Von "Parasiten" und anderen "Schädlingen" Feinddiskreditierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Bewegungen in Deutschland

Von "Parasiten" und anderen "Schädlingen"
Feinddiskreditierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Bewegungen in Deutschland

Alexa Mathias (Hannover)

http://dx.doi.org/10.13092/lo.82.3716


 

1 Einleitung

In seinen Reflexionen zur Gewalt klassifiziert der slowenische Philosoph Slavoj Žižek das Objekt seiner Überlegungen in zwei Typen: subjektive und objektive Gewalt, wobei er letztere in zwei Arten unterteilt: symbolische und systemische Gewalt (Žižek 2011: 9f). Mit dem Terminus subjektive Gewalt bezeichnet Žižek diejenigen Handlungen, mit denen von einem Subjekt gegenüber einem anderen (oder einer Gruppe, oder einem Objekt) direkte physische Gewalt ausgeübt werde, während er unter objektiv-systemischer Gewalt die „oftmals katastrophalen Konsequenzen des reibungslosen Funktionierens unseres ökonomischen und politischen Systems“ versteht (ebd. 10). Objektiv-symbolische Gewalt hingegen verkörpere sich in der Rede und den (sprachlichen) Ausdrucksformen, jedoch nicht nur in „Fällen aufhetzender Reden und […] habituelle[r] Sprechweisen“ (ebd.). Vielmehr betreffe sie auch „die Sprache als solche […], da sie ein bestimmtes Bedeutungsuniversum auferlegt.“ (ebd.). Die in den nachfolgenden Abschnitten vorgestellte Studie wird sich mit dem letztgenannten Untertypus – der objektiv-symbolischen Gewalt – befassen, nicht ohne jedoch ihre möglichen Implikationen für die anderen beiden Typen aufzuzeigen. Der Typus der objektiv-systemischen Gewalt soll hierbei allerdings weniger unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie und der strukturell-institutionellen Politik berücksichtigt werden als vielmehr unter dem Aspekt von Dispositionen der gesellschaftlichen Akteure, vor allem, wenn diese – zumindest zeitweilig – in Gestalt von Gruppierungen auftreten, die durch spezifische weltanschauliche Einstellungstopoi mehr oder weniger stark zusammengehalten werden. Ihre Konstitution als Gruppe führt mit sich die Abgrenzung gegenüber einer oder mehreren anderen Gruppen, sogenannten Fremdgruppen oder Outgroups (cf. Tajfel 1974 und 1979), die auf Basis von nach Maßgabe der (hier: rechtspopulistischen) Weltanschauung der Eigengruppe (Ingroup) relevanten Kriterien vollzogen wird. Im Zuge dieser Abgrenzungsstrategie kommt es mindestens zu Phänomenen der Infrahumanisierung (cf. Leyens et al. 2003), wenn nicht gar zur Dehumanisierung (cf. Mathias 2015: 96f), wenn die Weltanschauung stark antipluralistische, anti-universalistische und binär-dichotom strukturierte Einstellungen beinhaltet, die mit ausgeprägten gruppenbezogenen Stereotypen gefüllt sind (cf. hierzu auch Priester 2012: 68f). Sprachliche Zeichen, mit denen auf Angehörige der Fremd- bzw. Feindgruppen der (hier: rechtspopulistischen) Ingroup referiert wird, lassen auf den konzeptuellen dehumanisierenden Hintergrund erkennen: Als „habituelle Sprechweisen“ (Žižek 2011: 10) der in Frage stehenden Sprechergemeinschaft fungieren diese sprachlichen Zeichen als „aufhetzende Rede“ (ebd.). Sie repräsentieren infolgedessen Praktiken der objektiv-symbolischen Gewalt und haben entsprechend der Appellfunktion sprachlicher Zeichen (cf. Bühler 1999: 28) zudem das Potential, den Adressaten der Äußerung zu Handlungen subjektiver Gewalt aufzustacheln.


2 Gesellschaftlicher und politischer Hintergrund

Seit dem 20. Oktober 2014 kann allmontäglich beobachtet werden, wie sich in Dresden – teilweise auch in anderen Städten Deutschlands – eine größere Gruppe Demonstranten zusammenfindet, um ihr Unbehagen in Bezug auf eine größere Bandbreite gesellschaftlicher und politischer Themen zu artikulieren. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen einigen Hundert und (am 12. Januar 2015, fünf Tage nach den Anschlägen auf die Redaktion des Satireblatts Charlie Hebdo in Paris) einmalig 25.000 Menschen; im Schnitt liegt sie jedoch im unteren vierstelligen Bereich (ungefähre Zahlenangaben; cf. Geiges et al. 2015: 11f, 21, 33). Die inhaltlichen Domänen, auf die sich die Befürchtungen dieser „besorgten Bürger“1 richten, umfassen, wie gesagt, ein breites Spektrum an gesellschaftspolitischen Themen. Diese reichen von der Unzufriedenheit mit der Regierung, den Politikern der großen Parteien, den Parteien selbst oder gar dem gesamten „System“ wie auch Presse und Medien, die sich angeblich zu dessen Sprachrohr machen lassen, über die Besorgnis um die Verfasstheit der Demokratie bis hin zur Kritik an empfundenen gesellschaftlichen Missständen unterschiedlichster Art (wie z. B. dem in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker liberalisierten Familien- und Geschlechterrollenbild) u. v. a. m. Ein besonderer Fokus der Proteste richtet sich jedoch auf ein Gebiet, der auch namensgebend für diese noch relativ junge und diffuse Bewegung war: Der gefühlten „Islamisierung des Abendlandes“, der sich diese Menschen als erklärte „Patriotische Europäer“ entgegenstellen möchten (PEGIDA = „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Die aus Sicht von Pegida wichtigsten Anliegen wurden am 10. Dezember 2014 von ihrem Organisationsteam in einem 19-Punkte-Papier zusammengestellt und publiziert; einen guten Monat, am 12. Januar 2015, später reduzierte sich dieses Programm im Zuge Pegida-interner Differenzen (die etwas später zur Abspaltung kleinerer Aktionsgruppen führte) auf sechs inhaltliche Punkte, „um den Anspruch von Pegida an die Politik zu konkretisieren.“ (Geiges et al. 2015: 17; Chronologie cf. ebd. 17–21).

Aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive gibt es gute Gründe, den weltanschaulichen Hintergrund populistischer Bewegungen nicht prima vista mit der politischen Ausrichtung von Vertretergruppen extremistischer Ideologien gleichzusetzen. So weist Karin Priester (2012) darauf hin, dass der Populismus vorrangig mit einer affektiven Empörungsreaktion auf gefühlte Missstände reagiert, nämlich vor allem auf ein „Elitenhandeln, das er als Verrat und Betrug am Volk wahrnimmt“ (Priester 2012: 243). Zumindest in der Entstehungsphase populistischer Bewegungen verfolgen deren Anhänger jedoch „nicht aktiv […] eigen[e] Wert- und Zielvorstellungen“ und haben „keinen politischen Kompass“ (ebd.). Vielmehr neigen sie „zu purem Voluntarismus und Spontaneismus“ (ebd.).2 Gerade dieses Manko kann jedoch dazu führen, dass populistische Bewegungen Anleihen bei ideologischen Weltanschauungen und deren Konstituenten (Ideologemen) machen oder gar von Akteuren ideologischer – das bedeutet: auch ex-tremistischer – Gruppierungen besetzt, instrumentalisiert und mit entsprechenden Anschauungen unterfüttert werden (cf. ebd.). Die zweiwertige Weltauffassung des Populismus ist daher in ihrer Grundverfasstheit nicht durch eine Zuordnung zu politisch „rechten“ und „linken“ Wertesystemen zu beschreiben. Vielmehr verläuft die Trennlinie des Populismus zwischen „statischen Eliten“ als Repräsentanten eines als dysfunktional bewerteten Systems einerseits und der „dynamische[n], aufbruchsorientierte[n] Basis“ als der von Populisten positiv evaluierten Eigengruppe andererseits (cf. ebd. 13f). Dies schließt jedoch nicht aus, dass die artikulierten Anliegen „in Kombination mit Elementen aus unterschiedlichen ideologischen Großfamilien auftreten können“ (ebd.) und diese im Zuge der Artikulation des Missbehagens mehr oder weniger deutlich erkennbare Gestalt annehmen.

