Erasmus-Erfahrungsberichte. Eine textlinguistische Analyse mit didaktischen Anmerkungen für den DaF-Unterricht

Erasmus-Erfahrungsberichte. Eine textlinguistische Analyse mit didaktischen Anmerkungen für den DaF-Unterricht

Andrea Bies (Granada)

http://dx.doi.org/10.13092/lo.91.4395


 

1 Einleitung

Im Jahr 2015 nutzten allein in Deutschland rund 38’000 Studierende das Erasmus-Programm, um einen Teil ihres Studiums im Ausland zu verbringen (DAAD 2016: 56). Nach Abschluss des Aufenthalts sind die Studierenden dazu verpflichtet, einen Erfahrungsbericht abzugeben. Diese Erfahrungsberichte stehen dann oftmals (und nach Einverständniserklärung der Verfasser) auf den Webseiten der International Offices der Universitäten zum Download bereit. Es existiert also hier ein öffentlich zugänglicher Fundus von niedergeschriebener Auslands- und Fremdkulturerfahrung, der bislang von der Forschung und Fremdsprachendidaktik nicht genutzt wird. Einzig Müller-Jacquier (2007) widmet sich Texten, welche Auslandsaufenthalte beruflicher oder schulischer Art bewerten, wobei sein Fokus auf der Konstruktion von Fremdheit in diesen Erfahrungsberichten liegt. In diesem Artikel soll der Erasmus-Erfahrungsbericht als eine spezifische Ausprägung der Textsorte Erfahrungsbericht etabliert und beschrieben werden. Bisher wurden Erfahrungsberichte als Textsorte noch nicht analysiert. Rolf (1993: 185) listet sie in seiner Sammlung von Textsorten auf, jedoch trifft seine kurze Beschreibung auf Erasmus-Erfahrungsberichte nicht zu, wenn er sie assertiven Texten zuordnet, die sich nicht durch „auf eine vom Textproduzenten zumindest ,mitgemachte‘ Veranstaltung, sondern bloß von außen, in der Rolle eines Beobachters wahrgenommene Ereignisse und Handlungen anderer“ auszeichnen. In einer Fußnote zur Textsorte Erfahrungsbericht bestätigt er dies nochmals, indem er sie als „nicht (primär) auf eine eigene Tätigkeit bezogen, sondern mehr auf das, was dem Textproduzenten zugestoßen ist“ (ibd.) beschreibt. Dies mag für Erfahrungsberichte im medizinischen Bereich vielleicht zutreffen (bspw. Erfahrungsberichte über eine Therapie), aber nicht für einen Auslandsaufenthalt, dem man nicht beobachtend beiwohnen kann, sondern den man selbst aktiv unternimmt.

Es liegt somit auf der Hand, dass eine Textsorte je nach kommunikativer Situation ganz eigene Ausprägungen erhält. Und Erasmus-Berichte stellen nicht die einzigen Erfahrungsberichte aus der Fremde dar. Man denke an Mobilitätsprogramme für Praktikanten, Professoren, Lehrer, Doktoranden, Famulanten etc. Die Eingrenzung auf das Mobilitätsprogramm Erasmus homogenisiert die Autoren- und Zielgruppe in großem Maße, sodass hier Erfahrungen von Studenten für Studenten präsentiert werden, die etwa gleich alt sind und in einer ganz spezifischen Sprache miteinander kommunizieren. So wird hier nicht nur eine erste Analyse der Textsorte Erfahrungsbericht präsentiert, sondern auch ersichtlich, warum die sprachliche und inhaltliche Beschäftigung mit dieser spezifischen Textsorte Erasmus-Erfahrungsbericht im Fremdsprachen-Unterricht äußerst nutzbringend ist: Die Lerner der Fremdsprache, meist selbst Studierende, bekommen einen Einblick in die reale Kommunikation von gleichaltrigen Studierenden in der Zielsprache. Diese können ihnen selbst bei einem Auslandsaufenthalt höchst nützlich sein. Einige didaktische Implikationen runden daher den Beitrag ab.


2 Textsortenanalyse

Definiert man mit Brinker (2005: 138, 143) Textsorten als konventionalisierte komplexe Muster sprachlicher Kommunikation, die aufgrund kommunikativer Bedürfnisse entstanden sind, muss bei der Textanalyse die Textfunktion an erster Stelle stehen. Diesem Ansatz folgen auch Fandrych/Thurmair (2011) bei ihrer Textsortenanalyse. Sie betonen, dass die Textfunktion einen wesentlichen Einfluss auf Struktur und sprachliche Ausgestaltung hat (ibd.: 29). Daher ist die Textfunktion in ihrem Analyseraster immer der Ausgangspunkt der Analyse, während sie andere relevante Kriterien induktiv entwickeln (ibd.: 33). Ich folge mit meiner Analyse diesem Ansatz, der zunächst Kommunikationssituation und Textfunktion(en) beschreibt und dann Textstruktur sowie sprachliche und inhaltliche Merkmale. Bei der Auswahl lasse ich mich wie Fandrych/Thurmair (ibd.: 34) von der Relevanz für die Textfunktion ebenso leiten wie von der Frequenz der Befunde.

Für die Studie wurden 55 Erasmus-Erfahrungsberichte des Ziellandes Spanien1 gesichtet, die auf den Webseiten von universitären International Offices zur Verfügung stehen und im Zeitraum 2007–2015 verfasst wurden. Der größte Teil stammt von der Universität Halle, weitere Berichte von den Universitäten Göttingen, Bayreuth und Hamburg. Dabei nahmen die Berichte der letztgenannten Universitäten eine Kontrollfunktion ein: Da sich die Studierenden vermutlich in Inhalt und Stil an den Berichten ihrer Vorgänger orientieren, sollte damit ausgeschlossen werden, dass es sich bei den gefundenen Merkmalen um einen universitätsgebundenen Stil handelt. Die Beschränkung auf Spanien (oder ein anderes Zielland) ist sinnvoll, wenn man regionalorientiert DaF unterrichtet (siehe dazu Kapitel 3). Die Erasmus-Berichte sind zum Teil sehr umfangreich und umfassen bis zu 20 Seiten. Für eine repräsentative Analyse ist das Korpus dennoch zu klein, aber es konnten die zentralen Textsortenkonventionen und typischen Merkmale auf einer empirischen Basis herausgearbeitet werden. In einem ersten Schritt wurden dazu alle Berichte auf häufig vorkommende Strukturen untersucht. Dabei wurde recht schnell eine unterschiedliche Gestaltung der Berichte erkennbar. Rund ein Drittel der Berichte besteht vorwiegend aus einer komprimierenden Nacherzählung der Ereignisse (hierbei handelt es sich auch um die kürzesten Berichte, z. T. nur drei Seiten), ein weiteres Drittel ist vorwiegend als Ratgebertext zum Auslandsaufenthalt gestaltet, und das letzte Drittel stellt eine Mischform aus beiden dar. Für die weitere Analyse wurden vor allem die Mischform und die dominierend beratenden Texte genauer in den Blick genommen, da sie mehr gemeinsame Merkmale aufweisen als die dominierend erzählenden Texte. Des Weiteren fanden sich natürlich auch stark abweichende Gestaltungen, die zwar den Gestaltungsspielraum der Textsorte illustrieren, aber für eine Beschreibung typischer Merkmale einer Textsorte nicht dienen können.2

