien" oder "[m]onologische Übertragungsmedien" als Kommunikationsformen. Später geht er mit Bezug auf Dimter (1981) ganz dezidiert von "alltäglichen Sortierausdrück[en]" (Holly 2011a: 144) wie "Fernsehsendung, Hörbuch, Flugblatt, Diavortrag, Aufkleber, Ansichtskarte" aus. Ausdrücke wie dialogische Sprechsprachmedien haben durchaus auch ihren differenzierenden Wert indem sie so etwas wie Kommunikationsformenfamilien fassbar machen. zurück

35 Ähnlich metaphorisch sind diskursanalytische Anschlüsse an das konversationsanalytische turn-taking-Konzept (cf. Wichter 1999: 264; Konerding 2005: 9 und im Anschluss an ihn z. B. Domke/Ohlhus 2010: 379), die letztlich auf dieselbe Analogie hinaus wollen. Gegen solche konzeptuellen Metaphern ist prinzipiell nichts einzuwenden, sie müssen aber in ihrem begrenzten Erkenntnisgewinn erkannt werden und dürfen sich nicht kategoriell verselbständigen, da sie sonst mehr Schaden als Nutzen bringen (cf. dazu Ehlich 2009: 21f.). zurück

36 Der große begriffliche Mehrwert von Kommunikationsformen im Vergleich zur letztlich immer dichotom bleibenden Unterscheidung von Text und Diskurs/Gespräch ist darin zu sehen, dass Kommunikationsformen das Kontinuum möglicher und wirklicher Ausprägungen von Kommunikation jenseits der Dichotomie auf den Begriff bringen (cf. Stenschke 2002: 114). Im Lichte dieser Erkenntnis erscheint es dann auch sinnvoll Begriffspaare wie Text- und Gesprächssorte oder -art für den weniger auf diese Dichotomie abgestellten Begriff der Gattung, der hier nicht diskutiert werden kann, aufzugeben. zurück

37 Eine detaillierte Darstellung der Kategoriengeschichte habe ich in Meiler (2013: Kap. 2.1.) vorgelegt. Sie wird hier nur in Umrissen dargestellt. zurück

38 Meier (cf. 2008: 107–112) verwendet diesen Begriff, um die erweiterte Perspektive linguistischer Pragmatik vor allem im Zuge des pictorial turn zu verdeutlichen. Mir erscheint er als geeignet, da er neben dem auch den Vorrang des "sprachlich sedimentierten Wissensvorrat[s]" verdeutlicht (ibd.: 109). zurück

39 Es ließe sich überlegen, ob zwischen Kontext und Situation begrifflich unterschieden werden sollte. Die Textlinguistik hat diesbezüglich bisher m.E. keine systematische Unterscheidung finden können (cf. die Begriffe Kotext, Kontext, KonText, Supertext; cf. z. B. Fix 2007: 93f.). Mit Gumperz Begriff der Kontextualisierung (cf. Auer 1996, 1999) könnte der Kontext als genuin semiologische Praktik von der Situation als "medial bedingte […] Praktik" (Holly 2011b: 38) im Sinne der Kommunikationsformen unterschieden werden. Damit erreichte man zwei, freilich nicht trennscharfe, aber einander korrespondierende, handlungstheoretisch fundierte Begriffe: Kontextualisierung und Situationalisierung (cf. zu dieser Unterscheidung auch Hausendorf/Kesselheim 2008: 31–36). zurück

40 Man könnte auch sagen, es treffen die ersten beiden von drei Kritikpunkten, die Auer (1996: 23; Zeilenumbrüche getilgt) für den linguistischen Kontextbegriff 1996 konstatiert, ebenso auf den Kommunikationsformenbegriff zu: "Der für diese (und sicherlich immer noch die meisten linguistischen) Forschungen typische Kontextbegriff läßt sich wie folgt charakterisieren: a) 'Kontext' wird als ein Aggregat material gegebener Entitäten gesehen, die unabhängig und vor der in ihm stattfindenden Interaktion vorhanden sind. Was Kontext ist, läßt sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Interaktion angeben, ohne daß zu berücksichtigen wäre, was zu diesem Punkt an Interaktion vor sich geht. b) Die Bekanntheit von Kontextwissen (sowohl unter den Interaktionsteilnehmern als auch unter den Wissenschaftlern) wird unterstellt. Divergenzen werden ebensowenig untersucht wie interaktive Probleme, jeweils relevante Wissensbestände für das Gespräch verfügbar zu machen." zurück