So musste sich Pegida von Anfang an dem Vorwurf aussetzen, nicht nur rechtsextremem Gedankengut Gehör zu verschaffen, sondern auch personell stark in rechtsextremen bzw. neonazistischen Kreisen verankert zu sein. Gründe für diesen Eindruck liefern nicht nur einige der Parolen und Darstellungen, die auf immer wieder auf Schildern und Transparenten im Zuge der „Montagsspaziergänge“ zu lesen sind, sondern auch der erkennbare politische Hintergrund einzelner mitlaufender Beteiligter bzw. Gruppen sowie die Biographie nicht weniger Mitglieder des Organisationsteams. Zudem zeigen Einträge (Posts) von Pegida-Sympathisanten auf der Facebook-Seite der Gruppierung, dass sich bei vielen ihrer Anhänger tatsächlich Einstellungsmuster rechter oder gar rechtsextremer Ideologie finden, die in den geäußerten Ansichten erkennbar werden und sich nicht selten sogar in einer Wortwahl niederschlagen, die Anleihen an den Nationalsozialismus nimmt. Wortformtypes der NS-Amtssprache3 wie volksfremd, Volksgemeinschaft, Volksgenosse, homogener Volkskörper, Volksschädling, Volkssturm, völkisch sind in nicht geringer Tokenzahl auch in dem hier untersuchten Korpus aus Pegida-Facebook-Posts vertreten. Desgleichen dehumanisierende Metapherntypes wie die sogenannten Schädlingsmetaphern, die im Sprachgebrauch des national oder gar „völkisch“ begründeten intergroup conflicts eine lange Historie haben (cf. z. B. die Arbeiten von Bein 1965; Hortzitz 1988 und 2005; Schmitz-Berning 2000 u. v. a. m.). Im nachfolgend untersuchten Pegida-Korpus (dargestellt in Abschnitt 3; im Weiteren abgekürzt mit PEG) werden sie syntaktisch oder morphosyntaktisch häufig mit der expliziten Benennung des gefühlten Feindes verbunden (z. B. „Diese Maden sind: die sogenannten ‚Prominenten‘, die in ihrem ganzen Leben nichts für irgendeinen Volksgenossen getan haben“ [PEG 2015-01-09T21:21:06+0000]). Der Rekurs auf NS-Gedankengut lässt sich auch in dem sehr langen Post eines Users erkennen, der als Bedingung für die deutsche Staatsangehörigkeit die Forderung nach einem Abstammungsnachweis über drei Generationen hinweg erhebt (PEG: 2014-12-19T04:54:03+0000) oder das Ansinnen eines anderen Users, bei dessen Äußerung einem – trotz der vom Verfasser nicht intendierten Komik – das Lachen im Halse stecken bleibt: „Doch, das ist peinlich. Ein mir, nach der Rassenlehre, überlegener, erbgesunder Deutscher, sollte die deutsch [sic!] Sprache beherrschen.“ (PEG: 2014-12-11T14:04:00+0000).


3 Methodik

Die Datenbasis der Studie besteht aus zwei Textkorpora, die jeweils den Sprachgebrauch innerhalb einer rechtspopulistischen Bürgerbewegung (Pegida) und innerhalb rechtsextremer jugendlicher Musikszenen abbilden. Das rechtsextreme Liedtextkorpus (im Folgenden abgekürzt mit HKR) entstand im Rahmen eines DFG-Projekts an der Leibniz Universität Hannover (LUH) und enthält Texte von Autoren und Musikern aus der rechtsextremen Szene. Die 5564 Texte stammen von Beschlagnahmen im Rahmen polizeilicher Ermittlungsarbeit und wurden für die Beforschung an der LUH vom Bundeskriminalamt (BKA) zur Verfügung gestellt. Für die ausführliche Darstellung der Quellen, der Korpuserstellung und der Datenaufbereitung des HKR sei auf den Abschnitt III.1 in Mathias, 2015: 160–166 verwiesen. Das Pegida-Korpus PEG wurde von Gregor Weichbrodt und Hannes Bajohr im Dezember 2014 und Januar 2015 aus der Facebook-Gruppe von Pegida erhoben und enthält 282596 Postings (Darstellung bei: Weichbrodt 2015). Es beinhaltet die Primärdaten als reine Rohdaten, die nach Maßgabe der sie nutzenden Wissenschaftsdisziplin für entsprechende Analysen aufbereitet werden müssen. Einzig vorhandene Metadaten des PEG sind die Publikationszeitpunkte der Posts; die Userangaben sind, der deutschen Rechtsprechung folgend, anonymisiert. Das HKR umfasst knapp über eine Million, das PEG etwas mehr als 3,5 Mio. Wortformtoken4 , ist also mehr als dreimal so groß. Das PEG ist online verfügbar; auf das HKR darf aus juristischen Gründen nicht von Außenstehenden zugegriffen werden.

Die in den Korpora enthaltenen Texte unterscheiden sich hinsichtlich der Altersstruktur ihrer Produzenten (PEG: Erwachsene zumeist mittleren Alters; HKR: ältere Jugendliche und junge Erwachsene)5 sowie hinsichtlich Textsorte, Medientyp und Produktionssituation (Posts aus Social Media versus politisch motivierte, schriftlich abgefasste Liedtexte). Allerdings kann das sprachliche Register, das in der Textproduktion realisiert wurde, bei einem Großteil der Texte beider Korpora als „umgangssprachlich“ bzw. als am mündlichen Sprachgebrauch orientiert beschrieben werden. Vielfach bedienen sich die Textproduzenten beider Gruppen sogar einer ausgeprägten Substandardvarietät. Und auch hinsichtlich der Funktion der jeweiligen Texte und Äußerungen sind die Korpora miteinander vergleichbar, handelt es sich in beiden Fällen doch um Texte, mit denen Weltbild und politische Einstellung ihrer Produzenten dargestellt und persuasiv vermittelt werden sollen.

Die Beforschung der Sprachdaten folgt den etablierten methodischen Standards der Korpus- und Diskurslinguistik; diese werden aus Raumgründen hier nicht vollumfänglich ausgeführt, sondern nur expliziert, wenn es für die Begründung des Verfahrens in Hinblick auf einen Untersuchungsschritt nötig ist. So wurden die lexikalischen Types in den jeweiligen Korpora entsprechend semantischer Domänen bzw. Felder klassifiziert, um Nutzungspräferenzen der beiden Sprechergemeinschaften zur metaphorischen Bezeichnung unterschiedlicher Referenten (z. B. sozialer Gruppen oder Berufsgruppen) ermitteln zu können. Dieses sehr aufwändige Verfahren wird ausführlich dargestellt in Mathias 2015: 180–185.

Für die in Abschnitt 4 dargestellte Studie zur Ausübung objektiv-symbolischer Gewalt mittels dehumanisierender Metaphern wurden aus beiden Korpora Belege ausgewählt, die einem semantischen Feld Fauna, und hiervon der Unterklasse Schädlinge zugeordnet werden können.6 Da bei der Analyse dieses semantischen Feldes Vergleichbarkeit der Befunde wünschenswert ist, wurden bei der Erhebung und für deren eingehenderen Betrachtung nur diejenigen Lemmata als Feldmitglieder berücksichtigt, die in beiden Korpora belegt sind. Untersucht wurden in diesem Rahmen nur metaphorisch verwendete Wortformen unter Vernachlässigung von Belegen, die eine Vergleichspartikel (wie bzw. als) enthielten und somit aus formalstruktureller Sicht explizite Vergleiche darstellen, keine „eigentlichen“ Metaphern (zur Begründung cf. Mathias 2015: 147).