2.1 Kommunikationssituation und Textfunktion

Als Bericht gehört die Textsorte Erfahrungsbericht zur Textsortenklasse der Informationstexte (Brinker 2005: 145). Erfahrungsberichte werden in den verschiedensten Bereichen der Alltagswelt verfasst und umfassen damit verschiedene Themen, Inhalte und Gruppenzugehörigkeiten genauso wie unterschiedliche Kommunikationsformen. Da sich diese unterschiedlichen Zugehörigkeiten und Entstehungskontexte auf eine Textsorte stark auswirken (man denke z. B. an Erfahrungsberichte im medizinischen Bereich, in der Ausbildung oder über technische Geräte), kann der Erasmus-Erfahrungsbericht als Textsortenvariante des Erfahrungsberichts klassifiziert werden. Der Kommunikationsbereich von Erasmus-Erfahrungsberichten ist die Hochschule. Die Erfahrung über einen Studien-Auslandsaufenthalt wird von Absolventen verschriftlicht3 und über die Webseiten der Universitäten öffentlich zugänglich gemacht, wodurch eine öffentliche Kommunikationssituation entsteht. Die Textproduzenten bleiben meist nicht anonym – im Fall der Berichte der Universität Halle sind die Namen der Verfasser immer angegeben, an anderen Hochschulen wie z. B. Hamburg und Bayreuth ist die Angabe des Verfassers nicht immer gegeben.4 Die Textrezipienten sind Studierende, die einen Auslandsaufenthalt absolvieren möchten. Damit werden also hier Texte von Studierenden für Studierende geschrieben, was Auswirkungen auf den Stil der Berichte hat: Die Zugehörigkeit zur gleichen Altersgruppe und zur gleichen Bildungsinstitution begünstigt einen informellen Schreibstil.

Die Funktion dieser Berichte wird von den Institutionen selbst beschrieben. So schreibt die Hochschule Halle: „Die Erfahrungsberichte ehemaliger ERASMUS-Studenten liefern Informationen aus erster Hand. Sie bieten die Möglichkeit, wirkliche Insider-Infos bereits vor dem Aufenthalt zu erfahren“ (MLU Halle-Wittenberg s. a.). Auf dem Deckblatt der Berichte wird die Textfunktion Informieren nochmals wiederholt. Diese Funktion wird auch in den Texten selbst häufig von den Textproduzenten thematisiert und um die instruierende Funktion ergänzt: Der Text soll nicht nur informieren, sondern auch helfen und Tipps geben, womit die Textfunktion Instruieren relevant wird. Diese textfunktionsspezifischen Metakommentare sind vor allem in der Einleitung und am Ende der Erasmus-Erfahrungsberichte häufig zu finden:

1)Hi, ich bin Fritz und ich freue mich, dass du meinen Erfahrungsbericht liest. Ich hoffe, er hilft dir beim Planen deines Auslandsjahres weiter!
2)Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in mein ERASMUS-Jahr in Spanien geben und vielleicht ist der eine oder andere Tipp hilfreich.

Die nächsten Metakommentare beinhalten auch das Handlungsziel der Texte. Die Texte sollen helfen, die Wahl des Studienortes zu erleichtern und Fehler zu verhindern:

3)Er [der Erfahrungsbericht] soll euch lediglich einen Einblick in die Möglichkeiten bieten, die dieser wundervolle Ort für euch bereit hält und euch gleichzeitig die Entscheidung für Spanien und vor allem für Sevilla erleichtern.
4)Vielleicht könnt Ihr dahingehend von meinem Bericht profitieren, indem ihr die von mir gemachten Fehler einfach umgeht.

Dass die dominanten Textfunktionen von Erasmus-Erfahrungsberichten Informieren und Instruieren sind, wird auch am institutionell vorgegebenen Gliederungsvorschlag deutlich, der im nächsten Abschnitt behandelt wird.

2.2 Textstruktur

Die Struktur der Erfahrungsberichte richtet sich inhaltlich meist nach dem Gliederungsvorschlag, der von der Universität Halle auf dem Deckblatt der Berichte angegeben ist.5 Dieser Gliederungsvorschlag beinhaltet:

1.Formalitäten (vor der Abreise, Einschreibung, Versicherung, Papiere)
2.Unterkunft (Wohnheim oder privat, Preis, Qualität, Tipps)
3.Lehrangebot, Kurswahl, fachliche Betreuung an der Gasthochschule
4.Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen an der LMU
5.Sonstiges: Wertung, Kritik, Schwierigkeiten, Namen und Adressen von wichtigen Ansprechpartnern

Nahezu alle gesichteten Berichte modifizieren und/oder erweitern dieses Spektrum jedoch. Die Berichte beginnen mit einer Überschrift, meist Städtenamen, Titeln wie Mein Jahr in (Stadt), dem Namen der Textsorte selbst, Liedzeilen (Sevilla tiene un color especial) oder Mottos (Wenn dir Donosti nicht gefällt, gefällt dir keine Stadt der Welt). Dabei sind die Überschriften graphisch hervorgehoben, manchmal auch ausgefallen gestaltet. Nicht selten werden diese Überschriften von einem Foto begleitet, wie überhaupt Fotos von Landschaften oder Städten in fast allen Berichten und auf mehreren Seiten zu finden sind.

Nachfolgend steht meist eine Einleitung. Bei diesen Einleitungstexten kann es sich um verschiedene Texte handeln. Häufig sind Orientierungstexte, wie sie auch in Reiseführern zu finden sind (Fandrych/Thurmair 2011: 55–58). Laut Fandrych/Thurmair (ibd.: 55) beinhalten diese Texte Orientierungswissen über die wesentlichen Merkmale und Attraktionen des Ziellands sowie für die Reiseplanung; außerdem sollen sie eine „positive Grundeinstellung“ bezüglich des Reiseziels schaffen, was sie in die Nähe von Werbetexten rückt. In den Erasmus-Berichten im Korpus zeigen die Orientierungstexte die gleichen Merkmale. Während einige auch für ihre Stadt „werben“, weisen andere auch Merkmale von Hintergrundtexten (ibd.: 62–63) auf, die meist historischer Natur sind. Der folgende Ausschnitt ist ein Beispiel für einen werbenden Orientierungstext:

5)Córdoba ist eine wundervolle Stadt, in ihrer Verschlafenheit zauberhaft und voller Kultur. Historisch, geprägt von jüdischer, arabischer und christlicher Geschichte. Die Straßen und Plätze, die kleinen verwinkelten, nachts von warmem Licht erleuchteten Gassen, inspirieren ungemein, um kreativ zu werden. Es ist großartig, einfach ein paar Stunden auf der Corredera in der Sonne zu sitzen, zu zeichnen und einer Gruppe mit Flamenco-Musik zu lauschen.

Das nächste Beispiel zeigt die Vermischung von Orientierungstext und historischer Hintergrundinformation:

6)Der zwischen den letzten Ausläufern der Pyrenäen und dem Golf von Biskaya gelegene traditionelle Badeort zählt zwar nur etwa 190.000 Einwohner, gehört aber aufgrund seines kulturellen Reichtums, seiner architektonischen Vielfalt und Naturnähe neben Madrid und Barcelona zu den teuersten Städten Spaniens. Und damit sind wir schon an einem problematischen Punkt angelangt: Gehört San Sebastián überhaupt zu Spanien? San Sebastián befindet sich in der comunidad autónoma „País Vasco“. Das Baskenland ist jedoch nicht nur sozusagen ein Bundesland mit gewissen Sonderrechten, sondern darüber hinaus auch und vor allem eine ganz einzigartige Sprach- und Kulturgemeinschaft, welche sich zudem weit in den Süden Frankreichs hinein erstreckt. Nach jahrzehntelanger Unterdrückung durch die faschistische Diktatur General Francos bemühen sich die „spanischen“ Basken seit den 70er Jahren um Rückgewinnung ihrer kulturellen Identität.