41 Dabei sollte darauf hingewiesen werden, dass ich "Situation" nicht als alles aufnehmende Restkategorie verstehe, wie das Deppermann/Spranz-Fogasy (2001: 1157f.) für das Verhältnis von Gespräch und Situation verdeutlichen: "Der Unterschied zwischen Gespräch und Situation scheint in vielen Arbeiten nicht als substantielle ontologische Differenz zu verstehen zu sein, sondern ein variables Vordergrund-Hintergrund-Verhältnis zu benennen, bei dem dasjenige, was nicht analytisch fokussiert wird, aber für Erklärungen und Verständnis des fokalen Phänomens notwendig ist, als "Situation" bezeichnet wird." zurück

42 Den Begriff der Textur habe ich in Meiler (2012) versucht handlungstheoretisch herauszuarbeiten, um die textuelle von der nicht-textuellen Herstellung des öffentlichen Raumes unterscheiden zu können. Die Textur wird dort im Anschluss an Eco (1972: 293–324) als durch architektonische Zeichenkonfigurationen hervorgebracht verstanden. zurück

43 Die Adressanten-Adressen sind dabei häufig nicht einfach bestimmbar, da die Produzenten eines Schildes oder Plakats oder einer sonstigen Meso-Kommunikationsform hier nicht wie die Adressaten einzelne Personen sind, sondern ein oft Arrangement institutioneller Arbeitsteilung (cf. ausführlicher und mit systematischem Blick auf Adressanten- und Adressaten-Adressen am Beispiel von Weblogs Meiler 2013a). zurück

44 Ich bin mittlerweile geneigt, dies mit dem medienwissenschaftlichen Begriff der Infrastruktur zu fassen (cf. z. B. Schabacher 2013), was hier noch nicht ausgeführt werden kann. Hier kann aber angedeutet werden, dass das Sprechen von Medien oder Medienkombinatoriken die handlungspraktische Arbeit ausblendet, die für eine Vermittlung aufgewendet werden muss. Dies ist mit dem Gedanken der Infrastrukturierung im Fokus und kann Situationalisierung praxeologisch herausarbeiten (cf. Star/Bowker 2002). zurück

45 Dies kann hier freilich nur ausschnitthaft dargestellt werden. zurück

46 Diese Bedingungen der Nutzung können eine Frage des in der allgemeinen Sozialisierung erworbenen Wissens sein, aber auch berufsbezogen spezifischere Wissensvorräte und damit Praxiszusammenhänge umfassen. zurück

47 Natürlich gehen damit auch Freiheiten einher, die mit Rückgriff auf Thaler (cf. 2005, 2007) als variable Prozeduren begriffen werden können, deren konkrete Realisierung von Gattungszwecken bestimmt wird und die von konstanten bzw. absoluten Prozeduren unterschieden werden müssen, deren Realisierung unabhängig von den Gattungen in jeder Nutzung der entsprechenden Kommunikationsform gleich ausfallen muss. Cf. dazu z. B. die Beteiligungsstruktur von Weblogs als variables Prozedurenset im Kontrast zur Internetmedialität von Weblogs als absolutes Prozedurenset (cf. Meiler 2013a). zurück

48 Cf. z. B. auch Gieryns (2006) wissenschaftssoziologisches Konzept der truth-spots, in dem aber methodische und rhetorische Verfahren der ortsgebundenen Evidenzauszeichnung vermischt werden. Gieryns (2002: 130) inszeniert selbstzweifelnde Frage: "In the immateriality of cyberspace, and as institutions and social interactions become increasingly disembedded […], does credibility or authenticity depend anymore on where anybody is?" zeigt, dass er die medialisierenden und adressierenden Arrangements der jeweiligen Situationen der Evidenzauszeichnung als Kommunikationssituationen nicht im Blick hat, sondern nur vage Orte der methodischen Wissensproduktion und ihre rhetorische Überformung thematisiert. zurück