In der Folge wurden die in Frage stehenden Token in beiden Korpora nach Erstellung eines Tagsets annotiert (siehe ebd. 177f.7). Die Untersuchung des PEG aus linguistischer Perspektive ist zum Stand Dezember 2016 noch nicht abgeschlossen, deswegen sind die hier dargestellten Befunde in Bezug auf noch zu ermittelnde Gesamtbefunde aus diesem Korpus (weitere Felder/Domänen) exemplarischer Natur.

Für die nachfolgend ausgeführte Analyse wurde das Lemmatype Parasit für beide Korpora im Vergleich ausgewählt. Dieses Lemma kann in seiner Funktion als metaphorisches Schmähwort auf eine jahrhundertelange Historie zurückblicken, und dies in nicht wenigen Diskursepochen mit referentieller Präferenz im Rahmen antijüdischen Sprachgebrauchs.8 Im Jahr 1965 publizierte Alexander Bein seinen Aufsatz „Der jüdische Parasit. Bemerkungen zur Semantik der Judenfrage“ in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte (13/1965/II: 121–149). Ungeachtet des aus heutiger Sicht etwas unglücklich gewählten Untertitels war Bein mit dieser Publikation einer der ersten Wissenschaftler, der nach dem Nationalsozialismus systematisch und quellengestützt den metaphorischen Gebrauch eines ausgewählten Lemmas (hier: Parasit) im Zuge antijüdischer Texte und Äußerungen an einem großen Textkorpus diachron untersuchte. Zwei weitere diachrone Untersuchungen eines so umfangreichen historischen Korpus zum antijüdischen Sprachgebrauch, die ebenfalls Einträge zum Lemma Parasit enthalten, werden zunächst mehr als zwanzig und schließlich vierzig Jahre später von Nicoline Hortzitz vorgelegt (Hortzitz 1988 und 2005). Die Richtung dieser drei Untersuchungen ist aus semantischer Perspektive onomasiologisch, da sie von dem Bezeichneten (signifié, hier: Juden als Referenten der in Frage stehenden Sprachdaten) ausgehen und ihr Augenmerk auf die vielfältigen Formen der Bezeichnung (diverse signifiants) innerhalb der untersuchten Korpustexte richten. Insofern unterscheiden sich diese Arbeiten von der semasiologischen Ausrichtung der hier vorgelegten Studie, in der vom sprachlichen Zeichen ausgehend die jeweiligen Referenzdomänen der einzelnen Token zum Lemmatype Parasit ermittelt wurden.


4 Analyse

4.1 Darstellung und Interpretation der quantitativen Werte

Die jeweiligen Grundgesamtheiten für das Feld Fauna/Unterklasse Schädlinge betragen im jeweiligen Korpus NHKR = 589 Token, NPEG = 1708 Token. Diese Token repräsentieren 18 Lemmatypes, die hinsichtlich ihrer jeweiligen Häufigkeit pro Korpus stark streuen. Nachfolgend werden diese Lemmatypes unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen absoluten Häufigkeit pro Korpus aufgelistet:

Assel (HKR = 1/PEG = 3 Belege), Geschmeiss (1/8), Heuschrecke (2/17), Insekt (1/4), Käfer (1/1), Kakerlake (3/16),Laus (27/39), Made (21/56), Milbe (2/2),Parasit (100/80), Ratte (116/490), Schädling (12/29),Schmarotzer (24/513), Ungeziefer (5/19), Vampir (2/8), Wanze (14/30), Wurm (14/30), Zecke (239/387).

Bei der quantitativen Erhebung der untersuchten Lemmata zeigte sich zunächst, dass der Anteil metaphorisch verwendeter Token zu diesen Types im PEG an der Gesamtsumme der Belege etwas höher lag als im HKR: für 96,31 % aller Wortformen der Klasse Schädlinge aus dem semantischen Feld Fauna sind für das PEG ist metaphorische Verwendung nachweisbar. Demgegenüber werden nur 87,10 % dieser Formen im HKR von den Textautoren metaphorisch verwendet. Dies ist insofern etwas überraschend, als es sich bei den Texten im HKR um Liedtexte handelt, also um im weitesten Sinne kreativ-künstlerische Ausdrucksformen, und im PEG um Einträge von Äußerungen alltäglichen, medial-digital realisierten, in jedem Fall aber nicht-künstlerischen Sprachgebrauchs.

Die relativen Häufigkeiten metaphorisch verwendeter Token pro Type weichen beim Vergleich beider Korpora teilweise voneinander ab. Sie liegen nur bei den Types Assel, Geschmeiss, Schädling und Schmarotzer in beiden Korpora bei jeweils 100 %; bei Zecke (gerundet) immerhin noch bei 99 % (HKR) bzw. 99,48 % (PEG) und im Falle von Parasit bei 100 % vs. 96,25 %. Gleichermaßen niedrige Werte sind für Käfer belegt (beide Korpora 0 % metaphorische Verwendung). Bei allen anderen Lemmatypes sind die Abweichungen für metaphorische Verwendung ihrer Token stärker (z. B. Made mit 38,1 %/64,29 %, Ratte 76,72 %/97,14 %,Ungeziefer 100 %/89,47 %), teilweise sogar erheblich ( Heuschrecke 0 %/76,74 %, Laus 7,41 %/89,74 %, Milbe 0 %/100 %, Vampir 0 %/75 %). Einige dieser Werte können sicherlich dadurch erklärt werden, dass manche dieser Types als diffamierende Metapher im Sprachgebrauch des Deutschen stärker etabliert sind als andere und daher in beiden Sprechergruppen relativ hohe Werte erreichen (z. B.Geschmeiss, Parasit, Schädling, Schmarotzer, z. T. auch Ungeziefer). Die starke Abweichung zwischen beiden Korpora im Fall von Heuschrecke (HKR 0 % versus PEG 76,74 %) kann durch historische Umstände und Alter der jeweiligen Korpora erklärt werden: Dieses Type ist vor allem seit der Bankenkrise von 2008 verstärkt im Sprachgebrauch des Deutschen nachweisbar und referiert zumeist auf Investmentbanker und Wirtschaftsinvestoren, die von der Bevölkerung für den Raubbau am Kapital verantwortlich gemacht werden. Da die Datenerhebung für das HKR jedoch bereits 2005 endete, ist das geringe absolute Vorkommen dieses Types und die relative metaphorische Verwendungshäufigkeit von 0 % in diesem Korpus nicht überraschend. Demgegenüber frappiert die in beiden Korpora hohe Häufigkeit des Types Zecke und dies insofern, als es sich um einen Ausdruck handelt, der zunächst stark registerstilspezifisch war, nämlich jugendsprachlich zumeist auf politisch linksstehende Personen referierte (Befunde für das HKR siehe Mathias 2015: 230–237). Die hohe absolute Häufigkeit dieses Types und deren hoher Anteil an metaphorisch verwendeten Token auch im PEG lässt in Hinblick auf die Alters- und Sozialstruktur der „Pegidisten“ vermuten, dass sich dieses Lexem aus der Jugendsprache heraus inzwischen auch in „bürgerlichere“ Substandardvarietäten verbreitet hat.