Sehr häufig dient auch die Angabe von Gründen für ein Erasmus-Jahr und das Procedere bis zur Akzeptanz des Platzes als Einleitungstext. Diese Variante ist in den narrativ gestalteten Berichten die häufigste Art der Einleitung:

7)Ende Januar entschied ich mich, mich für ein Erasmusstipendium zu bewerben und im Ausland zu studieren. Da ich Soziologie und Erziehungswissenschaften im Doppelbachelor studiere, musste ich mich für einen Studiengang entscheiden und da ich für zwei Semester nach Spanien gehen wollte um mein Spanisch aufzufrischen, fiel meine Wahl auf Soziologie. Ich bewarb mich bei meinem Fachkoordinator für ein ganzes Jahr, gab aufgrund des Studienangebotes und des Klimas als erste Wahl die Universitat de València an, [...]. Im März erhielt ich schon die Zusage für València, bei der ich mich bis zum Ende Juni online bewerben musste und angenommen wurde.

Nachfolgend stehen organisatorische Aufgaben vor der Abreise (Formalitäten, Versicherung), die Anreise, die Wohnungssuche und die Formalitäten an der Universität am Zielort, häufig wird auch dem Thema Handy und Internet ein eigener Abschnitt gewidmet. Anschließend wird das Thema Freizeit abgehandelt, hier vor allem die Teilthemen Reisen in Spanien und Ausgehen. Hier weicht die Struktur aller Berichte vom Gliederungsvorschlag der Universität Halle ab, welche diese Teilbereiche nicht vorsieht. Unter der Rubrik Sonstiges werden häufig kulturelle Unterschiede angeführt (siehe Kapitel 2.3.4). Das Vergleichen deutscher und spanischer Verhältnisse ist aber auch sonst eine wiederkehrende thematische Konstante in allen Abschnitten der Berichte.

Die eben angeführten Abschnitte nehmen in ihrer sprachlichen und inhaltlichen Gestalt eine Mischform aus Orientierungstexten und Ratgebertexten an. Während die Einleitungen Interesse für den Zielort wecken und von ihm überzeugen sollten, dienen diese als Hilfestellung für die Planung des Aufenthalts und den Aufenthalt selbst. Wie Ratgebertexte in Reiseführern

sollen sie versuchen, die Leser mit der wichtigsten praktisch relevanten Information zu versorgen und besonders häufig auftretende Fragen und Problemstellungen, die im weitesten Sinne im Zusammenhang mit der Reise auftreten können, zu antizipieren und in realistischer Weise Lösungsvorschläge und Handlungspläne bereitzustellen.

(Fandrych/Thurmair 2011: 63)

Anders jedoch als Ratgebertexte in Reiseführern, die laut Fandrych/Thurmair (ibd.: 64) durch ihren unpersönlichen Stil an Instruktionstexte erinnern, richten sich die Ratgebertexte in den Erasmus-Erfahrungsberichten direkt an den Leser. Dabei sind sie mit eigenen Erfahrungen verknüpft. Dadurch kommt es zu einer ganz spezifischen Kombination der Vertextungsstrategien: Narration (8) oder Deskription (9) zur Wiedergabe eigener Erfahrung und Instruktion für Empfehlungen an den Rezipienten:

8)Für die Bewerbung schaute ich einfach auf der Internetseite meiner Fakultät nach was alles einzureichen war. Ich empfehle euch dies frühzeitig zu erledigen, da der Bewerbung Fristen gesetzt sind.
9)Die Mieten sind meist sehr günstig. Eine Wohnung in Meergegend würde ich nicht empfehlen.

Am Ende der Berichte stehen häufig Wünsche und Empfehlungen, die mit Appellen (10, 11) sowie abschließenden Bewertungen des Aufenthalts verbunden sein können (12, 13):

10)Ich wünsche dir alles, alles gute für deinen Auslandsaufenthalt. Mach dir nicht so einen Kopf bei der anfänglichen Überforderung. [...] Für mich war die Zeit einer der schönsten in meinem Leben. Das wünsche ich dir auch!
11)Ich rate jedem, diese Möglichkeit zu nutzen. Sei es in Cáceres oder sei es in einer anderen Stadt. NUR MACH ES!!!!
12)Aber alles in allem was es eine tolle und erfahrungsreiche Zeit, die ich nur jedem empfehlen kann!
13)Als Fazit aus meiner Zeit in Vigo kann ich nur sagen, dass es eine geniale Zeit war die ich um nichts missen möchte und ich auch jedem empfehlen kann ein oder besser zwei Semester in Vigo zu studieren.

Sehr zahlreich stehen am Ende der Berichte auch Bemerkungen zur Persönlichkeitsentwicklung, wobei hier meist die Bereiche Gelassenheit und Flexibilität (14) sowie Perspektivenerweiterung (15) durch den Aufenthalt eine Rolle spielen:

14)Auch persönlich hat mich das Auslandssemester deutlich weitergebracht. Ich bin deutlich flexibler und bei Dingen, die nicht zu ändern sind, gelassener geworden.
15)Abschließend kann ich sagen, dass dieses Auslandssemester es mir ermöglichte mich persönlich weiter zu entwickeln und eine andere Sichtweise auf Deutschland bzw. Europa einzunehmen.

Resümierend kann über die Textstruktur gesagt werden, dass die Studierenden sich in hohem Maße inhaltlich an die vorgegebene Gliederung halten, sie aber durch Vorbemerkungen, Einleitungen und die Themen Beschreibung der Stadt, Reisen in Spanien und Ausgehen sowie ein Resümee, das kulturelle Unterschiede thematisiert, erweitern. In einigen Texten finden sich außerdem Metakommentare zur Textsorte, die sich auf Unsicherheit über die Realisierung der Textsorte (16) oder auf vom Textproduzenten als abweichend von der Textsortenkonvention empfundene Aussagen beziehen (17 und 18):

16)Hier kommt also mein Erfahrungsbericht. Aber wo soll ich anfangen?
17)Zum Abschluss kann ich es mir nicht verkneifen, einige persönliche Empfindungen wiederzugeben, welche auf die Besonderheit des Ortes zurückzuführen sind.
18)Ich möchte in meinem Erfahrungsbericht nicht zu sehr mit Organisatorischem langweilen, sondern nur einige Infos geben, über die ich mich vielleicht im Vorfeld gefreut hätte.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass vereinzelte Erfahrungsberichte erheblich von dem hier dargestellten Muster abweichen, da sie durchgehend narrativ gestaltet sind. Der Erasmus-Aufenthalt wird als Abenteuerreise inszeniert, der eher einem Reisebericht zuzuordnen ist, wie Beispiel (19) zeigt:

19)Am 12. Februar 2014 ging für mich mein Abenteuer, morgens früh am Flughafen in Düsseldorf, los. Ganz nach spanischer Art und nur halb durchgeplant bin ich nachmittags gelandet. Zuvor hatte ich mir bereits im Internet, mit Hilfe einer Facebook-Gruppe, eine Wohnung gesucht, mir jedoch nur die Adresse aufgeschrieben und wusste nun nicht so recht, wie ich dort hinkommen kann. Mit meinem, anfangs noch sehr gebrochenem Schulspanisch, hab ich mich dann am Flughafen durchgefragt und niemand konnte mir mit der Adresse weiterhelfen.

Diese von der Mehrheit abweichenden Texte illustrieren, dass die Textsorte Erasmus-Erfahrungsbericht einen großen Gestaltungsraum aufweist, da abweichende Vertextungsstrategien nicht sanktioniert werden.

2.3 Sprachliche Merkmale

Im Folgenden werden diejenigen sprachlichen Merkmale aufgeführt, die durch ihre Frequenz auffallen, und die somit als textsortenspezifisch und textsortenfunktional einzustufen sind (Fandrych/Thurmair 2011). Vorweg sei gesagt, dass die Texte in großem Maße Merkmale „konzeptioneller Mündlichkeit“ (Koch/Oesterreicher 1985) aufweisen, von denen viele auch im „Parlando“-Konzept von Sieber (1998) beschrieben werden6. Laut Sieber (ibd.: 51–52) zeichnen sich Parlando-Texte u. a. durch folgende Merkmalbündel aus: Unachtsamkeit gegenüber korrekter Orthographie und Interpunktion7; Orientierung an einem allgemeinen Wortschatz, aber auch Fachwortschatz und fremdsprachliche Lexeme; direkte Ansprache des Lesers, Teilhabe an seinen Gedankengängen; Darstellung eigener Sichtweisen und Standpunkte; möglichst viele Aspekte statt Vertiefung. Im folgenden Abschnitt werden diese Elemente von Parlando und konzeptioneller Mündlichkeit vorgestellt.

