К вопросу об астрономических предсавлениях манихеев (Кефалайя 57) [Alexander Khosroyev: Zu astronomischen Vorstellungen der Manichäer (Kephalaia 57)]
Published 2005-10-09

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Abstract
Die koptische, aus dem Griechischen übersetzte (obwohl hinter dem verlorenen griechischen Text wahrscheinlich ein aramäisches Original steckte) manichäische Abhandlung Kephalaia zeigt deutlich, daß die Manichäer mit den hellenistischen astrologischen Vorstellungen, die uns aus der reichen griechischen astrologischen Literatur gut bekannt sind, wohl vertraut waren. Allerdings kann man längst nicht alle Phänomene der manichäischen Astrologie bzw. Astronomie aus dieser Tradition erklären. Auch wenn die Manichäer das hellenistische astrologische Gut in dieser oder jener Form kannten, verschmolzen sie es mit jenen vulgären astrologischen (bzw. astronomischen) Vorstellungen (d. h. die merkwürdige Anordnung der Gestirne), die nie außerhalb des persischen Religionsraums verbreitet zu sein schienen. Bundahischn und ihm ähnliche zoroastrische Texte versuchen, diese Vorstellungen zu systematisieren und in Übereinstimmung mit zeitgenössischen astrologischen Spekulationen zu bringen, die zu Manis Zeit durch die Übersetzungen aus dem Griechischen in den Iran schon eingedrungen waren, ohne aber auf die alten, die sehr wesentlich für den Glauben blieben, verzichten zu können. Zu Mani und seinen Schülern kamen aber diese Vorstellungen nicht unbedingt durch ein ad hoc Lesen dieses oder jenes zoroastrischen astronomischen Buches, sondern als Teil der sie umgebenden Kultur wohl durch den mündlich tradierten Volksglauben, in dem sie vom Altertum an fortlebten. Als Ergebnis schufen die Manichäer unter Einwirkung ihrer religiösen Konzeption ein bizarres und einzigartiges Bild der oberen Welt, das weit von dem vulgär-wissenschaftlich-philosophischen Bild des Himmels entfernt war, welches man bei den zeitgenössischen hellenistischen Astrologen vorfindet.