Betrachtet man nun Befunde aus beiden Korpora für das hier exemplarisch untersuchte Lemmatype Parasit, sind im Korpusvergleich Unterschiede in Häufigkeit sowie Präferenz für bestimmte Referenzdomänen der metaphorisch verwendeten Wortformtoken erkennbar. Als Resultat der Annotation beider Korpora im Hinblick auf Referenzdomänen metaphorisch verwendeter Token zum Lemmatype Parasit zeigt sich zunächst einmal, dass nicht alle ermittelten Feindbilddomänen in beiden Korpora gleichermaßen belegt sind. So fehlen im PEG jedwede Belege für die Nutzung dieser Metapher im Rahmen diskreditierender Äußerungen über feindbildassoziierte Referenzdomänen „Judentum“, „EU“, „ingroupinterne Konflikte“ (wie z. B. mit Szeneaussteigern), „Pädophilie“, „biologisch-ethnischer Rassismus“, „Roma und Sinti“ sowie „konkurrierende Subkulturen“ – alles Referenzdomänen, die im HKR aufgrund dessen spezifischen ideologischen Hintergrunds durchaus nicht selten belegt sind (vor allem antijüdische Äußerungen mit 13 % sowie Abwertung alternativer Subkulturen mit 14 %). Im HKR indes sucht man vergebens nach Belegen für Wortformen dieses Lemmatypes mit Referenz auf die feindbildbezogenen Domänen „jüngste Migration“9, „Terrorismus“ und „andere Wertegemeinschaften“. Für die beiden letztgenannten Domänen sind im PEG zumindest zwei Belege bzw. ein Beleg nachweisbar, für die personellen Repräsentanten der Domäne „jüngste Migration“ sogar zwölf Belege, das sind 16,67 % der Gesamtbelege. Summiert mit den elf (15,28 %) Belegen der Domäne „Ausländer“ referieren im PEG letzten Endes 31,95 % aller Wortformtoken zum Lemmatype Parasit auf Menschen mit Migrationshintergrund gegenüber 25 % im HKR (hier vorwiegend referierend auf Arbeitsmigranten früherer Jahrzehnte und ihre in Deutschland geborenen Nachkommen).

Weitere feindbildassoziierte Referenzdomänen, für die sich Nachweise in beiden Korpora finden, sind – in quantitativ nicht immer gleich hoher Gewichtung – die Bereiche „Außenpolitik“ (HKR 1 %, PEG 1,39 %), „Drogenkonsum“ (9 % vs. 1,39 %), „Gesellschaft“ (3 % vs. 2,78 %), „Medien“ (2 % vs. 2,78 %), „Religion“ (1 % vs. 9,72 %; hier stehen sowohl Religion per se als auch ihre Institutionen und Vertreter im Fokus), „Soziale Probleme“ (16 % vs. 9,72 %; die Rede ist hier von Kriminalität, Prostitution, Armut, Obdachlosigkeit usw.), „staatliche Institutionen und Organe“ (7 % vs. 5,56 %; mehrheitlich wird auf Behörden und die Polizei referiert) und „Wirtschaft“ (2 % vs. 6,94 %). Besonders stark vertreten ist – neben den bereits erwähnten Migranten – in beiden Korpora die Referenzdomäne „politisch Andersdenkende“, wobei festgestellt werden kann, dass die relative Häufigkeit für diese Domäne im Vergleich der beiden Korpora nicht unerheblich differiert (HKR 17 % gegenüber PEG 40,28 %). Bei der im nachfolgenden Abschnitt ausgeführten qualitativen Interpretation der Befunde wird diesen beiden Domänen daher besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

4.2 Qualitative Interpretation der Befunde10

Für die nachfolgenden Ausführungen wurde das Lemmatype Parasit exemplarisch ausgewählt, weil es nicht nur einen der mit hoher Häufigkeit belegten Einträge aus dem Feld Schädlinge repräsentiert, sondern weil die vorangehend skizzierte Begriffsgeschichte gemeinsam mit der durch die Intension des Begriffs implizierte komplementäre Körpermetaphorik Fragestellungen liefert, die sich zum einen auf das Objekt der Schädigung, zum anderen auf deren Verursacher richten. Schlussendlich steht auch die Funktion dieser Metapher im Fokus, wenn es um die sprecherseitigen Gründe für ihre Wahl und ihre Rolle innerhalb der Argumentation der beiden jeweiligen Diskursgemeinschaften geht. Bei dem Gräzismus Parasit handelt es sich um ein substantiviertes Adjektiv,11 das, wie Bein ausführt, in der Antike „Beamte […], die auf Staatskosten verpflegt wurden“ bezeichnet (Bein 1965: 125), im 15./16. Jh. als Synonym für (menschliche) Schmarotzer in den Wortschatz des Deutschen Eingang fand und hier erst im 18. Jh. auf Pflanzen und Tiere übertragen wurde (ebd. 126, sowie Grimm 1954-1991). Diachron scheint daher eine zweifache Metaphorisierung im Gebrauch dieses Lexems vorzuliegen: zunächst mit der Übertragung einer Bezeichnung für einen bestimmten Menschentyp auf die Tier- und Pflanzenwelt und von dort aus wiederum mit pejorativem Konnotat auf missliebige menschliche Wesen. Zieht man die Chronik der von Bein untersuchten Belege der Verwendung von Parasit als diffamierende Bezeichnung für Juden „als Blutsauger und Ausbeuter [ihres] ‚Wirtsvolkes‘“ (Bein 1965: 127) in Betracht, scheint die Etablierung des tierisch-pflanzlichen Denotats dieses Lexems erstaunlich schnell verlaufen zu sein, nämlich innerhalb weniger Jahrzehnte des 18. Jh., so dass die zweite Metaphorisierung (von Fauna und Flora zurück auf Menschen) zeitnah erfolgte. Schmitz-Berning weist nach, dass bereits Herder Juden als „parasitische Pflanze“ (Herder 1787, zit. b. Schmitz-Berning 2000: 460) bezeichnet und Bein (1965) führt an zahlreichen Belegen aus, wie stark sich der Prozess metaphorischer Konzeptualisierung von Juden als Parasiten in vergleichsweise kurzer Zeit vollzieht. Die Verwendung dieser Metapher im Rahmen antisemitischer Rhetorik ist auch für andere europäische Sprachen nachweisbar, so z. B. für das Französische bei Proudhon, der 1858 Juden als „race parasite“ bezeichnet (zit. b. Schmitz-Berning 2000: 461) oder für das Russische 1871 bei Bakunin (zit. ebd.). In Hitlers Schrift „Mein Kampf“ schließlich finden sich umfassende Ausführungen über Juden als „Parasiten“ und „Schmarotzer“, die die „mißbrauchten Gastvölker“ so lange schädigten, bis das „Wirtsvolk“ „abstirbt“ (Hitler 1933: 334). Die komplementäre Körpermetaphorik für die – hier ethnisch-national verstandene – Ingroup, die durch die metaphorische Bezeichnung der feindlichen Outgroup als Schmarotzer oder Parasit zunächst nur impliziert wird, wird spätestens in dieser Phrase offenbar – die entsetzlichen Folgen einer solchen Auffassung sind bekannt.