2.3.1 Verwendung von nähesprachlichen Formen

Unter diesem Abschnitt möchte ich alle Phänomene zusammenfassen, die der Informalität der Texte Ausdruck verleihen. Dabei handelt es sich um Anredeformen, die Verwendung von Emoticons, Umgangssprache sowie grammatikalische und syntaktische Phänomene.

In allen Erfahrungsberichten meines Korpus wird ausnahmslos die Anrede du/ihr verwendet:

20)In der Nähe des Paseos ist auch der ERASMUS-Club La Classica zu finden, in welchem du immer freien Eintritt hast.
21)Um an die Uni zu kommen, müsst ihr mit dem Bus fahren, da sie etwas außerhalb der Stadt liegt.

Diese nähesprachliche Anrede ist auf die schon erwähnte gemeinsame Gruppenzugehörigkeit von Textproduzent und Textrezipient als Studierende zurückzuführen. Diese Gemeinsamkeit führt auch manchmal dazu, dass der Leser direkt angesprochen wird:

22)Hi, ich bin Fritz und ich freue mich, dass du meinen Erfahrungsbericht liest.
23)So, so - es soll also nun auch für dich nach Spanien gehen?
24)Du hast dich also entschieden ein Auslandssemester zu machen - Es folgt die große Frage: „Wohin?“

Als nähesprachliche Form wird hier auch die Verwendung von Emoticons8 aufgeführt, die man sonst nur in privater oder informeller Kommunikation wie Emails, SMS, Online-Foren und Chats erwarten würde. Die Emoticons dienen in vielen Fällen der Klarstellung des Aussagegehalts der Sätze. Diese Funktion taucht besonders bei ironischen (25), humorvollen (26) oder übertreibenden (27) Sätzen auf, die missverstanden werden könnten:

25)Fragt einfach dort nach und man wird euch (wenn ihr Glück mit eurem/er Bearbeiter/in habt...) helfen. ;)
26)Oben links erstmal auf Englisch umstellen (das hilft im Nachhinein übrigens nicht, es bleibt fast alles trotzdem auf Spanisch ^^)
27)Aber Vorsicht! Madrid hat magische Kräfte! Du wirst dich in diese Stadt höchstwahrscheinlich sofort verlieben und sie wird dich in ihren Bann ziehen😊

In den nächsten Beispielen handelt es sich um eine unterstützende Motivierung:

28)Aber das ist alles zu schaffen😊
29)Damit hast du wohl eine der besten Entscheidungen deines Lebens getroffen😊

Auch Wünsche werden mit dem Smiley verstärkt:

30)Viel Glück dabei😊
31)Also viel Spaß bei eurem eigenen Abenteuer😊

Positive Folgen von Handlungsempfehlungen werden ebenfalls mit dem Smiley intensiviert:

32)Ich würde euch empfehlen, euch so schnell wie möglich Gedanken über euer Abreisedatum zu machen. Je eher ihr bucht, um so mehr spart ihr😊
33)Weiterhin habt ihr somit immer einen Ansprechpartner und eine Art Ersatzfamilie in Spanien😊

Auch die Lexik der Texte ist stark von der gemeinsamen Gruppenzugehörigkeit geprägt. So finden sich viele umgangssprachliche Lexeme, die laut Fandrych/Thurmair (2011: 299) dem Ausdruck von Informalität, Lockerheit und Sprachwitz dienen sollen. In diesem Bereich dürften vor allem die umgangssprachlichen Ausdrücke des Universitätsalltags für DaF-Lerner mit Studienziel Deutschland von Interesse sein – schließlich sind diese Lexeme Bestandteil des realen Sprachgebrauchs von Studierenden. Gerade sie im DaF-Unterricht zu thematisieren, trägt zur kommunikativen Kompetenz für einen Studienaufenthalt in Deutschland bei.

Folgende alltagssprachliche Wörter aus dem Kontext des Universitätsalltags tauchen in den Texten auf: Formalkram, den ganzen Kram und Papierkram für ,Formalitäten’, das Ding (meist auf ,Antrag’ bezogen), Bafög-Leute (,Bafög-Bezieher’), abhaken (,erledigen’), Unizeug (,Hausaufgaben’), Erstie9 (,Student im ersten Semester’), sich reinhängen (,sich Mühe geben’). In den Bereich des Universitätsalltags fallen auch Abkürzungen wie Uni für ,Universität’, Prof für ,Professor’ und Immabescheinigung für ,Immatrikulationsbescheinigung’.

Die folgenden Lexeme sind der allgemeinen Umgangssprache von Studierenden zuzuordnen: funzen (,funktionieren’), hinbekommen (,schaffen’), Euronen (,Euro’), zugespammt werden (,Spam-Emails erhalten’), rennen (,gehen’), Perso (,Personalausweis’), Zeugs (,Sachen’), Zweck-WG (,Wohngemeinschaft ohne geteiltes Sozialleben’), WG-Casting (,Vorstellung bei einer WG’), ein absolutes No-Go (,Tabu’), klarkommen (,gut zurechtkommen’), quatschen (,reden’), kein großer Akt (,kein großer Aufwand’), vortrinken und vorglühen (,vor dem Ausgehen Alkohol trinken’), cool (je nach Kontext: ,gelassen’, ,in Ordnung’), ordentlich reinhauen (,Alkoholkonsum, der stark zu Kopfe steigt’), trinkfest (,viel Alkohol vertragen’), Live-Schuppen (,Lokal mit Live-Musik’), krass (je nach Kontext ,extrem gut’ oder ,extrem schlecht’), abhängen (,nichts tun’), einen Bus schnappen (,in einen Bus steigen’), verschlafen (,verpassen’), ab vom Schuss liegen (,sich nicht im Zentrum befinden’), versacken (,an einem Ort hängenbleiben’), nur einen Katzensprung entfernt (,nahe’), für normal Sterbliche (,für normale Leute’), abklappern (,Orte der Reihe nach aufsuchen’), abzocken (,ausnehmen’), verkneifen (,sich eine Äußerung verbieten’), keinen blassen Schimmer haben (,etwas nicht wissen’) , kriegen (,bekommen’), aufgeschmissen sein (,sich in einer schwierigen Lage befinden’), sich einen Kopf machen (,sich Sorgen machen’), supi-dupi (,super’) und das Suffix -technisch (geld- und lerntechnisch, esstechnisch) für ,bezogen auf’.

Außerdem finden sich vielfältige alltagssprachliche Formulierungen für Augmentationen. Am häufigsten ist hier die Intensivierung durch das Augmentationspräfix super-: superlocker, supersubjektiv, superinteressant, superlecker, supergroß, superschön. Des Weiteren tauchen Intensivierungen mit mega- (megaüberteuert), verdammt (verdammt viele), rappel- (rappelvoll), total (total herzlich, total in Ordnung, total die Katastrophe) und sau- (sauwohl) auf. Laut Betz (2006: 83) dienen die Augmentationspräfixe der Beeinflussung des Lesers, indem die Emotionen verstärkt werden, und die Gradpartikeln zur Betonung der Ehrlichkeit der Aussage (ibd.: 94). Als Beglaubigungsstrategien werden auch echt und wirklich verwendet.

