Die Online-Publikation einer Fotosammlung am Beispiel des Archivs der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu

Daniela Rölli

Abstract


Seit 1937 fotografieren die Berater der Abteilung Verkehrstechnik der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu schweizweit Strassenkreuzungen, Verkehrssituationen und Unfälle und illustrieren damit ihre Gutachten. Dabei entstand eine Fotosammlung von hohem kulturhistorischem Wert, die nicht nur Aufschluss über die Geschichte der Verkehrsprävention, sondern auch über gesellschaftliche und technische Entwicklungen in den Bereichen Architektur, Technik, Mode, Werbung usw. gibt. Nach der Digitalisierung der gesamten Sammlung stellte sich daher für das bfu-Archiv die Frage, wie die rund 55'000 Digitalisate im Internet für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. In der Masterarbeit wurde dazu einerseits ein auf dem Konzept OpenGLAM basierendes Vorgehensmodell für die Online-Publikation einer Fotosammlung entwickelt und umgesetzt. OpenGLAM (GLAM steht im Englischen für «Galleries, Libraries, Archives, Museums») will die Hürden für die Nutzung von Kulturgütern so niedrig wie möglich machen und die Öffnung der Bestände vorantreiben. Die vorliegende Arbeit konnte aufzeigen, dass das Konzept OpenGLAM auch für ein halböffentliches Archiv wie jenes der Beratungsstelle für Unfallverhütung wichtige Inputs liefern kann. So wird für die Öffnung der Fotosammlung die Online-Publikation von webaufgelösten Nutzungsderivaten ohne Wasserzeichen mit entsprechender Lizenzierung, sowie der Verzicht auf Nutzungsgebühren auch bei kommerzieller Nutzung für die hochaufgelösten Digitalisate vorgeschlagen.
Weiter wurden in der Arbeit die Ängste, die in Sachen OpenGLAM und Open Data bei Gedächtnisinstitutionen nach wie vor bestehen, aufgeführt. So wurde auch bei den Verantwortlichen der bfu insbesondere die Angst vor Kontrollverlust geäussert. Dieser Befürchtung, die der Schweizer OpenGLAM-Experte Beat Estermann als möglichen «Stolperstein für Open Data» betrachtet, kann nur dadurch begegnet werden, indem der Sensibilisierung der Verantwortlichen genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dies ist eine anspruchsvolle und schwierige Aufgabe; gerade wenn Personen, die nicht im Archivbereich arbeiten, von neuen innovativen Methoden der Online-Publikation überzeugt werden sollen. Daher sind als Entscheidungsgrundlage sowohl eine Auflistung der Chancen und Risiken wie auch von statistischen Zahlen (Zahl der Anfragen, Zahl der Aufträge, Aufwand für Benutzerbetreuung, eingenommene Benutzungsgebühren) unabdingbar. Auch der Beizug von Beispielen und Personen mit OpenGLAM-Erfahrung kann sinnvoll sein. Im Fall der bfu scheint insbesondere das Argument, dass mit der Online-Publikation mehr Zugriffe auf die bfu-Webseite generiert werden und verschiedene Zielgruppen (Medien, interessierte Öffentlichkeit, Forschende) angesprochen werden, ausschlaggebend zu sein.
Anhand von Beispielen aus zahlreichen Institutionen weltweit und in der Schweiz konnte in der Masterarbeit zudem aufgezeigt werden, dass die Erfahrungen mit OpenGLAM bisher durchwegs positiv sind. So hat sich zum Beispiel durch die neue Open Data-Strategie des ETH-Bildarchivs die Zahl der Downloads auf der Bildplattform e-pics.ch massiv erhöht und der interne Aufwand reduziert. Zudem ist die Zahl der Anfragen leicht rückläufig, weil die Benutzer die Bilder online finden und nicht mehr den «Umweg» über das Archivpersonal machen müssen. Diese Pionierarbeit wird dazu führen, dass auch andere Archive mit grossen Bildbeständen ihre Praxis in Sachen Nutzungsgebühren für Reproduktionen und die Art der Online-Publikation überdenken müssen. Denn die GLAM-Institutionen können sich dem Druck, ihre Bestände zu öffnen, nicht länger verschliessen.

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DOI: http://dx.doi.org/10.18755/iw.2018.32

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