Die in Abschnitt 4.1 dargestellte Binnendifferenzierung der in beiden Korpora stark vertretenen Domäne „Ausländer“ erklärt sich durch Pegidas explizite Unterscheidung zwischen Neueinwanderern und schon länger in Deutschland lebenden und gut integrierten Bürger ausländischer Herkunft, die in zahlreichen Posts des PEG erkennbar ist. In einzelnen Posts wird innerhalb der Personengruppe „jüngste Migration“ sogar noch unterschieden zwischen sogenannten „echte[n] kriegsflüchtlingen“, denen durchaus Mitgefühl entgegengebracht und deren Schutzbedürftigkeit anerkannt wird, und Einwanderern, die als „sozialschmarotzer, kriminelles und respektloses Gesindel“ diffamiert und mit dem Prädikat „parasitär“ bezeichnet werden (PEG 2014-12-31T15:14:34+0000). Diese Binnendifferenzierung wird zur Stützung der Argumentation gegen den Feind gerne auch quantifiziert: „EINEN guten Fall von ECHTEN KRIEGSFLÜCHTLINGEN und wie immer viele Fälle von Parasiten“ (PEG 2015-01-20T21:06:09+0000). Letzten Endes ist hinter der Hassrede immer die Furcht vor dem Fremden zu erkennen, deren Referenzpunkte vielfältig sind und Verhaltensnormen gleichermaßen wie die Religion in den Fokus rücken: „Wenn ihr unsere Gäste sein wollt dann benehmt euch dementsprechend, obwohl mir schon seit langem klar ist das ihr NUR Parasiten seit und uns die Ungläubigen nur für dumm haltet!“ (PEG 2015-01-04T03:18:13+0000). Die Bereitschaft der Einwanderer zur Integration in die deutsche Gesellschaft wird hier zum geforderten Prüfstein: „ALLE die sich NICHT in unser Land integrieren wollen OHNE wenn und aber...zurück zu euren Ländern!“ (ebd.). Integrationsbereitschaft der Migranten und ihr Leistungswille zum Wohle der bundesdeutschen Gesellschaft stellen ein starkes Kriterium für ihre Beurteilung durch die Pegida-Anhänger dar. So wird die historische Rolle von Arbeitsmigranten positiv hervorgehoben, die zur Zeit der Teilung Deutschlands im Westen ihren Beitrag zum starken wirtschaftlichen Aufschwung der BRD geleistet haben, wie z. B. im folgenden Post: „Auch Migranten sind Westdeutsche. Die haben wenigstens unser Land nah dem Krieg mit aufgebaut und auch kräftig in die Sozialsysteme eingezahlt. Nicht so wie ihr Parasiten“12 (PEG 2015-01-20T22:02:46+0000). In Bezug auf diesen Post ist hervorzuheben, dass die metaphorische Wortform Parasiten hier nicht auf die Migranten bzw. Bürger mit Migrationshintergrund referiert, sondern zur Artikulation des noch immer nicht vollständig überwundenen Konflikts zwischen West- und Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung verwendet wird. Es ist im PEG jedoch der einzige Beleg für diese Referenzdomäne.

Subtile Unterscheidungen zwischen Einwanderern der verschiedenen historischen Zeitabschnitte, Herkunftsländer und Migrationsgründe mit Blick auf ihr Maß an Integration in die bundesdeutsche Gesellschaft können im HKR nicht ausgemacht werden. Hier vereinen sich xenophobe mit offen rassistischen Einstellungen im Sinne von ethnisch-biologistischen Vorstellungen. Dies schlägt sich auch in der Zuweisung der Tags zu den einzelnen Token nieder und gibt über die Intension des metaphorischen Ausdrucks Aufschluss. So vereinen die „fremden Parasiten“ im Text „Da sprach der Negerhäuptling aus Uganda“ der Band „Zillertaler Türkenjäger“ (der Name ist, wie bei vielen rechtsextremen Bands, Programm) neben ihrer afrikanischen Herkunft und dunklen Hautfarbe die – unterstellten – intensionalen Merkmale „Drogenhändler“, „Asylbetrüger“ und „Vergewaltiger“ in sich. Der solchermaßen ausgezeichnete „Parasit“ übt seinen Schaden entsprechend der ihm zugeschriebenen Aspekte aus und impliziert eine komplementäre Körpermetaphorik in Bezug auf das deutsche Volk als geschädigtem Wirt, welches im Text durch die „deutsche Frau“ repräsentiert wird. Rettung verheißt in diesem Belegtext das „weiße Kind, gar nicht faul/haut dem Neger was auf’s Maul.“ (HKR, Zillertaler Türkenjäger: Da sprach der Negerhäuptling aus Uganda). Ungeachtet ihrer im Text nicht ganz konsequenten Durchführung fungiert die Schädlingsmetapher als Begründung für einen offenen Appell zur Gewaltausübung an dunkelhäutigen Einwanderern.

Der Vorwurf der unrechtmäßigen wirtschaftlichen Bereicherung und des missbräuchlichen, da unberechtigten Asylstatus‘ zieht sich durch beide Korpora wie ein roter Faden. Im Unterschied zu den populistischen Verfassern der im PEG vertretenen Posts allerdings nehmen die rechtsextremen Autoren der im HKR belegten Texte keine Binnendifferenzierung zwischen Kriegsflüchtlingen, Asylbewerbern, die Schutz vor politischer Verfolgung in ihrem Heimatland suchen, und Arbeitsmigranten vor (die Letztgenannten stammen in Deutschland hauptsächlich aus anderen europäischen Ländern; alle drei Migrantengruppen haben einen juristisch jeweils unterschiedlichen Aufenthaltsstatus). Die erkennbare Hauptmotivation der HKR-Autoren richtet sich auf den Schutz der – so die synoptische Paraphrase – von „Parasiten“ ausländischer Herkunft „befallenen“ deutschen Kultur („deutsche Kultur ist nicht mehr vorhanden/Parasiten machen sich hier breit“, HKR, Legion Thor: Berlin). Gleichermaßen bedroht sehen sie das „deutsche Blut“ – nicht selten personifiziert durch „vergewaltigte deutschen Frauen“, die im HKR zumeist auf ihre Reproduktionsfähigkeit und ihre Rolle als Mutter weißer deutscher Kinder reduziert werden (cf. a. oben zitiertes Beispiel der Zillertaler Türkenjäger sowie HKR, Bollwerk: Kanaken). Gefahr bestehe auch für die deutsche Wirtschaft, Arbeit und Sozialleistungen (HKR, Zillertaler Türkenjäger: Negerhäuptling; HKR, Blut und Ehre: Asylantek; HKR, Stuka: Parasiten). Ein weiteres Anliegen der rechtsextremen Textautoren gilt dem Schutz der deutschen Städte, ihrer Wohnräume und der Sicherheit auf ihren Straßen (HKR, Sturmflagge: Bürger, steh auf!; HKR, Landser: Berlin bleibt deutsch; HKR, Bollwerk: Kanaken; HKR, Hassgesang: Hassgesang II). In diesem Zusammenhang wird durchaus auch ein romantisierender Blick auf die Zeit des Dritten Reiches geworfen („braune Kolonnen, lodernder Schein/genauso wird’s bald wieder sein“, HKR, Landser: Berlin bleibt deutsch; „unsere Bibel ist Adolf Hitlers ‚Mein Kampf‘“, HKR, Reichswehr/SS-Skinheads: N.N.). Wie auch im oben bereits zitierten Beispiel münden die meisten dieser Texte in häufig direktiv oder kommissiv formulierte Tötungsappelle („wir müssen diese Parasiten töten“, „tötet diese Scheiß-Kanaken“, „ich schneide ihnen die Kehle durch“, „erschieß sie mit deinem Gewehr“, alle Beispiele aus HKR, Reichswehr/SS-Skinheads: N.N.; „doch der Abschaum, der will Gewalt/dreck’ge Parasiten, ihr werdet hier nicht alt.“, HKR, Sturmflagge: Bürger, steh auf!, „Weg mit diesen Parasiten/wir müssen Neger und Türken verbieten/und wenn sie nicht von alleine gehen/dann ist es eben um ihr Leben gescheh’n.“, HKR, Commando Pernod: Ehre und Einigkeit). Doch selbst, wenn die Bereitschaft zu letalen Maßnahmen nicht explizit formuliert wird, leisten Schädlingsmetaphern wie Parasit dennoch einen Beitrag zur implizit-argumentativen Rechtfertigung von Gewaltakten, indem sie die Mitglieder der als feindlich erachteten Outgroup als Bedrohung für die Unversehrtheit der körperhaft imaginierten Ingroup darstellt, die zum Schutze der selben um jeden Preis und mit allen Mitteln bewahrt oder wiederhergestellt werden muss.