Elemente der gesprochenen Sprache werden auch auf Silben-Ebene sichtbar. Hier sind Elisionen zahlreich, vor allem Apokopen (34) und allomorphe Wortverkürzungen (35–37):

34)[...] hab vergessen wie er auf Spanisch heißt.
35)Ich habs damals einfach mal angehakt obwohl ichs sonst nicht machen würde.
36)Vorm Abschicken [...]
37)[...], die machen euch ne Kopie davon.

Nachahmung gesprochensprachlicher Phonetik findet sich selten, dennoch kommt sie vor, bspw. prosodische Hervorhebung durch Großschreibung (s. Beispiel 11), Akzentsetzung mit Ausrufezeichen im Satz (und vorm postalischen Wegschicken unterschreibt (!) ganz unten unter dem Riesenkasten!) sowie Graphemwiederholungen (gar nicht soooo wichtig).

Auffallend häufig sind Vagheits- oder Heckenausdrücke mit dem Indefinitadverb irgend (38) und oder so (39) sowie die Einschränkung der Aussage durch das Verb glauben (38 und 40). Der Grund für deren Verwendung liegt in der Unsicherheit über die Aussage oder in der Unfähigkeit, sich genau zu erinnern:

38)Ihr bekommt glaube ich auch noch irgendeinen Umschlag mit Papieren [...].
39)Ich vermute einfach mal, dass die Erasmus-Organisation „ESN“ dann die Mailadresse oder so bekommt.
40)Man konnte sich glaube ich drei von vier raussuchen [...].

Eine weitere gesprochensprachliche Form, die mehrmals im Korpus auftaucht, ist schließlich die gesprochensprachliche Alternativformel nix:

41)Man versteht so gut wie nix.
42)Agrarlandschaften. Ach ja und Agrarlandschaften. Hab ich schon Agrarlandschaften gesagt? Da is einfach nix.

Schließlich finden sich auch viele Gesprächswörter wie mal (39, 43), ach ja (42), ja (44) und naja (45):

43)Ich fange jetzt mal an dem Punkt nach der Bekanntgabe [...] an.
44)Das heißt ja nicht, dass es einem übermäßig gefallen muss.
45)...naja, man mag davon halten, was man will

Was die Syntax betrifft, fallen viele Kurzsätze ohne Prädikat auf, vor allem bei Aufzählungen (46), Verweisen auf neue Themen (47), Beispielen (48) oder Links (49):

46)Bis dahin erstmal.
47)Grundsätzliches zur Kursauswahl: [...]
48)Hier mal eine Klickkette: [...]
49)Hier erstmal der Link zur Facultad de Sciences Sociales: [...]

2.3.3 Lexikalische Besonderheiten

Während der Gebrauch von Anglizismen als eher gering einzustufen ist (als Beispiele seien jazzy, first things first, socializen, Hotspot, locations, mainstreamig und worst case angeführt), ist der Gebrauch von Lexemen aus der Zielsprache äußerst hoch. Der Gebrauch der – da Spanien das Zielland ist – spanischen Lexeme bei universitätsbezogenen Themen mag auf das Fehlen des Wortes im deutschen Universitätsalltag, die Schwierigkeit der Übersetzung oder die einfachere, weil kürzere Form im Spanischen zurückzuführen sein. Zudem können die Textproduzenten davon ausgehen, dass der Textrezipient den Text liest, weil er in Spanien studieren möchte, und somit zumindest elementare Spanischkenntnisse vorhanden sind. Für den Textrezipienten hat dies auf jeden Fall den Vorteil, wichtige Begriffe für Formalitäten im Zielland kennenzulernen. Beispiele für diesen Bereich sind Impreso de Solicitud, Impreso de inscripción und Acuerdo académico, curso. Auch finden sich landestypische Bezeichnungen für Einwohner einer Stadt (Sevillanos, Madrileños) und Bezeichnungen, die andere Konzepte als im Deutschen beinhalten (caña, polígono). Auch sehr frequent sind Übersetzungen von Lexemen (50) und Phrasen (51):

50)Jedes akademische Jahr wird in zwei Semester (cuatrimestre) geteilt.
51)No te preocupes! - Mach dir keine Sorgen!

Natürlich geben diese eingestreuten fremdsprachlichen Lexeme dem Text auch einen weltläufigen Charakter und demonstrieren die fremdsprachliche Kompetenz des Textproduzenten.

Abgesehen von alltagssprachlichen Bezeichnungen gibt es in den Texten auch viele Wörter, die für die Bewältigung des universitären Alltags unabdinglich sind, wie Studentenwerk, ausfüllen, Nachweise, beantragen, Anspruch, Antrag, Semesterbeitrag, Stempel, Immatrikulationsamt, Frist, Rückmeldung, Semester, WS/SS, bewerben, registrieren, Krankenversicherung, Krankenversicherungskarte, in Anspruch nehmen, Auslandskrankenversicherung, einschreiben, Studienplan, Vorlesungszeit, Prüfungsplan, Stundenplan, Hausarbeit, Klausur, Anerkennung von Studienleistungen.

2.3.3 Formulierung von Ratschlägen

Da eine dominierende Funktion von Erasmus-Erfahrungsberichten die Instruktion ist10, ist die Formulierung von Ratschlägen ein äußerst frequentes Merkmal dieser Textsortenvariante. Aufgrund der hohen Anzahl dieser Handlungsempfehlungen müssen die Textproduzenten viele verschiedene sprachliche Mittel verwenden, um zu viele Wiederholungen zu vermeiden. Es findet sich also in den Texten eine Vielzahl von sprachlichen Möglichkeiten, Ratschläge zu geben. Die wohl häufigste Formulierung dafür ist die Verwendung des Modalverbs sollen im Konjunktiv II (52) und (53):

52)Ihr solltet wirklich darauf achten, dass euer Zimmer und die Wohnung generell mit Heizungen ausgestattet sind, da es im Winter in Madrid schon einmal sehr kalt werden kann.
53)Die Wahl solltest du auch daran festmachen, ob du vielleicht schon Grundlagen der entsprechenden Sprache beherrschst.

Für die sprachliche Gestaltung dieser Ratschläge sind auch sehr zahlreiche Imperativkonstruktionen zu finden. Wie oben bereits beschrieben, werden diese Konstruktionen im vorliegenden Korpus ausnahmslos mit der Näheform du/ihr ausgeführt:

54)Lest aus diesem Grund bitte sorgfältig alle Emails und achtet vor allem auf die angegebenen Fristen.
55)Organisiert euch VORHER eine Wohnung.
56)Stürzt euch ins internationale Getümmel. Knüpft spanische Freundschaften, je mehr man mit der “fremden” Sprache in Kontakt steht, desto mehr lernt man dazu.

Die nächsten sehr frequenten Formulierungen sind die Sprachhandlungstypen Raten (57 und 58) und Empfehlen (59 und 60), wobei beide häufig auch im Konjunktiv II mit würde11 oder in Verbindung mit dem Modalverb können stehen. In den beiden letztgenannten Konstruktionen handelt es sich um Höflichkeitsformen, da die direkte Aufforderung abgemildert wird:

57)Ich rate jedem, diese Möglichkeit zu nutzen.
58)Abschließend kann ich jedem raten, sich für Sevilla zu entscheiden, sei es zum Studium, um die Sprache zu lernen oder einfach nur als Tourist.
59)Ich würde euch empfehlen, euch so schnell wie möglich Gedanken über euer Abreisedatum zu machen.
60)Meine vier Monate Santander waren wirklich toll und ich kann es nur jedem empfehlen ein Erasmus-Semester zu machen und den Blick über den Tellerrand zu wagen.

Weiterhin findet sich häufig auch die implizite Form der Äußerung von Handlungsoptionen:

61)So ist es empfehlenswert ein Konto bei der Deutschen Bank zu eröffnen, denn es gibt in Cáceres 2 Automaten, an welchen ihr kostenlos Geld abheben könnt.
62)Danach ist es ratsam sich zum International Office zu begeben.
63)Außerdem wäre es wichtig, wenn ihr euch vor eurem Auslandsaufenthalt über die Leistungen eurer Bank erkundigt.

