Том 9 № 1 (2003)
III

Поэтика уподоблений в древнерусской агиографии [Oleg Panchenko. Die Poetik der Angleichung in der altrussischen Hagiographie]

О. В. Панченко
ИРЛИ РАН (Пушкинский Дом)

Опубликован 2003-09-20

Как цитировать

Панченко, О. В. (2003). Поэтика уподоблений в древнерусской агиографии [Oleg Panchenko. Die Poetik der Angleichung in der altrussischen Hagiographie]. Hyperboreus, 9(1), 181-190. https://doi.org/10.36950/hyperboreus.v9p1a17

Аннотация

Der Verf. untersucht eine der grundlegenden Methoden in der altrussischen Hagiographie, deren Wesen darin besteht, dass der Autor einer Vita, eines Lobliedes oder einer Liturgie bei der Darstellung eines jeden neuen Heiligen für gewöhnlich versuchte, ein diesem entsprechendes “hagiologisches Modell” unter den großen Glaubensbekennern der Vergangenheit zu finden, um den zu preisenden Heiligen in Analogie zu diesem darzustellen.

So wie es im Bewusstsein der altrussischen Autoren verankert war, existierte das hagiologische Modell nicht als kategorialer (heiliger Mönch, Bischof, Fürst, Frau o. ä.), sondern als konkret-individueller Begriff (es besaß konkrete Namen wie z. B. Sergij Radonežskij, Fürst Vladimir usw.) und kann deshalb als “personifiziertes Modell” der Heiligkeit betrachtet werden. Meist wurden solche Heiligen zu hagiologischen Modellen, die sehr bekannt waren und den Namen des zu Verherrlichenden trugen oder einen gemeinsamen Typ von Heiligkeit verkörperten (für einen Fürsten – die heiligen Märtyrer Boris und Gleb, für ehrwürdige Geistliche – Feodosij Pečerskij, für Bischöfe – Johannes Chrysostomus [Ioann Zlatoust] usw.), oder Heilige, die mit dem zu preisenden Heiligen eine gewisse “Analogie” aufwiesen. Weiterhin werden Merkmale betrachtet, die von altrussischen Autoren für solche Analogien benutzt wurden, wie die Übereinstimmung der Namen, die Ähnlichkeit des geistigen Verdienstes, die Vergleichbarkeit bestimmter porträthafter Züge oder die Entsprechung der vollbrachten Wunder usw.

Im Bewusstsein des altrussischen Autors existierte ein hagiologisches Modell in der Regel als Einheit mit dem ihm gewidmeten literarischen Text und der ikonographischen Darstellung. Mit der Wahl eines bestimmten hagiologischen Modells ging deshalb gewöhnlich die Entlehnung der mit diesem verbundenen literarischen Form einher. Indem der altrussische Autor ein seinem Helden nahestehendes Modell wählte, benutzte er in der Regel auch den diesem gewidmeten literarischen Text als eine besondere “Matrize” für die Erstellung des eigenen Textes.

Im Beitrag wird das Verhältnis zwischen der literarischen Methode der Angleichung an hagiologische Modelle und der geistigen Erfahrung aus der christlichen Anthropologie untersucht: Es werden eine Reihe von Aussagen östlicher Kirchenväter (Basilius der Grosse, Dionysios der Areopagite, Johannes Klimax, Maximus Confessor) angeführt, die dem Thema der “Angleichung” gelten. Außerdem wird der innere Zusammenhang zwischen dem Prinzip der literarischen Angleichung und demjenigen der Nachahmung (des geistigen Lehrers, des gleichnamigen Heiligen oder der Heiligenviten) im realen Leben verfolgt.