Was nun die ebenfalls häufig belegte Referenzdomäne „politisch Andersdenkende“ anbelangt, werden von den Textautoren beider Korpora als „Parasiten“ zumeist Anhänger und Vertreter politisch eher linksstehender Parteien (SPD, LINKE und GRÜNE) ausgemacht. Entsprechend finden sich in beiden Korpora Belege für die linksstellig kollozierten Adjektivattribute „linke Parasiten“, „rote Parasiten“ und „grüne Parasiten“. Rechtsstellige Genitiv- oder Präpositionalattribute verweisen im PEG eher auf die Funktion des Politikers im Allgemeinen, unabhängig von seiner Ausrichtung, cf. z. B. die Beispielbelege „diese Parasiten von Politikern“ (PEG 2015-01-20T06:35:49+0000), „Parasiten an der deutschen Politik“ (PEG 2015-01-25T12:56:54+0000) oder gleich ganz unbescheiden „Parasiten der Zivilisation“ (PEG 2015-01-20T22:12:14+0000). Inhaltlich vergleichbare Befunde für rechtsstellige Kollokate liefert das HKR indes nicht. Diese Beleglage liefert gute Gründe für die Annahme, dass die „Frontlinie“ von Pegida als einer populistischen Bewegung stärker zwischen „denen da oben und wir hier unten“ verläuft als zwischen politisch rechts und politisch links, wie auch die in Abschnitt 2 referierte Einschätzung von Karin Priester nahelegt. Hierfür spricht auch der deutlich höhere Anteil von Politikern als Referenzdomäne im PEG mit 40,28% gegenüber dem HKR mit 17%, bezogen auf die Grundgesamtheit aller Befunde für das Lemmatype Parasit. Das von Priester erwähnte Andocken populistischer Bewegungen an Inhalte und Konstituenten politischer Ideologien wird in den hier ausgeführten Beispielen erkennbar: deren xenophobe Einstellungsmuster und die Art ihrer sprachlichen Repräsentation zeigen, dass Pegida eine starke Prävalenz mehr oder weniger diffuser Residuen rechter bis rechtsextremer Ideologie aufweist, auch wenn die Pegida-Anhänger sich immer wieder gegen diesen Vorwurf verteidigen. Sie scheuen dennoch im Zuge ihrer Rechtfertigungen nicht einmal vor der Nutzung graphischer Codes der rechtsextremen Szene zurück, wie z. B. die Schreibung doitsch bzw. Doitschland: „glaube nicht, dass ‚rechte‘ eine Gefahr für Doitschland sind. Linke,politiker und andere Parasiten, das die wahre gefahr Doitschlands.“ (PEG 2014-12-17T11:46:18+0000). Die Furcht vor Mitbürgern anderer politischer Ausrichtung nimmt in manchen Äußerungen geradezu paranoide Ausmaße an: „Diese linken Parasiten werden Provokateure bei Euch einschleusen […]“ (PEG 2014-11-25T07:14:53+0000) oder „Lasst euch nicht mehr von Grünen Parasiten terrorisieren, die Euch das sauer erarbeitete Steuergeld abpressen um es für irgendwelche Wahnsinnsprojekte wie Multikulti, Energiewende, Gender-Mainstreaming und beleuchtete Krötentunnel verprassen […]“ (PEG 2015-01-03T23:22:10+0000). Ähnlich wie die Migranten, wenn sie entweder als anerkannte Flüchtlinge Sozialleistungen beziehen oder nach langjähriger Berufstätigkeit im Falle eines Verlusts der Arbeitsstelle das ihnen zustehende Arbeitslosengeld erhalten („Es kommt die Zeit da werfen wir diese Arbeitslosen stinkenden Parasiten aus dem Land.“ [PEG 2014-12-09T08:29:36+0000]), werden auch Politiker der wirtschaftlichen Bereicherung zu Lasten der Gesellschaft beschuldigt, mit Rekurs auf ihre Abgeordnetenbezüge: „Aber ihre Diäten ins unermessliche steigern auf dem Rücken der dummen deutschen Nazis! Linke und Grüne tragen als Sozialschmarotzer und Parasit nichts dazu bei!“ (PEG 2014-12-16T16:07:41+0000).

Für die rechtsextremen Autoren der Texte im HKR hingegen stellt der Vorwurf finanzieller Bereicherung von Politikern an der Gesellschaft in Form von Abgeordnetenbezügen nur selten den Grund für die Wahl der metaphorischen Bezeichnung als Parasit dar. Allenfalls indirekt spielen ökonomische Aspekte eine Rolle für diese Wortwahl, so z. B. im Beleg „Den Politikern, den ging’s noch niemals mies/sie sind die Parasiten im Paradies“ (HKR, Kampfzone: Schwarz, Rot, Gold). Sehr viel häufiger findet sich die Domäne der politisch Andersdenkenden im HKR in Kombination mit anderen Domänen, die die gesellschaftlichen Handlungsfelder des politischen Gegners (i. d. R. aus dem linken Spektrum) und die gefühlt faktischen oder aber befürchteten Ergebnisse ihres politischen Handelns widerspiegeln. In den meisten Belegen ist auch dies wieder die Migrationspolitik (Kookkurrenz mit der Domäne „Ausländer“) oder aber der Umgang mit sozialen Problemen wie Kriminalität, Arbeitslosigkeit oder Drogenkonsum. Der intergroup conflict aus Perspektive der Rechtsextremen vollzieht sich hier in Positionierung einer ethnisch-nationalen, „völkisch“-deutschen Ingroup in Konkurrenz zu einer feindlichen Outgroup von „Volksverrätern“, „Anti-Deutschen Hetzern“, „Parasiten“ (HKR, Reichswehr: Deutschlands Zukunft), in der alle „Domänen des Bösen“ als intensionale Merkmale zusammenkommen, wie Migration, soziale Probleme und die Politik linker Parteien, die angeblich all diese Phänomene ermöglicht: „Lieber tot als rot […]/Deutschland muss wieder den Deutschen gehör‘n/und die Parasiten soll’n uns nicht stör’n“ (HKR, Stahlhelm: Lieber tot als rot). Als Hort des Bösen wird nicht selten „das System“, „die Demokratie“, „das Parlament“ bzw. „der Bundestag“ ausgemacht, der von den rechtsextremen Autoren der im HKR enthaltenen Texte wie auch von etlichen Pegidisten nicht als legitime Institution der Repräsentation des Volkswillen sondern vielmehr als diesem in bedrohlichem Maße entgegengesetzt wahrgenommen wird:

In dem Parlament der Vollidioten, ja, im Bundestag sitzt das Problem […]

Sie besudeln sich mit ihrer Demokratie […]

Deutsches Volk, steh‘ endlich auf und schmeißt diese Parasiten hier raus

Sonst werden wir mit ihrem System allesamt mit untergeh’n.

(HKR, Skalinger: Demokratie)

Bezugsentität dieser ideologisch geprägten Ingroup ist eine ethnisch geprägte Nation, deren Grenzen nicht nur geographisch, sondern auch ideell klar konturiert sind. Dem Pegida-Schlagwort der „Lügenpresse“ (das als Kampfbegriff nationalkonservativer und nationalistischer Bewegungen in Deutschland eine lange Historie aufweist und vom 19. Jahrhundert über den Ersten Weltkrieg bis hin zur NS-Ideologie des Dritten Reichs nachweisbar ist) entspricht im HKR die „Medienhetze“: Medien und Journalisten handelten, so der Vorwurf, grundsätzlich immer im Auftrag des Systems und der (notwendigerweise links von der rechtsextremen Ingroup stehenden) Regierung und stellen als Vierte Macht bzw. Fünfte Kolonne des Staates eine Bedrohung für die rechtsextreme Eigengruppe und ihre Interessen dar:

Dem Land was wir lieben, dem werden wir auch treu bleiben

Keine Regierung kann uns aus diesem Land vertreiben

Keine Medienhetze kann uns zertrennen

Kein anderes Land kann unser Deutschland niederbrennen

Denn wir sind Skinheads, stolze Nationalisten […]

Säubern unser Land von allen Parasiten.