Auch nahelegen und ans Herz legen sind wiederkehrende Formulierungen für Ratschläge:

64)Ansonsten kann ich euch nur ans Herz legen euch bereits vorher in die ganzen Facebook- Gruppen einzutragen
65)Des Weiteren lege ich euch nahe, vor eurem Erasmusaufenthalt schonmal ein paar Sprachkenntnisse zu sammeln.

Als weitere Alternative zur Formulierung von Ratschlägen, die häufiger auftritt, ist der Infinitiv (66 und 67) zu nennen:

66)Generell gilt: Alles genauestens nachfragen!
67)Passbilder mitnehmen, die werden bei jeder Gelegenheit nachgefragt!

Als letzte Möglichkeit des Ratschlags sei hier noch am besten aufgeführt:

68)Allerdings konnte ich mir hier von den gemachten Scheinen nichts anrechnen lassen und besuchte daher die Vorlesungen, die mir interessant erschienen. Am besten redet ihr bezüglich der Kurswahl mit eurer Fachkoordinatorin.
69)Was das Learning Agreement angeht, wendet Euch am Besten an Frau Niklas vom Studiendekanat.

2.4 Kulturbeschreibungen und -vergleiche

Nahezu alle Berichte thematisieren kulturelle Eigenheiten und Unterschiede. Je nach Zielland werden hier natürlich ganz unterschiedliche Themen angesprochen. In den Erasmus-Erfahrungsberichten mit Zielland Spanien reichen sie von spanischen Charaktereigenschaften über (meist als desolat angesehene) Wohnungen, das ungewohnte Verhandeln von Preisen, das Fehlen von Fahrplänen, den Universitätsalltag, das Zeitgefühl, das geringere Alter der spanischen Studierenden und die damit (wahrgenommene) einhergehende Unselbständigkeit, (als defizitär empfundene) Fremdsprachenkenntnisse der Spanier, das Verhalten gegenüber Fremden, Dialekte, die Schwierigkeiten der Kommunikation und die veränderte Sicht auf Deutschland durch den Aufenthalt. Die im Korpus aufgefundenen Beispiele sind so zahlreich, dass hier nur ein kleiner Einblick in die thematische Breite gegeben werden kann. Charaktereigenschaften der spanischen Bevölkerung tauchen naturgemäß meist in Form von Generalisierungen und Stereotypen auf:

70)Die Spanier, ob jung oder alt, sind alle nett und hilfsbereit, vor allem, wenn sie bemerken, dass man Ausländer ist.
71)Wenn man in Nordspanien lebt merkt man schnell, dass der Nordspanier reservierter ist als der Südspanier.
72)Die Sevillanos fangen gerne schon um die Mittagszeit mit einer caña an und trinken bis spät in die Nacht.

Auch werden die Verhältnisse im Zielland durch die Folie der eigenkulturellen Erwartungen beschrieben:

73)Man darf nicht die Vorstellung haben, dass man die deutsche Reinlichkeit in den vier Wänden in Spanien finden wird. Auch ich musste mich daran erst gewöhnen.

Kulturvergleiche werden in den Bereichen gezogen, die als sehr unterschiedlich, problematisch oder auch angenehm wahrgenommen wurden. Als häufig wiederkehrendes Thema taucht hier das unterschiedliche Zeitgefühl auf. Das von der eigenen Erwartung abweichende Verhalten wird generalisiert und oft mit den Temporaladverben schon (72), erst und bereits (75) markiert:

74)Die Kultur unterscheidet sich doch sehr von unseren deutschen Gewohnheiten. Die Spanier leben mehr in den Tag hinein, haben meist keine Eile und der (sic!) Lebensmittelpunkt bildet die Freizeit, die sich hauptsächlich in Tapas-Bars abspielt.
75)Doch da fängt das Problem auch schon an, die Madrileños gehen erst sehr spät aus dem Haus. So ist um 01.00 Uhr kaum jemand bereits in den Clubs.
76)Generell ist das Zeitgefühl ein anderes in Madrid. Falls ihr euch also mit Spaniern zum Abendessen verabreden solltet, dürft ihr euch nicht wundern (sic!) wenn ihr euch frühestens um 22 Uhr trefft.
77)In Málaga geht es da ein bisschen chaotischer und vor allem langsamer zu, aber keine Panik kriegen. Das ist die erste Kostprobe des mediterranen Tempos. 😊

Natürlich werden auch Unterschiede im Universitätsalltag beschrieben. Hier thematisieren die Studierenden vor allem die Beziehung von Professoren und Studenten an spanischen Hochschulen, deren größere Nähe sich vor allem im unterschiedlichen Anredeverhalten (duzen und Anrede mit dem Vornamen) widerspiegelt:

78)Ich empfand das Verhältnis zwischen Studenten und Dozenten als locker und angenehm, jedoch war es für mich wirklich ungewohnt meinen Dozenten zu duzen.
79)An der Uni war das Verhältnis zwischen Studierenden und Professoren anders, als ich es in Deutschland gewohnt bin. Man spricht die Professoren mit Vornamen an und allgemein hatte ich das Gefühl, dass es ein lockereres Verhältnis zwischen Studierenden und Professoren gab, als dass ich es von Deutschland kenne.

Allgemein wird das spanische Hochschulsystem als „verschulter“ beschrieben:

80)Wer noch die Magisterstudienordnung aus Deutschland kennt und nun im Baskenland einen völlig verschulten Unibetrieb erlebt, wird sich keinen größeren Kontrast vorstellen können.
81)Das System ist sehr gewöhnungsbedürftig. Noch extremer als bei uns in der Schule. Man sitzt mit ca. 30-40 Leuten in einem Kurs und je nach Professor kann es dann auch passieren, dass er die Namensliste durchgeht und jemanden aufruft, der dann eine Frage beantworten muss. Generell herrscht Anwesenheitspflicht, was auch recht strikt kontrolliert wird.

Ein weiteres oft behandeltes Thema, das kulturelle Unterschiede beinhaltet, ist Miete, Zustand und Ausstattung von Wohnungen:

82)Von der Qualität der Wohnungen in Nordspanien dürft ihr nicht zu viel erwarten. Sicherlich gibt es auch topsanierte und moderne Wohnungen, die dann natürlich auch in einer anderen Preissparte liegen. Im Großen und Ganzen sind die Wohnungen aber eher spartanisch und altmodisch eingerichtet, was aber für die paar Monate für mich ausreichend war.
83)Worauf man sich definitiv einstellen muss, sind chaotische Verhältnisse: Oft ist gar nicht klar, wen man gerade am Telefon hat, meistens jedoch den Vermieter, selbst organisierte Wgs sind selten. Weiterhin darf man nicht mit der hier gängigen Auswahlprozedur rechnen: Die Vermieter entscheiden meist selbst, wer einzieht, oftmals auch, ohne die Mitbewohner zu fragen.

Das Zusammenleben in den WGs wird ebenfalls als abweichend von Deutschland beschrieben. Zum einen gibt es keine „WG-Castings“, zum anderen ist das Zusammenleben nicht so eng wie in Deutschland:

84)Meine anderen zwei Mitbewohner hab ich eher selten zu Gesicht bekommen, da sie am Wochenende immer nach Hause fuhren und weder sehr offen, gesprächig, noch kochfreudig waren.
85)Die Spanier selbst sind relativ anspruchslos, was ihre Mitbewohner angeht, allerdings sollte man aufpassen, nicht von den Vermietern als Erasmus-Student abgestempelt und abgezockt zu werden.

