Боспорский воин Аполлоний и его поэт (КБН 119). I [Alexander Gavrilov: Der Bosporaner Apollonius und sein Dichter (CIRB 119). Teil I]
Published 2005-10-09

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Abstract
Die Fehler im gekonnt auf einer Stele aufgeschriebenen Grabgedicht des Apollonios (CIRB 119), als etwas an sich Ganzheitliches betrachtet, zeigen, dass es sich doch um die Orthographica handelt: Neben dem Liquidum im Auslaut ist es hauptsächlich die Unsicherheit des Steinmetzen bei der Schreibung des nicht ausgesprochenen iota, die ihn zu den verwirrend hyperkorrekten Schreibungen verführt. Die Umstände des Kriegertodes des Bosporaners sind dem Verf. nach den Ausdrücken χερί und ἔγχος kaum abzugewinnen, da sie v. a. die poetische Ausdrucksweise an den Tag legen. Auch die Gegenüberstellung ἀστένακτος – ἀναστένει (der Fallende stöhnt nicht, seine Ehefrau umso mehr) hat einen offenkundigen rhetorischen Effekt, welchen die griechischen Wörterbücher, aber nicht die russischen Herausgeber des Textes, von Latyschev angefangen, richtig zum Ausdruck bringen.
Die Verbform ἐρόμβισεν könnte vom Verb ῥομβέω stammen, wenn die Paenultima im Aorist dieses Verbs nicht lang wäre, was einen schweren Verstoß gegen die in jambischen Trimetern gültige und in dem Epitaph des Apollonios konsequent befolgte metrische Regel mit sich brächte. Das zwingt – wiederum pace Latyschev – zur Annahme, dem spärlich belegten ῥομβέω sei das u. a. von LSJ an dieser Stelle angenommene Hapax *ῥομβίζω vorzuziehen, was auch dem Verhältnis beider morphologischer Bildungsmuster und ihrer Produktivität in der entsprechenden Zeit angemessen ist. Von den Modalitäten, wie man von ῥόμβος zur Idee eines jähen Lebensendes im Rahmen einer mythologisierenden Ausarbeitung des Bildes der spinnenden Parze gelange, ist diejenige am wahrscheinlichsten, welche – diesmal im Einklang mit Latyschev – von der dem Wort ῥόμβος grundlegenden Vorstellung einer um die eigene Achse sich drehenden kräftigen Bewegung kommt. κλωστὴρ Μοιρέων (Z. 10), die Parzenspindel, ἐρόμβισεν den Apollonios, d. h. Klotho versetzte seinen Lebensfaden in eine so starke zwinende Bewegung, dass der Faden abreißen musste. (Fortsetzung folgt.)