(HKR, Reichswehr: Kaiserreichstreue)


5 Fazit

Im Zuge einer vergleichenden Gesamtsicht der Belege aus beiden Korpora stellt sich nun die Frage nach dem Grund bzw. der Funktion der Schädlingsmetapher Parasit mit Referenz auf die Domänen „Ausländer“ und „politisch Andersdenkende“, die ja für beide Vergleichskorpora in sehr hoher Quantität nachweisbar sind. Gehen wir von der Annahme aus, „dass die Wahl eines sprachlichen Ausdrucks durch den Sprecher für einen darzustellenden Sachverhalt nicht beliebig ist, sondern sprecherintentionalen Selektionsrestriktionen unterworfen ist“ (Mathias 2015: 139), so liegt der Schluss nahe, dass „die Beziehung zwischen metaphorischen Lexemen als signifiant und dem durch sie Dargestellten als ihrem signifié […] in weit geringerem Maße arbiträr ist als [bei] sprachliche[n] Zeichen im Allgemeinen“ (ebd.). Bereits Hermann Paul verweist auf die Motiviertheit metaphorischer Ausdrücke durch die „individuelle Verschiedenheit des Interesses“ (Paul 81970 [1880]: 94); spätestens jedoch in Bühlers durch Plato beeinflusstes Organonmodell der Sprache wird die Interdependenz objektbezogener Darstellungsfunktion, sprecherintentionaler Ausdrucksfunktion und adressatenorientierter Appellfunktion sprachlicher Zeichen offenbar (cf. Bühler 31999 [1934]: 24–28), und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass sich Metaphern – ganz gleich auf welcher Ebene (kognitiv-konzeptuell oder sprachlich) man sie in der theoretischen Beschreibung ansiedelt – im Zuge ihrer Artikulation funktional anders verhalten sollten als andere sprachliche Zeichen. Mit der Wahl des metaphorischen Ausdrucks Parasit für bestimmte Personen(-gruppen) verleihen Sprechergemeinschaften, die durch gruppenspezifische Auffassungen und gesellschaftlich bzw. politisch wirksame Anliegen zusammengehalten werden, ihrer Einstellung gegenüber diesen Personengruppen (Migranten, Politikern, Journalisten, Juden, aber auch Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften – nicht nur Muslimen, sondern durchaus auch der christlichen Kirchen13) Ausdruck, indem sie in dehumanisierender und damit diskreditierender Absicht durch den Gebrauch eines entsprechenden sprachlichen Zeichens und seiner Bedeutungsintension auf diese Personen/-gruppen referieren (cf. hierzu ausführlicher: Mathias 2015: 148–155). Sprachliche Metaphern leisten diesen Dienst als wahrnehmbare Repräsentanten konzeptueller Korrelate, deren Schemata als „Matrix“ (Pielenz 1993: 164) sozialer Kollektive dienen und diesen als „intersubjektiv geteilt[e] Präsuppositionen über die Welt“ (ebd. 163) „kollektiv konstituierte und gebilligte Leitvorstellungen und Heurismen bereitstell[en]“ (ebd. 160).

Insofern sind metaphorische Ausdrücke nicht nur aus lexikalisch-semantischer Perspektive interessant für die Analyse objektiv-symbolischer Gewalt (Žižek 2011: 10, cf. Einleitung oben). Vielmehr müssen diese spezifischen Verwendungsmodi des symbolischen Zeichensystems Sprache auch unter der Perspektive ihres Beitrags zur Argumentationspraxis von weltanschaulich determinierten Kommunikationsgemeinschaften betrachtet werden, die im Zuge nicht nur expliziter, sondern auch impliziter Legitimationsstrategien im schlimmsten Fall Praktiken subjektiver Gewalt (ebd. 9) Tür und Tor öffnen können. Auferlegt eine Sprechergruppe ihren eigenen Mitgliedern (Hannah Arendts ‚Indoktrination‘, cf. Arendt 2009: 726) bzw. ihren Adressaten (Arendts ‚Propaganda‘, cf. ebd.) „ein bestimmtes Bedeutungsuniversum“ (Žižek 2011: 10) in Form intensionaler Ausdrücke (cf. hierzu Searle 2011: 28 sowie Mathias 2015: 86), fungieren diese Ausdrücke aufgrund ihres Bedeutungsinhalts (content, cf. Mathias 2015: 153 mit Bezug auf Stern 2000) aus Sicht der Sprecher- als einer Deutegemeinschaft (cf. hierzu Pörksen 2000: 42) als Rechtfertigung zu ergreifender Maßnahmen praktischen – und das heißt in diesem Zusammenhang: gewaltsamen – Handelns gegenüber der als feindlich betrachteten Referenzpersonen bzw. –gruppen: Drohen Parasiten (in Gestalt der Outgroup) einen Körper (nämlich den der sich artikulierenden Eigengruppe und ihrer sozialen bzw. nationalen Bezugsentität) zu schädigen, scheint es nicht nur legitim, sondern zur Rettung der körperlichen Unversehrtheit unabdingbar, die bedrohlichen Schädlinge zu vernichten. Entsprechende Appelle findet man explizit sowohl im rechtspopulistischen PEG („Solche Parasiten […] sollte man zertreten wie eine Küchenschabe!“ [PEG 2015-01-27T13:18:23+0000]) als – wenig überraschenderweise – auch im rechtsextremen HKR („wir […] säubern unser Land von allen Parasiten“ [HKR, Reichswehr: Kaiserreichstreue]. Doch selbst wenn diese expliziten Appelle fehlen – was in den meisten Belegen der Fall ist – suggerieren Schädlingsmetaphern wie Parasit, auf welche Weise mit den solchermaßen bezeichneten Personengruppen umzugehen sei. Insofern haben Metaphern, wie Pielenz hervorhebt, durch ihre Fusion zweier begrifflicher Konzepte und der damit verbundenen Perspektivierung einen „impliziten Schlussregelcharakter“ (Pielenz 1993: 57) und fungieren „als eine Rechtfertigungsinstanz“ (ebd.) gesellschaftlichen Handelns, das – legt man Toulmins (1975) Argumentationsschema an – gestützt wird von dem spezifischen Weltbild der sie verwendenden Sprechergemeinschaft. Der Übergang von Žižeks objektiv-symbolischer zu subjektiver Gewalt und kollektiv geteilten Auffassungen hinsichtlich ihrer Legitimität wird auf diese Weise offenkundig.


Korpus

HKR = Hannoveraner Korpus Rechtsextremismus (Erstellung 2006–2010: Ltg.: Peter Schlobinski/Michael Tewes, Mitarbeit: Alexa Mathias. Hannover).

PEG = PEGIDA-Korpus (Erstellung Winter 2014/2015: Gregor Weichbrodt/Hannes Bajohr. Berlin). http://ggor.de/project/pegida-korpus [11.06.2016].


Literatur

Arendt, Hannah (1955/2009): Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. 16. Auflage. München/Zürich: Piper.

Bein, Alexander (1965): „Der jüdische Parasit. Bemerkungen zur Semantik der Judenfrage.“ Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 13/1965/II: 121–149.

Bühler, Karl (1934/1999): Sprachtheorie. 3. Auflage. Stuttgart: UTB/Lucius & Lucius.

Duden (2001): Herkunftswörterbuch. 3. Auflage. Mannheim: Dudenverlag

Duden (2003): Universalwörterbuch. 5. Auflage. Mannheim: Dudenverlag.

Geiges, Lars et al (2015): Pegida. Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft? Bielefeld: transcript.

Grimm, Jacob und Wilhelm (1854–1991): Deutsches Wörterbuch. Leipzig: Hirzel.

Hitler, Adolf (1933): Mein Kampf. München: Franz Eher Nachfolger GmbH.