Die generalisierenden Aussagen zu kulturellen Unterschieden werden mit den sprachlichen Mitteln man, generell, allgemein und dem Passiv realisiert. Die spanischen Verhältnisse werden häufig ausgehend von eigenkulturellen Normalitätserwartungen mit gewöhnungsbedürftig, kein größerer Kontrast, jedoch, Negationen (anspruchslos, weder-noch, nicht gängig) beschrieben. Eher selten trifft man auf Aussagen, die eine Relativierung der mitgebrachten Stereotype und Bilder beinhalten, die sich durch den Auslandsaufenthalt ergeben haben. Da dieser Perspektivenwechsel aber für die Behandlung im DaF-Unterricht besonders relevant ist, soll eines der wenigen Beispiele hier aufgeführt werden:

86)Vor allem habe ich eine Menge darüber gelernt, wie wir als Deutsche im Ausland wahrgenommen werden und wie groß der Respekt vor unsereins doch eigentlich ist. Eine Erfahrung, die einerseits sehr schön war, mich gleichzeitig aber enorm überraschte. [...] Und überhaupt sind die Umstände vor Ort insgesamt doch deutlich besser als ihr Ruf. Das Thema Pünktlichkeit wird zwar tatsächlich nicht so groß geschrieben und auch beim Thema Organisation ist noch reichlich Luft nach oben, was jedoch das strukturierte Arbeiten angeht, so zumindest mein Eindruck an der Uni, stehen die Spanier uns Deutschen in absolut nichts nach. Was das Uni- System angeht, habe ich tatsächlich das deutsche System ein wenig mehr schätzen gelernt, da die persönlichen Freiheiten in Deutschland doch um einiges größer sind. In Spanien ist das System sehr verschult, was nicht ganz meinem Geschmack entsprach.

Der Textproduzent spricht nicht nur von seiner Wahrnehmung, sondern thematisiert die Erfahrung der intersubjektiven Fremdheit, im Ausland als Deutscher wahrgenommen zu werden. Die mitgebrachten Stereotype über Spanien („der Ruf“) werden vor Ort relativiert und somit differenzierter betrachtet. Pünktlichkeit, Organisation und strukturiertes Arbeiten sind wider die gängigen Klischees auch in Spanien vorhanden, wenn auch – so der Verfasser – nicht immer in der deutschen Ausprägung. Bezüglich der Universität ist der Textproduzent „tatsächlich“ vom deutschen System überzeugter, was er aber als auf einer persönlichen Präferenz („was nicht ganz meinem Geschmack entsprach“) beruhend markiert.

In einem weiteren Beispiel kann man ablesen, wie sich der Blick auf das eigene Land und die eigenkulturelle Prägung verändern kann:

87)Viele Dinge, die ich anfangs in Deutschland nicht zu schätzen wusste, fallen mir nun erstaunlich positiv auf. Genannt sei an dieser Stelle die oft so sehr kritisierte Bürokratie.
88)In Spanien wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wenn ich eins relativ schnell gelernt habe, dann dass man sich als Deutscher im Vorfeld immer viel zu viele Gedanken macht.

Schließlich seien noch die oft thematisierten Sprachprobleme erwähnt, die sich einerseits auf die noch defizitären Sprachkenntnisse der Studierenden, andererseits auf den realen Sprachgebrauch sowie die Konfrontation mit Dialekten zurückführen lassen:

89)Mit der Sprache generell ist es anfangs die totale Katastrophe und selbst wenn man schon relativ gut und viel Spanisch kann, versteht man so gut wie nix. Der Dialekt ist wirklich extrem und auch die meisten Professoren in der Uni sprechen so wie die Menschen auf der Straße, wobei man ja eher vermutet, dass da etwas besseres Spanisch gesprochen wird.

Sehr selten werden negative Resümees gezogen. Entweder widerspricht dies den Konventionen der Textsorte, oder die Erfahrungen sind letztendlich fast immer positiv. Vielleicht ist es auch das mit einer negativen Darstellung verbundene Eingestehen des Scheiterns, das zu rundweg positiven Bewertungen führt. Zwei seltene Beispiele für ein negatives Resümee seien hier vorgestellt:

90)Als Fazit muss ich leider sagen, dass ich einen Erasmus-Aufenthalt nicht weiterempfehlen kann und würde. Ich hab mir von den 5 Monaten einfach viel mehr versprochen, sowohl was die Sprache angeht wie auch Land & Leute. Ich muss nach der Zeit sagen, dass ich total enttäuscht bin wie die Spanier sind. Ich habe sie als sehr arrogant, überheblich und eingebildet kennengelernt und es war unmöglich Kontakt zu ihnen zu knüpfen.
91)Das folgende wird vielleicht nicht jeder gerne lesen. Ich selbst habe vor meiner Abfahrt auch solche Erfahrungsberichte gelesen und hätte mich über eine kritischere Darstellung gefreut. Denn wenn man alles nur positiv darstellt, erweckt man falsche Erwartungen. [...] Sowohl über die Universität von Granada als auch über das Erasmus Büro der Universität Hamburg bin ich sehr enttäuscht.

Gerade das erste Beispiel ist äußerst interessant für den Fremdsprachen-Unterricht. Anhand der Analyse des kompletten Erfahrungsberichts kann nach Gründen für diese negative Gesamtbewertung gesucht werden (s. Kapitel 3). Das zweite Resümee ist auch als eine Kritik an der Textsorte Erasmus-Erfahrungsbericht zu verstehen, die laut Verfasserin generell zu positiv gestaltet ist und somit falsche Erwartungen weckt.


3 Didaktische Anmerkungen und Fazit

Die textlinguistische Analyse hat gezeigt, dass es sich bei Erasmus-Erfahrungsberichten um eine Textsortenvariante von Erfahrungsberichten handelt, die sich vor allem durch die beiden dominierenden Textfunktionen Informieren und Instruieren auszeichnet. Die Vertextungsstrategie folgt dabei meist dem Doppelschritt Beschreiben und Beraten. Die von der Institution vorgeschlagene Textstruktur wird von den Verfassern modifiziert und vor allem um den Themenbereich Freizeit erweitert. Kulturvergleiche stellen vor allem das Abweichende dar, das als positiv oder negativ erfahren wird. Sprachlich zeichnen sich die Texte durch ein hohes Vorkommen von Ratschlägen aus, für deren Realisierung die Textproduzenten viele verschiedene sprachliche Mittel verwenden. Des Weiteren sind die Texte informell gestaltet und weisen Merkmale von Parlando und konzeptioneller Mündlichkeit auf.

Erasmus-Erfahrungsberichte können im DaF-Unterricht unter vielen Aspekten behandelt werden. Sie wurden während der Analyse bereits aufgezeigt und sollen hier nochmals zusammenfassend dargestellt werden. Als erster wichtiger Punkt handelt es sich bei diesen Texten um authentisches Unterrichtsmaterial, das leicht zugänglich und aktualisierbar ist. Zudem kann die Auswahl regionalspezifisch erfolgen und somit den Lernern ein Einblick in die Fremdwahrnehmung des eigenen Landes ermöglicht werden. Hier öffnen sich natürlich auch Möglichkeiten der Thematisierung von Critical Incidents (als kritisch erlebte kulturelle Überschneidungssituationen), die mit Hilfe des Analyse-Rasters LAC analysiert werden können.12

Aus sprachlicher Sicht ist dieses authentische Unterrichtsmaterial überaus relevant und höchst interessant für die Lerner, da es viele Elemente der gesprochenen Sprache des Alltags wie Umgangssprache, Elisionen und Gesprächspartikeln enthält. Hinsichtlich der Frage, wie viel authentische Sprache der DaF-Unterricht verträgt, kann die konzeptuelle Mündlichkeit dieser Texte eine Brückenfunktion einnehmen. Erasmus-Erfahrungsberichte sind authentische Texte mit Elementen gesprochener Alltagssprache, durch ihre Medialität der Schriftlichkeit ist aber ihre Rezeption leichter als bei Audio-Texten, auch wenn diese durch Transkripte verschriftlicht werden.13 Natürlich soll das Hören von authentischem Gesprächsmaterial durch ihre Lektüre nicht ersetzt werden, sondern den ersten Schritt bei einer Hinführung zu realem Sprachgebrauch darstellen.

