Fischen im Trüben - oder eben nicht: Erschliessungsstrategien für einen Bildbestand im unternehmerischen Kontext

Thomas Fink

Abstract


In unserem Alltag sind Bilder allgegenwärtig, mittlerweile haben sie für die Kommunikation zwischen Menschen eine grössere Bedeutung als Texte. Mit der steigenden Bedeutung des Bildes und dem damit verbundenen Anwachsen von Beständen ergeben sich für die dokumentarische Praxis neue Herausforderungen im Bereich der Ordnung und Erschliessung – Herausforderungen, die nicht kleiner geworden sind angesichts der Ablösung der analogen durch die digitale Fotografie und damit einhergehend ihrer vereinfachten Zugänglichkeit und Verbreitung.
Die Bedeutung von Bildern hat auch in der internen und externen Kommunikation der Firma Roche zugenommen. Seit der Jahrtausendwende hat sich der interne Bilderdienst von einem analogen Angebot zu einer unternehmensweit zugänglichen, PhotoLibrary genannten Intranet-Plattform entwickelt. Entsprechend des Stellenwertes des Bildes in der Kommunikation erfreut er sich einer regen Nutzung, die Anzahl eingeschriebener User ist hoch, die Anzahl getätigter Downloads beträgt über 400 pro Tag. Der Bestand in der PhotoLibrary ist zeitgemäss, d.h. die auf den Bildern abgebildeten Objekte, Personen etc. besitzen Aktualität und Gültigkeit, die Bilder selber entsprechen der aktuell verbindlichen Bildsprache von Roche. Thematische Schwerpunkte sind Produkte, Personen (Management), Standorte und Anlagen sowie Symbolbilder in den Bereichen Gesundheit und Mitarbeitende.
Den genannten Herausforderungen muss sich auch die PhotoLibrary stellen: die Nutzer verlangen nach immer mehr Bildern und einer grösseren thematischen Vielfalt. Für die Erschliessung von Bildern wird ein mächtiges, komplexes Digital Asset Management-System eingesetzt, das die Erfassung des Produktionsprozesses für audio-visuelle Medien sowie deren Verwaltung und Nutzung ermöglicht. Die Applikation beinhaltet eine spezielle Workflow-Komponente, in der Fotos aus Bildproduktionen für die (Wieder-) Benutzung ausgewählt, erschlossen und freigeschaltet werden können.
Die inhaltliche Bilderschliessung für die PhotoLibrary wird in erster Linie über vier Elemente ermöglicht: die freitextliche Bildbeschreibung, die Verschlagwortung von Bildinhalten anhand eines Thesaurus, bildtypologische Vermerke sowie eine Dossierfunktion für ausgewählte Themenbereiche.
Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet, wie kann mit der bestehenden Applikation den gestiegenen Anforderungen begegnet werden, oder sind andere Erschliessungsstrategien nötig, um in Anbetracht der bestehenden Ressourcen und veränderter Nutzerbedürfnisse eine effiziente, nutzerorientierte Erschliessung zu gewährleisten.
Im weitesten Sinne wird dabei ein empirischer Ansatz verfolgt. Zum einen wird der Bilderdienst PhotoLibrary beschrieben, was er beinhaltet und wie er genutzt wird; zudem wird dargelegt, welche Methoden und Werkzeuge der Bilderschliessung eingesetzt werden. Zum anderen widmet sich die Arbeit der Überprüfung von Strategien der inhaltlichen Erschliessung. Im Fokus stehen dabei Konzepte basierend auf Formen kontrollierter Vokabulare, speziell eines Thesaurus, und die Etablierung von Methodenstandards für die Bildbeschreibung.
Grundlage des zweiten Teils waren Gespräche mit Experten, d.h. Personen, die in Bildarchiven oder verwandten Institutionen tätig sind. Mit ihnen wurden verschiedene Erschliessungsszenarien diskutiert; sie gewährten zudem Einblick in ihre Methoden und erörterten, welche regulatorischen und organisatorischen Massnahmen in ihren Augen eine effiziente Erschliessung ermöglichen.
Die dokumentarische Praxis betreffend die PhotoLibrary zeigt: Die Nutzung und Pflege eines kontrollierten Vokabulars ist zwar aufwändig, aber sinnvoll und hat in der Erschliessung wie auch im Retrieval seine Vorteile. In einer Fortsetzung der Studie wäre trotzdem zu prüfen, welche anderen Erschliessungsstrategien für diese Dienstleistung sinnvoll und möglich wären - Strategien und Konzepte also, welche die Balance finden zwischen den zur Verfügung stehenden Ressourcen, dem Bestand und seiner Entwicklung sowie den Nutzerbedürfnissen.

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DOI: http://dx.doi.org/10.18755/iw.2018.19

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