Hortzitz, Nicoline (1988): „Früh-Antisemitismus“ in Deutschland (1789 –1871/72). Strukturelle Untersuchungen zu Wortschatz, Text und Argumentation. Tübingen: Niemeyer.

Hortzitz, Nicoline (2005):Die Sprache der Judenfeindschaft in der frühen Neuzeit (1450–1700). Untersuchungen zu Wortschatz, Text und Argumentation. Heidelberg: Universitätsverlag Winter.

Leyens, Jacques-Philippe et al. (2003): “Emotional prejudice, essentialism, and nationalism. The 2002 Tajfel Lecture.” European Journal of Social Psychology 33/2003. Malden et al.: Wiley-Blackwell: 703–717.

Mathias, Alexa (2015): Metaphern zur Dehumanisierung von Feindbildern. Eine korpuslinguistische Untersuchung zum Sprachgebrauch in rechtsextremen Musikszenen. Frankfurt a. M. etc.: Lang.

Paul, Hermann (1970 [1880]): Prinzipien der Sprachgeschichte. 8. Auflage. Tübingen: Niemeyer.

Pielenz, Michael (1993): Argumentation und Metapher. Tübingen: Narr.

Pörksen, Bernhard (2000): Die Konstruktion von Feindbildern: zum Sprachgebrauch in neonazistischen Medien. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.

Priester, Karin (2012): Rechter und linker Populismus. Annäherung an ein Chamäleon. Frankfurt a. M. etc.: Campus.

Schmitz-Berning, Cornelia (2000): Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin: de Gruyter.

Searle, John (2011): Die Konstruktion der Wirklichkeit. Zur Ontologie sozialer Tatsachen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Stern, Josef (2000): Metaphor in Context. Cambridge/Massachusetts.: MIT Press.

Tajfel, Henri (1974): “Social identity and intergroup behavior.” Social Science Information 13. London, Sage: 65–93.

Tajfel, Henri/Turner, John (1979): “An Integrative Theory of Intergroup Conflict.” In: Austin, William/Worchel, Stephen (eds.): The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, Brooks Cole Publishing: 33–47.

Toulmin, Stephen (1975): Der Gebrauch von Argumenten. Kronberg/Ts.: Scriptor.

Weichbrodt, Gregor (2015): Pegida Korpus. http://ggor.de/project/pegida-korpus [11.06.2016].

Žižek, Slavoj (2011): Gewalt. Sechs abseitige Reflexionen. Hamburg: Laika.


Anmerkungen

1 Die erstmalige Verwendung dieser Bezeichnung ist nicht mehr zu rekonstruieren. Es handelte sich wohl zunächst um eine Selbstbezeichnung, die sich medial rasch verbreitete und auch von Nicht-Pegidisten, Journalisten und einigen Politikern im Bemühen um einen nicht wertenden Ausdruck verwendet wurde. Inzwischen wird die Bezeichnung „besorgte Bürger“ jedoch von den o. g. Sprechergruppen kritisch betrachtet und unter dem wohl nicht ganz unberechtigten Vorwurf der Beschönigung feindseliger Einstellungen zunehmend vermieden. zurück

2 Die von Geiges et al. (2015) geführten Interviews zeigen jedoch, dass die Selbsteinschätzung etlicher Sympathisanten populistischer Bewegungen hinsichtlich ihrer individuellen politischen Verortung deutlich von dieser Auffassung abweicht. zurück

3 Als Referenzquelle für den offiziellen NS-Sprachgebrauch wurde Schmitz-Bernings Lexikon zum „Vokabular des Nationalsozialismus“ (2000) herangezogen. zurück

4 Nach Bereinigung von Metadaten und Metatext verbleibende lexikalische und numerische Primärdaten. zurück

5 Zu Pegida: cf. Geiges et al. 2015: 61–87; für das HKR liegen keine konkreten Altersangaben vor. In Hinblick auf die zahlreichen Studien zur rechtsextremen Musikszene (cf. Bibliographie in Mathias 2015) kann bei den Textproduzenten zum Zeitpunkt der Abfassung ihrer Produkte von einer Altersspanne zwischen 18 und 28 Jahren ausgegangen werden. zurück

6 Bei der deskriptiven Zuordnung der Token konnte nicht ganz auf kontextgeleitete Vorannahmen verzichtet werden: so werden Biologen und Gärtner Würmer, Käfer und ganz allgemein Insekten zumeist nicht als Schädlinge betrachten. Da diese Lemmatypes im metaphorischen Sprachgebrauch gerade in gesellschaftspolitisch motivierten Diskursgemeinschaften jedoch negativ konnotiert sind und zumeist in abwertender Funktion mit Referenz auf den politischen Gegner oder gruppenspezifische Feindbilder verwendet werden, wurden die entsprechenden Token des Feldes Fauna der negativ evaluierenden Klasse Schädlinge zugeordnet. zurück

7 Das dort abgebildete Tagset wurde für die Annotation des PEG induktiv um einige Tags erweitert, zum Beispiel, um der von einigen Pegidisten vorgenommenen Differenzierung zwischen schon länger in Deutschland lebenden Bürgern ausländischer Herkunft und erst in jüngster Zeit eingewanderten Migranten Rechnung zu tragen. zurück

8 Schmitz-Berning (2000: 460–464) identifiziert das Lemma Parasit im Vokabular des Nationalsozialismus sogar exklusiv als „Schmähwort gegen die Juden“ (ebd. 460) bzw. in der adjektivischen Wortform parasitär als „speziell auf Juden bezogen“ (ebd. 463). zurück

9 Für das PEG betrifft dies vor allem die Jahre seit Ausbruch des Syrienkriegs 2011; für das HKR wäre aufgrund seines historisch-politischen Kontexts der 1990er Jahre eine entsprechende Bezugnahme auf die damals aktuelle Flüchtlingsbewegung infolge der bewaffneten Konflikte im Zuge der Unabhängigkeitserklärungen ehemals jugoslawischer Staaten zu erwarten gewesen. Eine entsprechende Referentialisierung ist im HKR zumindest für das Lemma Parasit nicht nachweisbar; Animositäten gegenüber dieser Migrantengruppe werden im HKR aber durchaus mit anderen sprachlichen Mitteln, jedoch in nicht weniger diskreditierender Weise artikuliert. zurück

10 Hinweis zur Graphie: Die nachfolgend zitierten Belege weisen eine Vielzahl an orthographischen Fehlern auf. Im Falle des PEG ist dies typisch für die Kommunikation in sozialen Medien, im Falle des HKR handelt es sich um zumeist um Verschriftungsfehler durch die Bearbeiter der Rohdaten. Aufgrund der großen Fülle der Fehler wird in den nachfolgend zitierten Belegen auf den in solchen Fällen üblicherweise verwendeten Kommentar „[sic!]“ verzichtet. zurück

11 Cf. DUDEN Universalwörterbuch (52003): Griech: pará-sītos: Tischgenosse, Schmarotzer, zu: pará = neben u. sĩtos = Speise, über lat. parasitus (zufolge DUDEN Herkunftswörterbuch 32001 mit Vermittlung über frz. parasite) seit dem 15. Jh. im Deutschen belegt. zurück

12 Dieser Beleg lässt den Umstand außer Acht, dass dies auch auf die individuell zeitlich befristete Arbeitsmigration in die DDR zutraf, deren Protagonisten aus „sozialistischen Bruderländern“ wie Mosambik, Angola, Vietnam etc. diese Leistung unter wesentlich schlechteren Rahmenbedingungen erbracht haben. zurück

13 Cf. z. B. „die parasitären Kirchen“ (PEG 2015-01-10T16:54:22+0000) – dazu muss man wissen, dass die Kirchensteuer in Deutschland über den Staat erhoben wird, was innerhalb der stark säkular geprägten Gesellschaft in der Bundesrepublik immer wieder für Diskussion und Kritik sorgt. zurück