Vor allem der Sprachgebrauch von deutschen Studierenden dürfte für DaF-Lerner mit Studienziel Deutschland von Interesse sein. Hier ist nicht nur an die studentische Alltagssprache, sondern auch das spezifische Vokabular des Universitäts-Bereichs zu denken, das en passant mit diesen Texten gelernt werden kann.

Ein Problem soll zuletzt aber nicht unerwähnt bleiben: die häufig in den Texten auftauchenden Orthographie- und Interpunktionsfehler. Mit diesem Problem muss sich aber jeder auseinandersetzen, der authentische Alltagstexte im Unterricht verwenden möchte. Ich gehe davon aus, dass die Fehlerquote in Erasmus-Erfahrungsberichten immerhin noch geringer ist als bei privaten Emails, Diskussionsforen oder Chats, die neuerdings ebenso als Materialien im DaF-Unterricht dienen sollen.14 Ich schlage vor, diese Fehler vor dem Einsatz im Unterricht zu korrigieren. Das Material bleibt dennoch authentischer als das Schriftdeutsch der Lehrwerke.


Literatur

Betz, Ruth (2006): Gesprochensprachliche Elemente in deutschen Zeitungen. Radolfzell: Verlag für Gesprächsforschung.

Bies, Andrea (2013): „Critical Incidents-Analyse“. In: Dalipi, Merlinda (ed.): ¡Preparados para Alemania! Interkulturelle Kompetenz für spanische Studierende in Deutschland. Münster, Waxmann: 71–93.

Bies, Andrea (2015): „Erstkontakt: Behandlung einer kommunikativen Gattung im DaF-Unterricht anhand von Transkripten“. InfoDaF 6: 629–650.

Brinker, Klaus (2005): Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 6. Auflage. Berlin: Schmidt. (= Grundlagen der Germanistik 29).

DAAD (ed.) (2016): Wissenschaft weltoffen 2016. Daten und Fakten zur Internationalität von Forschung und Studium im Ausland. Bielefeld: Bertelsmann.

Duden (ed.) (2016): Die Grammatik. 9. Auflage. Berlin: Dudenverlag. (= Duden 4).

Dürscheid, Christa (2011): „Parlando, Mündlichkeit und neue Medien“. Schweizerische Zeitung für Bildungswissenschaften 33/2: 175–190.

Fandrych, Christian/Thurmair, Maria (2011): Textsorten im Deutschen. Linguistische Analysen aus sprachdidaktischer Sicht. Tübingen: Stauffenburg.

Hormuth, Julia (2009): Erfahrungsweitergabe und Auslandsentsandten. Eine gesprächsanalytische Studie am Beispiel deutscher Manager in Spanien. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Imo, Wolfgang/Moraldo, Sandro M. (eds.) (2015): Interaktionale Sprache und ihre Didaktisierung im DaF-Unterricht. Tübingen: Stauffenburg.

Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1985): „Sprache der Nähe – Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte“. Romanisches Jahrbuch 36: 15–43.

Liedke, Martina (2013): „Mit Transkripten Deutsch lernen“. In: Moraldo, Sandro M./Missaglia, Federica (eds.): Gesprochene Sprache im DaF-Unterricht: Grundlagen–Ansätze–Praxis. Heidelberg, Winter: 243–266.

MLU Halle-Wittenberg (s. a.): ERASMUS Erfahrungsberichte. www.international.uni-halle.de/international_office/studierende/hallesche_studierende/erasmus/berichte/ [26.02.2017].

Müller-Jacquier, Bernd (1999): Interkulturelle Kommunikation und Fremdsprachendidaktik. Koblenz: Universität Koblenz. (= Studienbrief- und Materialienreihe: Fremdsprachen in Grund- und Hauptschulen).

Müller-Jacquier, Bernd (2007): „Konstruktionen von Fremdheit in Erfahrungsberichten“. In: Kühlmann, Torsten/Müller-Jacquier, Bernd (eds.): Deutsche in der Fremde. Assimilation – Abgrenzung – Integration. St. Ingbert, Röhrig: 14–45.

Rolf, Eckard (1993): Die Funktionen der Gebrauchstextsorten. Berlin: de Gruyter.

Sieber, Peter (1998): Parlando in Texten. Zur Veränderung kommunikativer Grundmuster in der Schriftlichkeit. Tübingen: Niemeyer.


Anmerkungen

1 Spanien ist seit vielen Jahren das beliebteste Erasmus-Zielland der deutschen Studierenden (DAAD 2016: 57). zurück

2 Als abweichendes Beispiel sei die Textgestaltung in zwei Abschnitten genannt, welche mit „Dinge, die neu sein werden“ und „Dinge, die du lieben wirst“ betitelt sind und stichwortartig abgehandelt werden. zurück

3 Die Erfahrungsweitergabe kann auch mündlich erfolgen, bspw. im Rahmen von Erasmus-Informationsveranstaltungen. Zur mündlichen Weitergabe von Auslandserfahrungen in Unternehmen siehe Hormuth (2009). zurück

4 Die anonyme oder nicht-anonyme Autorenschaft hat Konsequenzen für den Inhalt des Berichts: Die hier gesichteten anonymen Berichte waren auch mit negativen Erfahrungen verbunden und kritischer als die nicht-anonymen (vgl. dazu auch Kap. 2.3.4). zurück

5 Diese optionalen oder obligatorisch vorgegebenen Inhalte für Erasmus-Erfahrungsberichte sind auf allen Webseiten der Universitäten im Bereich Erasmus zu finden. zurück

6 Mit dem Terminus „Parlando“ bezeichnet Sieber (1998: 51) „eine bestimmte Art textueller Oberfläche, die sich sowohl in der Wortwahl und auch in der Syntax wie auch in der Textstruktur stark an einer fiktiven Redesituation zu orientieren scheint“. Zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden mit dem Konzept der „konzeptionellen Mündlichkeit“ von Koch/Oesterreicher siehe Dürscheid (2011). zurück

7 Da diese Fehler auch in den hier zitierten Beispielen sehr zahlreich sind, wurde für eine bessere Lesbarkeit auf deren Markierung verzichtet. zurück

8 Je nach Textverarbeitungsprogramm erscheinen die Emoticons als Smileys oder Zeichenfolge. Sie werden hier so wiedergegeben, wie sie in den Berichten erscheinen. zurück

9 Diese Form gehört zur i-Ableitung, die laut Betz (2006: 84) Vertraulichkeit suggerieren oder Verachtung implizieren kann. zurück

10 Hier sei nochmals auf die Existenz des kleineren Teil des Korpus hingewiesen, der ein narratives Muster zeigt und keine Handlungsempfehlungen enthält. zurück

11 Die Form mit würde ist auch bei persönlichen Einschätzungen (wie bspw. „Trotzdem empfehlenswert, würde ich meinen.“) zu finden. Diese Form des „vorsichtigen“ Konjunktivs dient laut Duden (2016: 532–533) „einer vorsichtigen unaufdringlich-zurückhaltenden Feststellung, die den Partner nicht vor den Kopf stoßen soll“. zurück

12 Zum Analyse-Konzept „Linguistic Awareness of Cultures“ (LAC) siehe Müller-Jaquier (1999: 55–98); zu dessen Spezifizierung für den deutsch-spanischen Kontext siehe Bies (2013). zurück

13 Zur Arbeit mit Transkripten im DaF-Unterrichte siehe Liedke (2013) und Bies (2015). zurück

14 Cf. die Beiträge im Sammelband von Imo/Moraldo (2015). zurück