49 Diese Typologie wurde in der oben schon erwähnten Studie durch eine Sichtung aller material ortsgebundenen Kommunikationen gewonnen, die in einem begrenzten Raum erhoben wurden. d. h., dass z. B. Gespräche, Automobile und ihre Beschriftung und dergleichen nicht berücksichtig wurden. Dieser großzügig eingegrenzte Raum war der Campus der Technischen Universität Chemnitz. Für die Erhebung wurden Fotografien genutzt, um alles Kommunikative im betreffenden Raum zu archivieren und für die Analyse zugänglich zu machen. Durch eine Sichtung dieser umfangreichen Sammlung konnte die in der Figur gezeigte Typologie abstrahiert werden. zurück

50 Konsensuell bedeutet im Rahmen von gesellschaftlichen Diskursen dabei nicht zwangsläufig, dass sich alle einig sind, sondern sich entsprechend der " diskursiven Ordnung" geeinigt haben (Jäger 2008: 107). zurück

51 Eine prozedurale Rekonstruktion des öffentlichen Raums und seiner architektonischen Zeichen habe ich in Meiler (2012) vorgenommen. Dort habe ich auch versucht zu plausibilisieren, dass auch andere Zeichenarten unterschiedliche Aufgabenfelder (operative, deiktische, expeditive und symbolische) entsprechend der funktionalpragmatischen Bestimmung bearbeiten. Dies kann hier nicht ausgeführt werden und ist für den Zusammenhang der Arbeit auch nicht zentral. zurück

52 Damit ist dieses Wissen in ähnlicher Weise sicher, wie das der Familie (1), ist aber mit einem zeitlichen Gültigkeitsindex versehen. Dass dieses Wissen ebenso in streitende Diskurse (Familie (3)) angebunden sein kann und auch angebunden wird, ist klar – es ist aber in seiner Spezifik nicht wesentlich am Streit-, Argumentations-, Aushandlungsprozess beteiligt. Das Wahlplakat in festen Plakatsaufstellern ist eine Gattung, die in der Familie (2) eine Ausnahme darstellt. zurück

53 Wie Domke (2010b) darstellt, nutzen auch Werbende (in zunehmendem Maße) die inhaltliche Anbindung an den Ort des Werbens zur Generierung von Aufmerksamkeit, die – entsprechend den Dynamiken der rezenten Mediensysteme – ein knappes und hart umkämpftes Gut darstellt (cf. Schmidt 2001, 2002). zurück

54 Als ent- oder anders kontextualisierte und ent- oder anders situationalisierte PDF besserer Qualität auf www.linke-sds.org/fileadmin/linke.sds/Material/Reichtum-besteuern-FERTIG.pdf einsehbar. zurück

55 Die Illokution ist in einer heutigen Rezeption nicht nur aufgrund der mangelnden sprachlichen Markierung nicht genau zu bestimmen, sondern ebenso aufgrund des vagen diskursiven Kontexts, in dem das Kleinplakat wahlkampfunabhängig durch eine Hochschulgruppe, die dem Bundesverband der SDS angehören, positioniert wird. Erst die Rekonstruktion des Produktionszusammenhangs (Bildungsstreik 2009), den das Kommunikat weit überdauert hat, vermag eine Vereindeutigung zur Illokution der Forderung zu ermöglichen. zurück

56 Die funktional-grammatische Spezifik des Infinitivs, die hier die Legitimität der Forderung unterstützend inszeniert, kann ebenso in Verbindung gebracht werden mit der nur losen inhaltlichen Ortsgebundenheit (da das Kommunikat ja auf dem Campus zu finden ist, aber nicht direkt mit den handlungspraktischen Zwecken der umgebenden Textur verzahnt ist), da die im Verb symbolisierte Handlung im Infinitiv situationsentbunden und typisiert benennbar wird. zurück

57 Man kann wohl davon ausgehen, dass es auch für diverse Kommunikate in den Kommunikationsformen des öffentlichen Raumes Archive gibt. Diese sind aber typischerweise nicht auf der Rezipientenseite angesiedelt, sondern auf der produktiven Seite der Kommunizierenden/Institutionen. zurück

58 Werbung im öffentlichen Raum, die mit QR-Codes arbeitet, stellt eine erste solche Möglichkeit dar. Zu aktuellen Trends der Erschließung von Street Art mit dem Smartphone siehe Glaser (2013). zurück

59 Wobei Persuasiva als spezifische Untergruppe der Direktiva verstanden werden können. zurück

60 Hier kann die Kommunikationsformenforschung den weitgehend gattungsbezogenen Begriff des kommunikativen Haushalts um medialitätsbezogene Aspekte erweitern. zurück